Charles Sealsfield – Kommentierte Briefausgabe

Neuere deutsche Literatur

Projektleitung: Wynfrid Kriegleder

Projektteam: Nicole Perry Marc-Oliver Schuster

Projektlaufzeit: 60 Monate (01.10.2009-30.09.2014)

Fördergeber: FWF Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (P 21671)

Charles Sealsfield (1793-1864), ein bedeutender deutschsprachiger Romanautor des 19. Jh.s, war zuerst katholischer Priester, floh 1823 aus Prag in die USA, baute sich dort als Charles Sealsfield eine neue Existenz auf und lebte ab 1831 in der Schweiz, wo er Romane in deutscher Sprache über die Neue Welt veröffentlichte. Erst nach seinem Tod wurde seine frühere Identität bekannt, worauf eine intensive biographische Forschung einsetzte.

Der Wiener Germanist Eduard Castle veröffentlichte 1952 eine Biographie und 1955 eine Edition der erhaltenen Briefe von und an Sealsfield. Diese Briefedition soll durch eine neue, kommentierte Ausgabe ersetzt werden. Die Schwächen der Castleschen Ausgabe werden im Antrag an einem exemplarischen Fall, der Edition eines schon bei Castle abgedruckten Briefes aufgrund der Castle nicht vorliegenden Originalhandschrift, nachgewiesen.

Es ist das Ziel des Projekts, durch eine systematische Suche den Briefbestand zu ergänzen, die von Castle edierten Briefe anhand der Autographen bzw. vorhandenen Abschriften kritisch zu überprüfen und vor allem einen Kommentar zu erstellen, der den Briefband der Forschung zugänglich macht. Denn Castle verzichtete auf einen Kommentar und betrachtete seine Briefedition lediglich als Fortsetzungsband seiner stark fiktionalisierten Biographie. Sealsfields zentrale literatur- und kulturhistorische Position im literarischen Feld des Vormärz kann gar nicht genug betont werden. Seine internationale Rezeption, die in den 1840er Jahren auch die USA erreichte, und seine hybride Identität machen ihn zu einem auch heute relevanten Phänomen. Die Neuausgabe möchte weiters dazu beitragen, ihn stärker und fundierter für eine – über Österreich hinausblickende – österr. Germanistik (im Sinn von interdisziplinären Austrian Studies, für die er ja eine Reihe von ‚Diskurssträngen‘ bedient) in den Blick zu nehmen und zu verankern.

Methodisch wird sich die Edition an dem 1983 bis 2004 von Ulrich Joost und Albrecht Schöne edierten Briefwechsel Georg Christoph Lichtenbergs orientieren. Es wird angestrebt, sie im Rahmen der Supplementreihe zu den im Olms-Verlag nachgedruckten Romanen Sealsfields erscheinen zu lassen.