Neuere deutsche Literatur

Der Fachbereich Neuere Deutsche Literatur befasst sich mit der deutschsprachigen Literatur von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart und ist sowohl von seinem Anteil an der Lehre als auch von der Anzahl der forschenden und lehrenden Personen der größte des Instituts.

Gäste am Fachbereich

For Sale: Kommodifizierung in der Gegenwartskultur

Symposium der ARGE „Kulturelle Dynamiken“ der Österreichischen Forschungsgemeinschaft

09. – 10. Jänner 2020
Sky-Lounge der Universität Wien
Oskar-Morgenstern-Platz 1, 1090 Wien

Programm als PDF

Das siebte Symposium der ARGE Kulturelle Dynamiken untersucht die Ausdehnung populärer Kommerzsysteme auf den gesamten Kulturbetrieb, wie Artefakte der gewerblichen Produktvermarktung unterliegen (museale Einrichtungen als ›emotionale Produkte‹, Adaptierung von Bestsellercovern auf kanonisierte Literatur, Klassik CD-Covers in populärer Aufmachung, neue Konzertformate). Analysiert werden sollen der Begriff der Kulturbörse und der Neoliberalisierung des Kunstbetriebs, z.B. im Hinblick auf Einschaltquoten, Rankings und Voting-Verfahren populärer Shows oder medial groß aufgezogener Wettbewerbe.

Aus touristischer, kulturökonomischer, geschichtlicher und sozialanthropologischer Sicht ist die Veränderung der Lebensstruktur durch Kommodifizierung regionaler/nationaler Eigenschaften (Brauchtum, Tracht) zu untersuchen. Esoterik und Spiritualität als erwerbliche Produkte sind im Kontext von Religionsforschung, Geschichts- und Musikwissenschaft zu beleuchten; um die Kommerzialisierung des Körpers in Medizin, Sport, Schönheitsindustrie, Fitness und Wellness besser zu verstehen, bedarf es der Zusammenarbeit einer ganzen Reihe von Disziplinen. Der Körper ist zum boomenden Kommerzartikel avanciert. Wie verhalten sich spektakuläre Prognosen vom Rohstoff und Warenlager Mensch zur tatsächlichen Forschung und Praxis in den Naturwissenschaften (Transplantationsmedizin, Reproduktionsmedizin, Leihmütter, Genforschung, etc.)? Welche Ängste und Hoffnungen liegen dem Geschäft mit Gesundheit, Jugend und Schönheit zugrunde? Wie wird das Ideal des gesunden Körpers kommerzialisiert (health data, quantified self)? Die Privatisierung von Öffentlichkeit und natürlichen Ressourcen (z.B. Wasser, genetisch verändertes Saatgut, etc.) erlangt im Zuge ihrer kommerziellen Nutzung eine existenzielle Brisanz, die für kulturtheoretische Fragen geöffnet werden soll.

In enger Verbindung mit dem Drang, Vergangenes zu bewahren, steht die Digitalisierung aber auch die Fetischisierung von Geschichte: Beispiele liefert die Versteigerung historischer Alltagsgegenstände (ein rezentes Beispiel: Reitunterhose Kaiser Franz-Josefs; Handtaschen von Margaret Thatcher und Hüte von Lady Di). Hier münden wiederum Fragen der Memorialisierung und der Delokalisierung herein, zum Beispiel mit dem käuflichen Erwerb historischer Gegenstände (Trümmer der Concorde als Souvenirs, Reste der Berliner Mauer in Schmuck gefasst oder als Gebrauchsgegenstände umfunktioniert), welche die Museumsbesucher aus dem Museumsshop mit nach Hause nehmen. Gleicht nicht die Jagd auf Souvenirs der Jagd nach Trophäen und Raritäten, die zur Entwicklung der frühneuzeitlichen Wunderkammern führte?

