Ingrid Cella (1939–2019)

Das Institut für Germanistik trauert um Universitätsprofessorin Mag. Dr. Ingrid Cella, die im Februar 2019, kurz nach ihrem 80. Geburtstag, verstorben ist. Mit ihr verliert das Institut eine ausgewiesene Literaturwissenschaftlerin und engagierte Lehrerin, die viele Generationen Studierender für die Literatur(wissenschaft) gewonnen hat.

1939 geboren in Wien, absolvierte Ingrid Cella (geb. Aichinger) 1957 die Matura mit Auszeichnung und begann das Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Wien. 1962 promovierte sie mit einer Arbeit über „Außereuropäische Landschaften und Menschen in Selbstzeugnissen des 15. und 16. Jahrhunderts“, 1963 absolvierte sie die Lehramtsprüfung. Von 1970-1972 war Ingrid Cella Humboldt-Stipendiatin in Freiburg im Breisgau. Ihre Habilitationsschrift mit dem Titel „Künstlerische Selbstdarstellung: Goethes Dichtung und Wahrheit und die Autobiographie der Folgezeit“ wurde 1975 approbiert, seit 1984 war sie Außerordentliche Universitätsprofessorin für Neuere deutsche Literatur am Institut für Germanistik an der Universität Wien, seit 2000 Universitätsprofessorin.

Als Forscherin wie als Lehrende hat sie ein breit gefächertes literarisches und literaturwissenschaftliches Spektrum abgedeckt. Schwerpunkte waren (österreichische) Autorinnen (u.a.  Marie von Ebner-Eschenbach, Minna Kautsky, Christine Lavant), Edition, Biographie und Autobiographie, der Kriminalroman sowie Bereiche der Phantastischen Literatur und der Science Fiction. Durchaus innovativ waren ihre methodischen und theoretischen Zugänge: Seit den 1980er Jahren erschienen immer wieder Arbeiten zum Feminismus und zu geschlechtertheoretischen Fragen. Fokus ihrer Forschungstätigkeit in den vergangenen Jahren war das vom FWF geförderte und unter Cellas Leitung stehende Projekt der Albert-Drach-Studienausgabe. Die sorgfältig edierten und kommentierten Bände haben wesentlich zur Positionierung des Autors und Büchner-Preisträgers in der österreichischen Literatur beigetragen. Ingrid Cella war Ehrenpräsidentin der Internationalen Albert-Drach-Gesellschaft. 2011 erhielt sie den Preis der Stadt Wien für Geisteswissenschaften.

Neben ihrer erfolgreichen Forschungstätigkeit war Universitätsprofessorin Ingrid Cella eine begeisterte und begeisternde Hochschullehrerin, die Generationen von Studierenden Literatur und Literaturwissenschaft vermittelt hat. Ihre thematische und methodische Offenheit, ihr Interesse für das abseits des Mainstreams Liegende und ihr Sensorium für die gesellschaftliche Relevanz von Literatur machten sie zu einer ebenso innovativen wie reflektierten Wissenschaftlerin und akademischen Lehrerin. Zu ihrem didaktischen Impetus gehörte es auch, curriculare Entwicklungen und das Design neuer Lehrformate kritisch zu begleiten. Ingrid Cella hat als Forschende Freiräume geschaffen und als Vorgesetzte Freiräume gewährt. Man kann nur vermuten, dass sie diese Freiheit, die sie anderen gelassen hat, für sich selbst erst hat erkämpfen müssen.

Bis kurz vor ihrem Tod war Ingrid Cella am Institut für Germanistik präsent. Mit wenigen Kolleginnen und Kollegen war die passionierte und umfassend gebildete Leserin enger befreundet. Diese berichten nicht nur von guten Gesprächen und gemeinsamen Aktivitäten, sondern auch von ihrer Naturverbundenheit und Tierliebe, vor allem aber von ihrem Humor.

Das Institut für Germanistik verliert mit Ingrid Cella ein langjähriges Mitglied, eine für Kolleginnen und Kollegen inspirierende Forscherin und eine für Studierende prägende Lehrerin.

 

Für das Institut:
Matthias Meyer,
Institutsvorstand

 

Die Urnenbeisetzung findet am 19. März 2019, um 15 Uhr auf der Naturbestattungsfläche Feihlerhöhe in Purkersdorf statt.