Deutsch als Fremd- und Zweitsprache

Forschungs- und Lehrgegenstand des Fachbereichs Deutsch als Fremd- und Zweitsprache ist die unterrichtliche und nicht-unterrichtliche Aneignung des Deutschen durch Personen mit anderen Erstsprachen im Kontext von Mehrsprachigkeit unter Berücksichtigung gesellschaftlicher, sprachlicher, institutioneller und politischer Rahmenbedingungen, sowohl inner- als auch außerhalb der amtlich deutschsprachigen Regionen. Im Detail geht es vor allem um die Bearbeitung eines breiten Spektrums von Aspekten der didaktisch-methodischen Gestaltung von verschiedenen Unterrichtskonzepten und der Professionalisierung von angehenden und praktizierenden Lehrkräften in der Schul- und Erwachsenenbildung, wobei im Zuge einer interdisziplinären Herangehensweise unterschiedliche theoretische Grundlagen herangezogen werden.

Call for Papers: „Deutsch und Kommunikation in der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Österreich“

Bitte beachten Sie diesen Call for Papers für ein Sonderheft mit Österreich-Schwerpunkt der Zeitschrift SpriB (Sprache im Beruf).

Vorträge am 16.01.2020

Donnerstag, 16.01.2020, 9:45 bis 11:15 Uhr

Universitätsring 1, Hörsaal 7, 1010 Wien

Gastvortrag: Dr. Dörthe Uphoff (Universidade de São Paulo)

Deutschunterricht in Brasilien: Geschichte und aktuelle Perspektiven

In diesem Vortrag möchte ich zunächst auf die wechselhafte Geschichte des Deutschunterrichts in Brasilien eingehen, um darauf aufbauend aktuelle Herausforderungen des schulischen Fremdsprachenunterrichts zu erläutern und die Bedeutung der deutschen Sprache in diesem Kontext zu diskutieren. Im brasilianischen Schulgesetz wird Fremdsprachen leider nur sehr wenig Platz eingeräumt, was zur Folge hat, dass viele BrasilianerInnen lediglich geringe Fremdsprachenkenntnisse in der Schule erwerben. Eine Ausnahme bilden hier die teuren Privatschulen des Landes, in denen ein intensives mehrsprachiges Curriculum oft einen Schwerpunkt darstellt. Welche Auswirkungen diese Situation hat und welche Rolle die deutsche PASCH-Initiative „Schulen – Partner der Zukunft“ dabei spielt, soll im Weiteren erörtert werden.

 

MMag. Dr. Yasmin El-Hariri (Universität Wien)

Lernendenperspektiven auf das Sprachenlernen in Online-Tandems

Sprachenlernen im (Online-)Tandem ist ein Ansatz, bei dem zwei Personen mit unterschiedlichen Sprachen von- und miteinander lernen, wodurch unter anderem Ängste abgebaut und Selbstsicherheit beim Verwenden einer neuen Sprache gefördert werden sollen.

In diesem Vortrag möchte ich Einblicke in mein Dissertationsprojekt (2014-2017) zu Lernendenperspektiven in videobasierten Online-Tandems geben. Dazu werden zunächst theoretische Grundlagen sowie Prinzipien des Tandemlernens kurz erläutert. Nach einem Überblick zum aktuellen Forschungsstand werden unterschiedliche Projekte, die an der Universität Wien durchgeführt wurden, vorgestellt. Den Kern der Präsentation bilden Einblicke in meine eigenen Forschungsaktivitäten im Rahmen einer Kooperation zwischen Lernenden in Österreich und Kolumbien. Anhand ausgewählter Forschungsschwerpunkte gehe ich zunächst auf die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Lernenden ein; daraufhin ermöglichen es Videoaufzeichungen und -transkriptionen, uns direkt in die Lernendenperspektive hineinzuversetzen und so tiefe Einblicke in das Geschehen während der Tandemsitzungen zu erhalten. Abschließend werden in einem Ausblick mögliche weiterführende Forschungsfragen diskutiert.