Auf diesen Fragen aufbauend will das Symposium unter dem Motto »For Sale« die Verschränkungen von Kommodifizierung, aktuellen Praktiken und lebensweltlichen Erfahrungen in der Gegenwartskultur aufzeigen.

Caroline Pichler (1769-1843): Religion, Nation und Gender

Gastvortrag Anke Gilleir (Katholieke Universiteit Leuven)

Freitag, 13. Dezember 2019, 13:15 Uhr

Hörsaal 30, Hauptgebäude, 1. Obergeschoss, Stiege 7

Preview Wiener digitale Revue

Preview „Wiener digitale Revue. Halbjahresschrift für Germanistik und Gegenwart“
8. Oktober 2019, 18:30 Uhr
Seminarraum 1 am Institut für Germanistik, Hauptgebäude, 1. Zwischengeschoss, Stiege 7a

Die HerausgeberInnen Ingo Börner, Claudia Dürr, Kira Kaufmann, Wolfgang Straub, Laura Tezarek und Christian Zolles präsentieren die 1. Ausgabe der neuen Onlinezeitschrift „Wiener digitale Revue. Halbjahresschrift für Germanistik und Gegenwart“. Die WDR versteht sich als Plattform für literaturwissenschaftliche Forschung und wendet sich dabei den neuen Möglichkeiten zu, die sich aus dem ‚digital turn‘ in den Geisteswissenschaften ergeben haben.

Weitere Informationen zur Veranstaltung auf der Website der Wiener digitalen Revue.

Leichte und schwere Literatur

Jahrestagung der Franz Werfel-StipendiatInnen in der Nachbetreuung
Freitag, 5. April und Samstag, 6. April 2019

Die Absolvent/inn/en des seit 1992 bestehenden Franz Werfel-Stipendienprogramms unterrichten an europäischen und außereuropäischen Universitäten. Für die Jahrestagung 2019 haben sie das Thema „Schwere und leichte Literatur“ gewählt. Damit ist nicht nur signalisiert, dass die Unterscheidung zwischen E-und U-Literatur seit der Postmoderne nicht mehr greift. Vielmehr soll es darum gehen, was an Texten als „schwer“ oder „leicht“ empfunden wird: Gehört die „Schwere“ zum traurigen Inhalt oder zur komplexen Form? Ergibt sich „Leichtigkeit“ aufgrund der einfachen Sprache, der nachvollziehbaren Logik oder der Heiterkeit des Stoffes? Oder sind das gar keine Merkmale der Texte, sondern Befindlichkeiten der Lesenden? – Diesen Fragen soll unter hermeneutischen und wirkungsästhetischen Gesichtspunkten nachgegangen werden.

11. Wendelin Schmidt-Dengler-Lesung
Freitag, 5. April 2019, 19 Uhr

Wolf Haas liest aus Junger Mann
Absolventinnen und Absolventen des Franz Werfel-Stipendienprogramms lesen Übersetzungen

Programm

Programm als PDF

Alle Veranstaltungen finden im Literaturhaus Wien, Seidengasse 13, 1070 Wien statt.
(Veranstaltungseingang: Zieglergasse 26a)

Organisation

Konstanze Fliedl, Petra Zeiner

Eine Kooperation des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung, der Österreichischen Austauschdienst-GmbH – Austrian Agency for International Cooperation in Education & Research, der Dokumentationsstelle für Neuere österreichische Literatur und dem Institut für Germanistik der Universität Wien.

Arbeitsgespräch zur digitalen Edition: Textkritik

Donnerstag, 28. Februar 2019, 9.30–13.00 Uhr
Institut für Germanistik, Seminarraum I (Hauptgebäude, 1. Zwischengeschoss, Stiege 7a)

Programm

9:30 Uhr Impulsvortrag:
Bodo Plachta: Textkritik – ein Auslaufmodell?

