Monographie Anton Kuh

Neuere deutsche Literatur

Projektleitung: Walter Schübler

Projektlaufzeit: 36 Monate (01.01.2014-31.12.2016)

Fördergeber: FWF Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (P 26346)

Obwohl Anton Kuh (Wien 1890–New York 1941), in der Zwischenkriegszeit einer der bekanntesten Literaten des deutschsprachigen Raums, aber kaum zwanzig Jahre nach seinem Tod völlig vergessen, in den 1980er Jahren „wieder entdeckt“ wurde und seine durch Teilsammlungen partiell zugänglich gemachten Texte und vor allem seine Person kurzfristig im gesamten deutschsprachigen Raum medial stark präsent waren, steht eine wissenschaftliche Befassung mit seinem Werk bis heute aus (sieht man von einer Hand voll Untersuchungen der Affinitäten zwischen ihm und Franz Kafka und einigen Arbeiten über seine provokante Anamnese der jüdischen Moderne ab).

Dabei stellt sich Anton Kuh heute entschieden anders dar, als es das tradierte Klischee vom „Kaffeehausliteraten“ wollte. Er war keineswegs eine Wiener „Lokalgröße“ (im doppelten Sinn des Wortes), sondern als Kritiker, Glossist, Feuilletonist und Stegreifredner überaus aktiv ins literarische, politische und gesellschaftliche Leben nicht nur des Wien und Prag der Habsburgermonarchie und der Zwischenkriegszeit, sondern auch des Berlin und München der Weimarer Republik involviert. Werk und Biographie dieses jüdischen Publizisten bündeln literarhistorisch wie literatursoziologisch relevante Themen in einer Weise, dass sie von einer österreichischen Literaturgeschichte nicht übergangen werden können. Als Chronist erfasste der Artikelschreiber die Physiognomie der Zeit so luzide, wie er sie brillant zeichnete.

Von der Nazi-Presse als „Kulturbolschewist“ angefeindet, führte ihn die Abteilung IV des Reichssicherheitshauptamts in der „Liste der deutschfeindlich tätigen Journalisten und Schriftsteller“. Mit 31. Dezember 1938 standen seine sämtlichen Schriften auf der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“.

Die Anton-Kuh-Monographie setzt sich in ihren biographischen Anteilen dezidiert von dem ab, was das hybride Genre an Marktgängigem hervorbringt. Im Gegensatz zur konventionellen Biographik mit ihren kausalen Kurzschlüssen und ihrer suggerierten „Handlungslogik“ setzt sie auf einen reflektierten Umgang mit dem spärlichen lebensgeschichtlichen Material, das im Lichte moderner Autor-Konzepte bzw. „-konfigurationen“ und des Inszenierungscharakters des Lebens (etwa Bourdieus Habitus-Konzept) präsentiert wird.

Die – längst überfällige – monographische Einzelstudie mit ihrer historischen Klein- und Detailarbeit – Werk und Leben eines der brillantesten Köpfe der österreichischen Publizistik der Zwischenkriegszeit, eingebettet in die politischen, gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Verhältnisse – versteht sich als Ergänzung zu österreichischen Literaturgeschichten sowie – dringend geboten – zur österreichischen Exilforschung und zum erzwungenen Cultural Exodus.