Vortrag am 09.01.2020

emer. o. Univ.-Prof. Dr. Hans-Jürgen Krumm

Sprachliche Unterstützung von MigrantInnen / Flüchtlingen: Zwei Projekte des Europarats

Donnerstag, 09.01.2020, 9:45 bis 11:15 Uhr

Universitätsring 1, Hörsaal 7, 1010 Wien

Vorgestellt werden zwei Projekte, mit denen der Europarat seinen Mitgliedern Anregungen und Hilfen zur sprachlichen Unterstützung von (erwachsenen) Migrantinnen, Migranten und Flüchtlingen gibt: Der Vortrag informiert über die Entstehungsgeschichte dieser Projekte, ihre Leitlinien ebenso wie die Ergebnisse im Kontext der sprachenpolitischen Arbeit des Europarats: Die entstandenen Webseiten/ Materialien werden in Aufbau und Funktion erläutert.

Intersektionale Perspektiven auf Othering in Bildungskontexten

Prof.in Dr.in Christine Riegel (Institut für Bildungswissenschaft an der Universität Wien)

Montag, 2. Dezember 2019, 09:45 Uhr

Hörsaal 50, Hauptgebäude, 2. Obergeschoss, Stiege 8

Gastvortrag im Rahmen der Vorlesung Einführung in DaF/Z

In diesem Beitrag werden Prozesse des Othering im Bildungskontext beleuchtet und rekonstruiert. Es wird danach gefragt, wie es in pädagogischen Kontexten (wie Schule, Jugendarbeit, politische Bildungsarbeit) durch Praxen und Diskurse der Grenzziehung, der Besonderung und der Normalisierung zu Prozessen der Diskriminierung, Ausgrenzung und Unterwerfung kommen kann, so dass (beabsichtigt oder nicht) bestehende Differenzordnungen von Dominanz und Unterordnung (immer wieder neu) hergestellt, abgesichert und reproduziert werden.

Vor diesem Hintergrund, dass auch Pädagogik und Bildung widersprüchlich in gesellschaftliche Machtverhältnisse involviert und verstrickt ist, wird das Potenzial von Intersektionalität als Perspektive der Analyse, Reflexion, Kritik und Veränderung im Bereich von Forschung und Bildungspraxis diskutiert.

Kontakt: Hannes Schweiger

Gastvortrag am 10.12.2019

Gastvortrag:

Dr. Nicole Schumacher (Humboldt Universität zu Berlin)

„Interaktion in Videokonferenzen für Deutsch als Fremdsprache: Perspektiven für die Lerner- und Lehrersprachenanalyse“

Dienstag, 10. Dezember 2019, 15 Uhr
Universitätsring 1
Seminarraum I Germanistik, 1. Stock/Unterteilung, Stiege 7a (über Stiege 9)
1010 Wien

Informationen und Anmeldung bei Mag. Dr. Matthias Prikoszovits

Gastvortrag am 30.10.2019

Gastvortrag:

Prof. Dr. Makiko Hoshii (Waseda Universität Tokio)

Entwicklungstendenzen in der Lernersprache – Abweichungen von der Zielsprache oder zielsprachliche „disfluency“?

Mittwoch, 30. Oktober 2019, 16 Uhr
Porzellangasse 4, Stiege 2, 4. Stock, Raum 404
1090 Wien
Abstract: Abstract Gastvortrag Hoshii

Informationen und Anmeldung bei Mag. Dr. Matthias Prikoszovits (matthias.prikoszovits@univie.ac.at)

Lernen aus neurowissenschaftlicher Perspektive

Erkenntnisse für den DaF/DaZ-Bereich
Gastvortrag PD Dr.in habil Marion Grein (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

Donnerstag, 3. Oktober 2019, 9.45-11.15 Uhr
Hörsaal 30, Hauptgebäude, 1. Stock, Stiege 7

Der Hueber Verlag und das Institut für Germanistik der Universität Wien laden zum Vortrag von PD Dr.in habil Marion Grein ein, in dem auf anschauliche Weise erläutert wird, wie das Lernen aus neurobiologischer Perspektive vonstattengeht. Vorgestellt werden dabei auch die Methoden der neurobiologischen Forschung. Wie lernt das Gehirn? Was beeinflusst den Lernerfolg?  Deutlich wird dabei, dass Lernen etwas sehr Individuelles ist und jeder Mensch über sehr spezifische Lernstile verfügt. Gezeigt wird ebenfalls, wie diese Erkenntnisse in den Fremdsprachenunterricht übertragen werden können.

Marion Grein ist habilitierte Leiterin des Masterstudiengangs Deutsch als Fremdsprache an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Sprachlehrforschung (Neurodidaktik), Sprachtypologie, Interkulturelle Kommunikation sowie Multimedia und E-Learning. Weiterbildungen bietet sie sowohl im In- als auch im Ausland an, derzeit mit dem Schwerpunkt Neurodidaktik.