11:15 Uhr Kurzpräsentation:
Hermann Reichert: Textkritik in der Parzival-Edition

11:30 Uhr Kurzpräsentation:
Isabella Schwentner, Ingo Börner: Textkritik in der digitalen Edition von Arthur Schnitzlers Blumen

11:45 Uhr Allgemeine Diskussion:
Herausforderungen von Textkritik in digitalen Editionen
(unterstützt durch Hinweise auf Beispiele digitaler Editionen mit textkritischen Elementen)

Eine Veranstaltung des FWF-Projekts Werner Kofler – Kommentierte Werkausgabe
in Kooperation mit dem FWF-Projekt Arthur Schnitzler – Kritische Edition (Frühwerk) III

Ingrid Cella (1939–2019)

Das Institut für Germanistik trauert um Universitätsprofessorin Mag. Dr. Ingrid Cella, die im Februar 2019, kurz nach ihrem 80. Geburtstag, verstorben ist. Mit ihr verliert das Institut eine ausgewiesene Literaturwissenschaftlerin und engagierte Lehrerin, die viele Generationen Studierender für die Literatur(wissenschaft) gewonnen hat.

1939 geboren in Wien, absolvierte Ingrid Cella (geb. Aichinger) 1957 die Matura mit Auszeichnung und begann das Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Wien. 1962 promovierte sie mit einer Arbeit über „Außereuropäische Landschaften und Menschen in Selbstzeugnissen des 15. und 16. Jahrhunderts“, 1963 absolvierte sie die Lehramtsprüfung. Von 1970-1972 war Ingrid Cella Humboldt-Stipendiatin in Freiburg im Breisgau. Ihre Habilitationsschrift mit dem Titel „Künstlerische Selbstdarstellung: Goethes Dichtung und Wahrheit und die Autobiographie der Folgezeit“ wurde 1975 approbiert, seit 1984 war sie Außerordentliche Universitätsprofessorin für Neuere deutsche Literatur am Institut für Germanistik an der Universität Wien, seit 2000 Universitätsprofessorin.

Als Forscherin wie als Lehrende hat sie ein breit gefächertes literarisches und literaturwissenschaftliches Spektrum abgedeckt. Schwerpunkte waren (österreichische) Autorinnen (u.a.  Marie von Ebner-Eschenbach, Minna Kautsky, Christine Lavant), Edition, Biographie und Autobiographie, der Kriminalroman sowie Bereiche der Phantastischen Literatur und der Science Fiction. Durchaus innovativ waren ihre methodischen und theoretischen Zugänge: Seit den 1980er Jahren erschienen immer wieder Arbeiten zum Feminismus und zu geschlechtertheoretischen Fragen. Fokus ihrer Forschungstätigkeit in den vergangenen Jahren war das vom FWF geförderte und unter Cellas Leitung stehende Projekt der Albert-Drach-Studienausgabe. Die sorgfältig edierten und kommentierten Bände haben wesentlich zur Positionierung des Autors und Büchner-Preisträgers in der österreichischen Literatur beigetragen. Ingrid Cella war Ehrenpräsidentin der Internationalen Albert-Drach-Gesellschaft. 2011 erhielt sie den Preis der Stadt Wien für Geisteswissenschaften.

Neben ihrer erfolgreichen Forschungstätigkeit war Universitätsprofessorin Ingrid Cella eine begeisterte und begeisternde Hochschullehrerin, die Generationen von Studierenden Literatur und Literaturwissenschaft vermittelt hat. Ihre thematische und methodische Offenheit, ihr Interesse für das abseits des Mainstreams Liegende und ihr Sensorium für die gesellschaftliche Relevanz von Literatur machten sie zu einer ebenso innovativen wie reflektierten Wissenschaftlerin und akademischen Lehrerin. Zu ihrem didaktischen Impetus gehörte es auch, curriculare Entwicklungen und das Design neuer Lehrformate kritisch zu begleiten. Ingrid Cella hat als Forschende Freiräume geschaffen und als Vorgesetzte Freiräume gewährt. Man kann nur vermuten, dass sie diese Freiheit, die sie anderen gelassen hat, für sich selbst erst hat erkämpfen müssen.

