Identitätskonzepte in Robert Musils Fragment „Der Mann ohne Eigenschaften“

Neuere deutsche Literatur

Projektleitung: Roland Innerhofer

Projektteam: Elisa Meyer

Projektlaufzeit: 36 Monate (1. 2. 2013 - 31. 1. 2016)

Fördergeber: Fonds National de la Recherche Luxembourg

Um 1900 entstanden neue Identitätskonzepte, die Musils „Mann ohne Eigenschaften“ entscheidend prägten. Dieser Roman erweist sich als Auffangbecken für ein äußerst heterogenes Wissen. Dazu gehören philosophische, naturwissenschaftliche und psychologische  Zugänge wie die von Nietzsche, Mach oder Freud. Zu dieser Zeit bildeten sich hauptsächlich Theorien über Identität heraus, die zu einer Dekonstruktion der alten Vorstellungen und zu neuen Identitätskonzepten führten. Im Sinn einer gegenwärtig verstärkt diskutierten Wissenspoetik nimmt sich das Projekt eines Forschungsdesiderats an: der präzisen Rekonstruktion der Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Identitätsdiskursen im „Mann ohne Eigenschaften“.Als heuristisches Instrument dient dabei der phänomenologische Leibbegriff, den Maurice Merleau-Ponty gegen eine metaphysische Ausrichtung der Phänomenologie in Stellung brachte. Merleau-Ponty wagte eine Gratwanderung zwischen klassischer Philosophie, naturwissenschaftlichen Theorien und Psychologie. Der Leib stellt das Bindeglied zwischen den verschiedenen Disziplinen dar und wird zu einer eigenständigen Instanz erhoben. Zu überprüfen ist, ob das phänomenologische Leibkonzept, wie es später von Merleau-Ponty systematisch ausgearbeitet wurde, schon für das Denken und die (Neu-)Verhandlung von Identität im „Mann ohne Eigenschaften“ eine entscheidende Rolle spielte.