Der Vortrag findet in Zusammenarbeit mit dem Hueber Verlag statt.

Die Anmeldung für den Vortrag erfolgt hier.

Organisation an der Universität Wien: Michal Dvorecký, PhD.

4. Jahrestagung des Vereins Migrationspädagogische Zweitsprachdidaktik

„(Strukturelle) Schlechterstellung von Zweitsprachlernenden? Einblicke und Analysen aus verschiedenen nationalen Kontexten“

Wir freuen uns sehr, Sie zu unserer 4. Jahrestagung am 27.09.2019 nach Wien einladen zu können. Wir haben dieses Jahr internationale Referntinnen aus den USA (Prof. Dr. Lilia Monzo, Chapman University) und Ungarn (Herta Márki, Eötvös Loránd University) zu Gast. Der Vorstand des Vereins Migrationspädagogische Zweitsprachdidaktik, Inci Dirim, Alisha M.B. Heinemann, Natascha Khakpour, Magdalena Knappik und Nina Simon

 

Wann: 27.09.2019
Tagungsort: Wien
Anmeldung: bis 15.07.2019 unter nicole.irmler@univie.ac.at
Tagungsgebühr: € 10,- (für Vereinsmitglieder ist die Teilnahme kostenlos

Veranstaltungsleitung: İnci Dirim
Organisation & Kontakt: Nicole Irmler

 

Zum Verein MPZD:
Der Verein Migrationspädagogische Zweitsprachdidaktik wurde gegründet, um an einer migrationspädagogischen didaktischen Arbeit im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ Interessierten ein gemeinsames Diskussionsforum zu bieten. Mit jährlich stattfindenden Tagungen und einer Zeitschrift, die sich in Planung befindet, findet die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern weit verstreuter Universitäten, Hochschulen und Praxiseinrichtungen statt.
Unser gemeinsames Ziel ist es, uns mit der fachlichen Entwicklung aus einer migrationspädagogischen Perspektive anzunähern, die zusammenfassend als eine macht- und rassismuskritische bezeichnet werden kann. Wir diskutieren die (bildungs-)politischen Entwicklungen, die unsere Arbeit beeinflussen und suchen nach Möglichkeiten, diese auf pädagogisch-didaktischer Ebene so zu gestalten, dass nicht an gesellschaftliche, politische, institutionelle Ausgrenzungen von Deutschlernenden und -lehrenden angeschlossen wird. In dieser Suche zeigen sich Spanungsverhältnisse und Dilemmata, aber auch Möglichkeiten der Veränderung auf, die wir uns gemeinsam genauer anschauen.
Wir gehen davon aus, dass auch in anderen nationalen Kontexten ähnliche Verhältnisse existieren, sodass wir uns für eine internationale Öffnung unseres Vereins entschieden haben – daher arbeiten wir mit dem Begriff „Zweitsprache“.
Neue Mitglieder sind herzlichst willkommen! Weitere Informationen zur theoretischen Ausrichtung und praktischen Arbeit sowie zur Anmeldung als Vereinsmitglied finden Sie unter: info@mpzweitsprachdidaktik.at

DocNet DaF/DaZ-Didaktik 2019

Veranstaltungsort: Strobl am Wolfgangsee, Österreich
Datum: 06.06.2019 – 08.06.2019

Veranstaltungsleitung: İnci Dirim
Organisation & Kontakt: Nicole Irmler

Das DocNet DaF/DaZ wurde 2015 als nationale Zusammenarbeit der Universitäten Graz und Wien ins Leben gerufen und ist mittlerweile als internationale Kooperation von acht Universitäten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz etabliert. Es findet im Rahmen eines zweieinhalbtätigen Kolloquiums einmal jährlich in Strobl am Wolfgangsee statt und dient der Präsentation und Diskussion von Dissertationsprojekten im Fachbereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und benachbarten Feldern wie Mehrsprachigkeitsdidaktik.

Das Kolloquium wird durch einen Vortrag eröffnet. Daran anschließend finden die Präsentationen und Diskussionen der Dissertationsprojekte statt. Zusätzlich können die DissertantInnen auch individuelle Beratungen der ProfessorInnen in Anspruch nehmen.