Bis kurz vor ihrem Tod war Ingrid Cella am Institut für Germanistik präsent. Mit wenigen Kolleginnen und Kollegen war die passionierte und umfassend gebildete Leserin enger befreundet. Diese berichten nicht nur von guten Gesprächen und gemeinsamen Aktivitäten, sondern auch von ihrer Naturverbundenheit und Tierliebe, vor allem aber von ihrem Humor.

Das Institut für Germanistik verliert mit Ingrid Cella ein langjähriges Mitglied, eine für Kolleginnen und Kollegen inspirierende Forscherin und eine für Studierende prägende Lehrerin.

 

Für das Institut:
Matthias Meyer,
Institutsvorstand

 

Die Urnenbeisetzung findet am 19. März 2019, um 15 Uhr auf der Naturbestattungsfläche Feihlerhöhe in Purkersdorf statt.

 

Persönlicher Nachruf von Helmut Birkhan

Verkehrte Utopietechniken

Karin Harrasser (Kunstuniversität Linz):
Verkehrte Utopietechniken: Versuch einer dekolonialen Revision jesuitischer Missionsunternehmungen in Südamerika

Donnerstag, 24. Jänner 2019, 19 Uhr
Ort: Fachbereichsbibliothek Germanistik, Hauptgebäude Universität Wien

Der Vortrag untersucht die Missionierungspraktiken der Gesellschaft Jesu im heutigen Bolivien im 17. und 18. Jahrhundert, innerhalb derer ästhetische Strategien (Musik, Architektur, visuelle Medien) zum Einsatz kamen. Über eine Kritik der kolonialen Regierungstechniken hinausgehend werden Widerstandsformen untersucht und Perspektiven auf aktuelle Aneignungen von kulturellen Artefakten mit kolonialer Vergangenheit eröffnet.

Vortrag veranstaltet von: Arbeitskreis Kulturanalyse

„Und so geht es fort“

Anke Feuchtenberger:
„Und so geht es fort“: Körper-Zeichen in Anke Feuchtenbergers Bilderzählungen

Montag, 21. Jänner 2019, 19:30 Uhr
Ort: Fachbereichsbibliothek Germanistik, Hauptgebäude Universität Wien

Vortrag und Diskussion organisiert von Studierenden des Proseminars
Körper-Zeichen. Gender und Diversität in deutschsprachigen Comics

Anke Feuchtenbergers Arbeiten prägen die deutschsprachige Comic-Szene wesentlich. Ihre charakteristischen, aufwühlenden und gleichzeitig berührenden Zeichnungen und Bildergeschichten/Comics verhandeln immer wieder Themen wie Geschlechtergeschichte, Geschlechterrollen und -zugehörigkeiten, Körper, Sexualität und Identitätssuche. Anke Feuchtenberger wird über ältere und neuere Arbeiten sprechen und mit Studierenden des Proseminars diskutieren.

Gestaltet von Amany-Andrea Emam, Christina Hauk, Johanna Mangold und Laura Wass.

Weitere Informationen erhalten Sie bei den Leiterinnen der Lehrveranstaltung Marina Rauchenbacher und Katharina Serles.

In Kooperation mit dem Arbeitskreis Kulturanalyse

Finanziert durch die Abteilung Gleichstellung und Diversität der Universität Wien

Professuren

Ass.-Prof. · Assoz. Prof. · ao. Univ.-Prof.

