„Aber wohin kommen wir denn da?“

Arthur Schnitzlers „Reigen“, seine Orte und ein Preis
Buchpräsentation Reigen : Historisch-kritische Ausgabe (2019)

6. Juni 2019, 19 Uhr, Das Kasino am Schwarzenbergplatz, Schwarzenbergplatz 1, Wien
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Der Preis

René Pollesch ist nach Franzobel, Gert Jonke und Kathrin Röggla der vierte Träger des von der Arthur Schnitzler-Gesellschaft verliehenen und zu gleichen Teilen von Stadt Wien und Bundeskanzleramt finanzierten Arthur-Schnitzler-Preises. Mit ihm wird „ein herausragender Repräsentant zeitgenössischen Theaters geehrt, dessen gesellschaftsdiagnostische Stücke sich gegen etablierte Macht- und Diskursstrukturen wenden.“

Neben Hans Mrak, Kathrin Röggla und Daniela Strigl gehörte der Jury auch Ronald Pohl an, der die Laudatio halten wird.

Reigen

Die Verleihung des Arthur-Schnitzler-Preises erfolgt gemeinsam mit der Präsentation des neuen Bandes der von Konstanze Fliedl verantworteten Wiener historisch-kritischen Arthur-Schnitzler-Ausgabe, die an der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften entsteht. Reigen erscheint 2019 in zwei Bänden bei de Gruyter, herausgegeben von Marina Rauchenbacher und Konstanze Fliedl.

Schon unmittelbar nach der Publikation als Privatdruck im Jahr 1900, dann verstärkt ab der Erstveröffentlichung im Wiener Verlag 1903 und schließlich im Besonderen nach der Uraufführung in Berlin Ende 1920 und der ersten österreichischen Aufführung 1921 sorgte Reigen für Aufruhr und führte zu einem der größten Theaterskandale des 20. Jahrhunderts. Dabei zeigte sich auf beunruhigende und gleichsam symptomatische Weise der zunehmende Antisemitismus. Das Buch wurde verboten, Aufführungen wurden gestürmt, Prozesse folgten, Schnitzler wurde diffamiert.

Anhand der Orte im Stück können sozialgeschichtliche und machtpolitische Themen, die Reigen eindrucksvoll diskutiert, in besonderer Weise nachvollzogen werden. Auch Rezeption und Skandalisierung des Stücks lassen sich entlang bestimmter Orte rekonstruieren und in einen größeren historischen Kontext einordnen. Das gilt genauso für die kriegsbedingten ‚Reisen‘ der Handschriften von Wien über Großbritannien in die USA und schließlich wieder zurück nach Europa.

Unter dem Titel „Aber wohin kommen wir denn da?“ lesen Alina Fritsch, Dorothee Hartinger und Daniel Jesch bekannte und unbekannte Texte aus und zu Reigen und seinen Orten. Die Lesung wurde zusammengestellt von Marina Rauchenbacher und Eva Schörkhuber.