Darüber hinaus besteht bei den gemeinsamen Mittag- und Abendessen die Möglichkeit zum informellen Austausch zu Fragen der Forschung, Promotion und wissenschaftlichen Karriereplanung. Mit diesem Arrangement soll dieses Kolloquium neben der fachlichen auch zur internationalen Vernetzung didaktisch orientierter DaF/DaZ-NachwuchswissenschaftlerInnen beitragen.

Ist ‚wissenschaftliches Schreiben‘ eigentlich eine Frage des Stils?

Gastvortrag Prof. Dr. Dr. hc. Konrad Ehlich (FU Berlin / LMU München)

Mittwoch, 26. Juni 2019, 16:45 – 18:15 Uhr

Hörsaal 41, Hauptgebäude, 1. Stock, Stiege 8

Wissenschaftliches Schreiben stößt in der letzten Zeit zunehmend auf ein zuvor so noch nicht gekanntes Interesse. Das betrifft die Universität als Ort der Lehre wie als Ort der Forschung. Es betrifft zugleich den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Öffentlichkeit.

Die selbstverständliche Unterstellung, dass Studierende beim Übergang von der Schule in die Universität über eine hinreichende schriftsprachliche Qualifizierung für die dort auf sie zukommenden Aufgaben und Anforderungen verfügen, hat sich als offensichtlich falsch herausgestellt. Wie sieht eine solche Qualifizierung aber aus? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wird wissenschaftliches Schreiben selbst zum Gegenstand wissenschaftlicher Analyse. Linguistische und sprachpsychologische Forschung ebenso wie die germanistische, die DaFund die Hochschuldidaktik befassen sich damit. Dabei wird gern auf ein Inventar von Begriffen zurückgegriffen, die besonders aus dem Bereich der Rhetorik bzw. der Stilistik entnommen werden.

In dem Vortrag wird es darum gehen, solche Konzeptualisierungen im Licht einer Theorie der Wissenschaftskommunikation auf ihre Erkenntnis- wie auf ihre Verkennungspotentiale hin zu untersuchen und konkrete Vermittlungsaufgaben in Bezug auf das wissenschaftliche Schreiben – nicht zuletzt für das Deutsche als fremde Wissenschaftssprache – näher zu bestimmen.

Es ist keine Voranmeldung nötig.

Informationen bei Mag. Matthias Prikoszovits

Professuren

  • İnci Dirim
    Univ.-Prof. für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
    Stellvertretende Institutsvorständin
  • Karen Schramm
    Univ.-Prof. für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache

Ass.-Prof. · Assoz. Prof. · ao. Univ.-Prof.

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (post doc)

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (prae doc)

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (Projekte)

Lehrbeauftragte

Emeriti · Im Ruhestand

Portrait

Zentrale Arbeitsfelder

Der Fachbereich untergliedert sich in zwei zentrale Arbeitsbereiche: Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache. Der Bereich Deutsch als Fremdsprache widmet sich den linguistischen, didaktisch-methodischen, kultur- und literaturbezogenen Fragen des Deutschunterrichts im nicht-deutschen Sprachraum. Dabei steht der schulische und universitäre Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht im Zentrum der Forschungsanstrengungen, aber auch Erwachsenenbildung und Kindergarten sind wichtige Forschungsfelder des Arbeitsbereiches. Deutsch als Zweitsprache befasst sich vornehmlich mit der Frage, wie die aus der (amtssprachlichen) Dominanz des Deutschen erwachsende Nachteile für migrationsgesellschaftlich zwei- und mehrsprachige Kinder, Jugendliche und Erwachsene reduziert werden können. Dabei werden unterschiedliche Lebens-, Bildungs- und Arbeitsbereiche in den Blick genommen; es werden Modelle der Unterstützung der Aneignung des Deutschen entwickelt und evaluiert. Hierfür werden linguistische Grundlagen und Rahmenbedingungen wie Sprachwandel in der Migrationsgesellschaft untersucht.