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (post doc)

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (prae doc)

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (Projekte)

Lehrbeauftragte

Studentische Mitarbeiter*innen

Emeriti · Im Ruhestand

Portrait

1. Zentrale Arbeitsfelder

Als größtes Germanistik-Institut des Landes haben wir die Aufgabe, den Fachbereich der Neueren Deutschen Literatur in der Lehre, aber auch in der Forschung möglichst in seiner gesamten Breite abzudecken. Darüber hinaus lassen sich folgende Schwerpunkte festhalten: Die kontinuierliche historisch-interpretatorische und philologisch-editorische Betreuung der österreichischen Literatur bildet zweifellos den wichtigsten Schwerpunkt des Fachbereichs. Mit diesem Fokus vertritt das Institut sowohl eine wissenschaftlich-strategische wie auch eine über das akademische Feld hinausreichende kulturelle Schlüsselfunktion im deutschsprachigen Raum. Zur Erfüllung dieser Rolle tragen insbesondere die bestehenden engen Beziehungen zu Wiener Archiv- und Bibliotheksinstitutionen (Österreichisches Literaturarchiv, Wiener Stadt- und Landesbibliothek) sowie zu den Institutionen des literarischen Lebens in Österreich bei (Alte Schmiede, Literaturhaus Wien, Verlags- und Medienlandschaft). Folgende literaturhistorische Schwerpunkte lassen sich innerhalb der Vielfalt der Forschungs- und Lehrtätigkeit umreißen
  • 17. Jahrhundert (insb. Barockliteratur, Buch- und Mediengeschichte)
  • 18. Jahrhundert (insb. Literatur und Kultur des Josephinismus)
  • 19. Jahrhundert (insb. literarisches Leben, Drama)
  • Jahrhundertwende und „Wiener Moderne“
  • Literatur der Zwischenkriegszeit im Spannungsfeld von Moderne und Antimoderne
  • Gegenwartsliteratur
Inter- und transdisziplinär orientierte Fragestellungen wie Gender Studies und Kulturwissenschaft/Cultural Studies im engeren Sinn werden sowohl fachspezifisch als auch im Rahmen fachübergreifender Studienmodule angeboten. Spezifische Literaturen wie Kinder- und Jugendliteratur werden in Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungsinstitutionen betreut. Der Bereich der literarischen Gattungen am Schnittpunkt von historischer Poetik, Rhetorik, Literaturgeschichte und Literaturtheorie zeichnet sich in den letzten Jahren in der Wiener Neugermanistik als deutlich erkennbarer und ausbaufähiger Schwerpunkt ab (traditionelle und moderne dramatische, lyrische und epische Gattungen, Kleinformen, autobiographische Formen, literarische Gebrauchsformen). Die Editionsphilologie bildet seit Jahren ein wichtiges Arbeitsfeld des Fachbereichs. Die Herstellung verlässlicher Editionen ist besonders für die österreichische Literatur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts von zentraler Bedeutung, da ein großer Teil dieser fruchtbaren Periode der österreichischen Literaturgeschichte editorisch noch weitgehend unerschlossen ist. Die Frage nach der Intermedialität stellt ebenfalls einen Schwerpunkt der Lehr- und Forschungstätigkeit unseres Fachbereichs dar. Zahlreiche Arbeiten zu verschiedenen literaturgeschichtlichen Epochen und literarischen Gattungen konvergieren in der intensiven Beschäftigung mit den Wechselbeziehungen zwischen Literatur und Musik bzw. bildender Kunst.

