Ausführendes Deutschtum, Wiedergewinnende Indigenität

Neuere deutsche Literatur

Projektleitung: Nicole Perry

Projektlaufzeit: 24 Monate (01.03.2014-28.02.2016)

Fördergeber: Lise-Meitner-Programm des FWF (M 1621)

Mein Forschungsprojekt „Performing Germanness, Reclaiming Aboriginality“ untersucht historische und zeitgenössische nordamerikanische Indigene Reaktionen auf das deutsche Indianer-Bild. Ich verwende den Begriff Indianer zu unterscheiden zwischen der deutschen Darstellung der Ureinwohner und den tatsächlichen Ureinwohner um überhaupt die Fragilität und Ambiguität der Indianer Bilder zu betonen. Das Bild, das Hartmut Lutz „deutsche Indiandertümelei“ nennt, ist ein Archetyp einer neo-romantischen Idee, die auf den Spannungen des Anti-Modernismus am Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Das zentrale Topos des 19. Jahrhunderts, dass die Indianer in die Vergangenheit gehören, blieb im deutschen Bewusstsein verwurzelt. Heute ist das Bild der Indianer immer noch binär und immer noch wechselhaft, aber immerhin fest in der Vergangenheit vertieft, und es inkludiert Figuren, die entweder idealisiert oder dämonisiert sind oder deren zeitgenössisches Bild oder Kämpfe nicht vollständig erkannt wurden. Indigene Schriftsteller und Künstler, die sich kritisch mit dem Indianer Bild beschäftigen, sind ständig mit dem gleichen fiktiven und instabilen Bild, das nachhaltig die deutsche kulturelle Phantasie beeinflusst hat, konfrontiert- ein binär, die mehr Gemeinsamkeiten mit der deutschen kulturellen Erbschaften als gegenwärtigen Ureinwohner, hat.

Dieses Projekt schafft Zusammenhänge zwischen historischen und modernen Beispielen für Indigene Aufführungen in den Raum der deutschen Heimat um zu prüfen, inwiefern indigene Künstler das kulturelle Bild der Indianer forderten. Das Projekt wird in Form von Fallstudien geschrieben, um die Beispiele für historische und zeitgenössische Formen des indigenen Widerstands zu verfolgen. Untersuchend auf historischen Akten des Widerstands von Ureinwohnern in Deutschland vom mittleren bis späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, verwende ich drei aktuelle Beispiele, um das gegenwärtige deutsche Verhältnis zur Urbevölkerung zu thematisieren und auf die Schnittpunkte der Moderne, Nation, Darbietung und Populärkultur in dem Bild der Indianer einzugehen. In seiner Funktion als Vehikel in der deutschen Literatur und Kultur für eine Vielzahl von ideologischen Zwecken offenbart das Indianer Bild seine entscheidende Rolle als Symbol, kultureller Mythos und Stereotyp, das die deutsche Identität zu definieren half.

Zeitgenössische Reaktionen begannen, die indigene Darstellung zurückzufordern, und zwar durch eine Vielzahl von Multimedia-Plattformen. Da diese Künstler die kontrafaktischen Aspekte der Indianer fordern, ist es keine Überraschung, dass ihre Herausforderungen mit Widerstand aus deutscher Sicht rechnen mussten. Zwar gibt es eine lange Forschungstradition, die der Kultfigur der Ureinwohner in der nordamerikanischen und britischen kulturellen Phantasie gewidmet ist, die Wiederaneignung des deutschen Indianer Bildes wurde jedoch noch nicht vollständig mit ihren historischen und zeitgenössischen indigenen transmedialen Perspektiven berücksichtigt worden ist.