Aufgaben

Zentrales Anliegen des Arbeitsbereiches Deutsch als Fremdsprache ist es, zur weltweiten Qualitätsentwicklung des Deutsch-als-Fremdsprache-Unterrichts beizutragen, indem entscheidende Impulse beispielsweise für bedarfs- und berufsorientierte Reformen von Germanistik-Studiengängen im nicht-deutschsprachigen Ausland, für die Aus- und Weiterbildung von Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrpersonen sowie auch für die weltweite Vermittlung deutschsprachiger Literatur und Kultur an Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen erarbeitet werden. Der Arbeitsbereich Deutsch als Fremdsprache an der Universität Wien versteht sich dabei im Hinblick auf historische, konzeptuelle und insbesondere empirische Forschung sowie auch Lehrpersonenaus- und -weiterbildung im Fach Deutsch als Fremdsprache als Partner in der internationalen Zusammenarbeit von Germanistik- und Deutsch-als-Fremdsprache-Abteilungen und misst der Förderung von NachwuchswissenschaftlerInnen besondere Bedeutung bei. Ziel für den Bereich Deutsch als Zweitsprache ist es, dazu beizutragen, die Schlechterstellung, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene mitunter erfahren, die sich das Deutsche als weitere Sprache aneignen, zu verringern. Da die aus der (amtssprachlichen) Dominanz des Deutschen erwachsenden Nachteile auch durch die Nutzung der lebensweltlichen Mehrsprachigkeit reduziert werden können, werden auch methodisch-didaktische Vorgehensweisen zur Verwendung und Nutzung der Migrations- bzw. Minderheitensprachen im Unterricht ausgearbeitet bzw. reflektiert. Da Sprache nicht losgelöst von politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen betrachtet werden kann und faktisch sowie symbolisch für die Regulierung von Zugehörigkeiten benutzt wird, kommen weitere wissenschaftliche Perspektiven zum Einsatz, die diese Verknüpfungen zu verstehen ermöglichen, etwa rassismuskritische.

Zur Geschichte

Zum Sommersemester 1993 wurde am Institut für Germanistik der erste österreichische Lehrstuhl Deutsch als Fremdsprache mit Hans-Jürgen Krumm als „Studienversuch Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ eingerichtet und damit das bis dahin nur außerhalb der Universitäten existierende Fachgebiet auch in der universitären Lehre und Forschung etabliert. Während es in Deutschland bereits seit Beginn der Arbeitsmigration erste Lehrstühle, Institute und Studiengänge für DaF gab, hängt die österreichische Gründung mit der Ostöffnung und dem dort entstandenen Bedarf nach einer Modernisierung des Deutschunterrichts und den Kooperationswünschen der Auslandsgermanistik, soweit sie sich als Fremdsprachenphilologie versteht, zusammen. Die Etablierung des Faches in Österreich kann in bisher vier Phasen eingeteilt werden. Die Anfänge (1993 bis 1998) gelten als „start-up-Phase“, in der die ersten inner- und außeruniversitären Aktivitäten gesetzt wurden, wie die Mitarbeit bei der Etablierung des ÖSD (1995), des Österreich Instituts (1997), eines neuen Ausbildungskonzepts für Auslandlektoren und der Beginn der Auslandspraktika 1995. Dieses Programm wird bis heute vom Wissenschaftsministerium und dem OeAD unterstützt und schickt mittlerweile jährlich etwa 60 Studierende in 50 Länder. Seit dessen  Beginn haben etwa 700 Studierende dieses Praktikum absolviert. Die zweite Phase von 1999-2005 kann als „Konsolidierungsphase“ von DaF/Z in Österreich gesehen werden. DaF/Z wurde durch die „Übung DaZ“ fester Bestandteil des Germanistik-Studiums, das bis heute äußerst nachgefragte 24-Stunden-Modul als Möglichkeit einen DaF/Z-Schwerpunkt im Studium zu setzen, wurde entwickelt. Die Periode von 2006-2010 kann als „Verankerung des Faches im Germanistikstudium“ angesehen werden. DaF/Z ist seit damals mit zwei Lehrveranstaltungen (Proseminar+Vorlesung) im Bachelor-Studium Deutsche Philologie vertreten. Darüber hinaus wurde ein Masterstudium DaF/DaZ entwickelt, das im Wintersemester 2008/09 implementiert wurde. 2010 wurde Prof. İnci Dirim als DaZ-Professorin berufen. 2010 wurde der Lehrstuhlinhaber Prof. Hans-Jürgen Krumm emeritiert, Prof. Karen Schramm aus Leipzig trat 2014 seine Nachfolge an. Inhaltlich hat sich auch auf Grund der politischen Situation das Fach (DaF und DaZ) mehr und mehr etabliert, und ist seit 2009 mit damals 29 Studierenden inzwischen zum meist nachgefragten Masterstudium der philologisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät geworden.