2. Gesellschaftliche Aufgaben und Kooperationen

Zweifellos ist unser Fachbereich derjenige, der die größte Anziehungskraft auf die Studierenden des Faches Deutsche Philologie ausübt, was sich durch die Zahl der hier abgeschlossenen Diplomarbeiten und Dissertationen im Vergleich zu den anderen Fachbereichen zeigen lässt. Die Neuere Deutsche Literatur deckt darüber hinaus auch einen zentralen fachlichen Bereich der Lehramtsausbildung für das Fach Deutsch ab, da fast alle der zum schulischen Kanon gehörenden Werke in unser Untersuchungsgebiet fallen. Die langjährige Beschäftigung mit der österreichischen Literatur hat großes öffentliches Interesse ausgelöst und ist immer wieder Anknüpfungspunkt zahlreicher Kooperationen mit kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen wie Theatern, Literaturhäusern, Archiven, Zeitungen und Zeitschriften, Bibliotheken, Einrichtungen der Erwachsenenbildung und der LehrerInnenfortbildung. Unsere diesbezügliche Expertise ist nicht nur in der außeruniversitären Öffentlichkeit, sondern auch in der internationalen Scientific Community anerkannt Auch für den österreichischen und internationalen Kulturbetrieb sowie für die einheimische und internationale Bildungslandschaft bietet unser Fachbereich mit seiner großen historischen Ausdehnung und seinem expliziten Gegenwartsbezug die meisten Anknüpfungspunkte. Nahezu das gesamte deutschsprachige Repertoire der Theater, das Spektrum der von der Literaturkritik besprochenen Bücher, des in Bibliotheken und Archiven zu betreuenden Bestandes sowie des deutschsprachigen literarischen Kanons schlechthin fallen in unseren Arbeitsbereich. Ein besonderes Anliegen ist uns der persönliche Kontakt mit zahlreichen österreichischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, der durch vielfältige Formen der Zusammenarbeit gepflegt wird. Durch diesen wechselseitigen Austausch zwischen der Literaturszene und dem Institut für Germanistik entstehen wertvolle Impulse für Lehre und Forschung.

3. Unsere Zukunft

Ein neuer Schwerpunkt wurde in jüngster Zeit im Bereich Literaturtheorie eröffnet, der nicht nur für die germanistische Literaturwissenschaft, sondern auch für andere Philologien am Universitätsstandort von hohem Interesse sein wird. Auf der Basis der internationalen sowie transdisziplinären Ausrichtung der zeitgenössischen literatur- und kulturtheoretischen Diskussion lassen sich als Synergieeffekte sowohl eine Bündelung von Forschungsinitiativen am und durch das Institut als auch ein Brückenschlag zur regen außeruniversitären Theorie- und Kulturszene erwarten. In Zukunft stärker zu berücksichtigen ist der Forschungsbereich Literatur und Medien. Mit der Verankerung einer spezifischen Lehrveranstaltung im Studienplan sowie der einschlägigen Lehrtätigkeit externer Lehrbeauftragter besteht hier bereits eine Basis, die durch eine stärkere Koordination der einzelnen Arbeitsfelder sowie eine verstärkte Forschungstätigkeit auszubauen ist. Dieser Forschungs- und Lehrbereich ist angesichts der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien gesellschaftlich von eminenter Bedeutung, aber auch aktuelle Entwicklungen innerhalb des Faches (Stichwort: Intermedialität) und die interdisziplinäre Anschließbarkeit an kultur- und medienwissenschaftliche Fragestellungen zeugen von seiner Wichtigkeit.

4. Besonderheiten der Wiener Neugermanistik

Die bedeutende Rolle Wiens in der österreichischen und internationalen Kulturgeschichte sowie die zentrale Lage als Hauptstadt machen einen Schwerpunkt zur österreichischen Literatur unumgänglich. An unserem Institut gibt es dazu eine ebenso vielfältige wie erfolgreiche Forschungs- und Lehrtradition, die uns deutlich von anderen Germanistik-Instituten im In- und Ausland abhebt. Das Wiener Institut ist darüber hinaus das größte Germanistik-Institut in Österreich und ermöglicht daher in Forschung und Lehre eine besondere Breite und besondere Spezialisierungen. Damit ist aber auch die Verpflichtung verbunden, das Fach in seinem gesamten Umfang abzudecken, da es in vielen Bereichen weder im Inland und schon gar nicht im Ausland alternative Forschungs- bzw. Ausbildungseinrichtungen gibt, die diese Aufgabe übernehmen könnten.

Projekte