(Renate Faistauer)

Arbeitsbereich Deutsch als Fremdsprache

Der Arbeitsbereich Deutsch als Fremdsprache widmet sich den linguistischen, didaktisch-methodischen, kultur- und literaturbezogene Fragen des Deutschunterrichts im nicht-deutschen Sprachraum. Dabei steht der schulische und universitäre Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht im Zentrum der Forschungsanstrengungen, aber auch Erwachsenenbildung und Kindergarten sind wichtige Forschungsfelder des Arbeitsbereiches. Zentrales Anliegen ist es, zur weltweiten Qualitätsentwicklung des Deutsch-als-Fremdsprache-Unterrichts beizutragen, indem entscheidende Impulse beispielsweise für bedarfs- und berufsorientierte Reformen von Germanistik- Studiengängen im nicht-deutschsprachigen Ausland, für die Aus- und Weiterbildung von Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrpersonen sowie auch für die weltweite Vermittlung deutschsprachiger Literatur und Kultur an Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen erarbeitet werden. Der Arbeitsbereich Deutsch als Fremdsprache an der Universität Wien versteht sich dabei im Hinblick auf historische, konzeptuelle und insbesondere empirische Forschung sowie auch Lehrpersonenaus- und - weiterbildung im Fach Deutsch als Fremdsprache als Partner in der internationalen Zusammenarbeit von Germanistik - und Deutsch-als-Fremdsprache-Abteilungen und misst der Förderung von NachwuchswissenschaftlerInnen besondere Bedeutung bei.

Ansprechpartnerin für Deutsch als Fremdsprache: Univ.-Prof. Dr. Karen Schramm

Arbeitsbereich Deutsch als Zweitsprache

Das interdisziplinäre Fachgebiet Deutsch als Zweitsprache befasst sich vornehmlich mit der Frage, wie die aus der (amtssprachlichen) Dominanz des Deutschen erwachsenden Nachteile für migrationsresultierend zwei- und mehrsprachige Kinder, Jugendliche und Erwachsene reduziert werden können. Dabei werden unterschiedliche Lebens-, Bildungs- und Arbeitsbereiche in den Blick genommen; es werden Modelle der Unterstützung der Aneignung des Deutschen entwickelt und evaluiert. Hierfür werden linguistische Grundlagen und Rahmenbedingungen wie Sprachwandel in der Migrationsgesellschaft untersucht. Ziel ist es, dazu beizutragen, die Gleichstellung von Menschen, die sich Deutsch als eine Zweitsprache aneignen, mit solchen, die Deutsch als Erstsprache sprechen, zu erreichen. Da die aus der (amtssprachlichen) Dominanz des Deutschen erwachsenden Nachteile auch durch die Nutzung der lebensweltlichen Mehrsprachigkeit reduziert werden können, werden auch methodisch-didaktische Vorgehensweisen zur Verwendung und Nutzung der Migrations- bzw. Minderheitensprachen im Unterricht ausgearbeitet bzw. reflektiert. Um soziale bzw. subjektivierende Effekte der vorgeschlagenen Maßnahmen (auch in selbstreflexiver Absicht) in den Blick nehmen zu können, werden machttheoretische Wissenschaftstraditionen herangezogen und für den jeweiligen Gegenstand adaptiert. Da Sprache nie losgelöst von politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen betrachtet werden kann und faktisch sowie symbolisch für die Regulierung von Zugehörigkeiten benutzt wird, kommen weitere wissenschaftliche Perspektiven zum Einsatz, die diese Verknüpfungen zu verstehen ermöglichen, etwa rassismuskritische. Da der Begriff „Deutsch als Zweitsprache“ als Bezeichnung für den persönlichen Sprachbesitz inferiorisierende Effekte für als DaZ-SprecherInnen geltende Personen nach sich ziehen kann, ist er mit Bedacht zu verwenden. Jenseits didaktischer und methodischer Notwendigkeiten der Verwendung des Begriffs „Deutsch als Zweitsprache“ ist Deutsch Deutsch, unabhängig davon, ob jemand diese Sprache als Erst- oder Zweitsprache verwendet und in jeglicher Perspektive gleichermaßen wertvoll. Ansprechpartnerin für Deutsch als Zweitsprache: Univ.-Prof. Dr. İnci Dirim

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