Die Abschaffung der Kurrentschrift
Martin Bormann, Leiter der Partei-KanzleiNach der nationalsozialistischen Machtergreifung galt die Antiqua oder lateinische Schrift als "nicht-arisch" und war deshalb verpönt. Partei und Staat bemühten sich um die Förderung der "deutschen" Schrift. Der jüdischen Bevölkerung wurden beispielsweise Veröffentlichungen und Druck in Fraktur untersagt, bis es im Jahr 1941 zu einer überraschenden Wendung in der nationalsozialistischen Führung kam.
Die NSDAP entschied, dass die so genannte "deutsche" Schrift gar keine deutsche Schrift sei, sondern mit dem Aufkommen des Buchdrucks von jüdischen Buchdruckern eingeführt wurde. In einem internen von Bormann unterzeichneten Rundschreiben vom 3. Jänner 1941 wurde mit dieser haarsträubenden Begründung die "nicht-arische" lateinische Schrift zur Normschrift im gesamten Schriftwesen und im Unterricht erklärt:

"Die sogenannte gotische Schrift als eine deutsche Schrift anzusehen und zu bezeichnen ist falsch. In Wirklichkeit besteht die sogenannte gotische Schrift aus Schwabacher-Judenlettern. Genauso wie sie sich später in den Besitz der Zeitungen setzten, setzten sich die in Deutschland ansässigen Juden bei der Einführung des Buchdrucks in den Besitz der Buchdruckereien, und dadurch kam es in Deutschland zu der starken Einführung der Schwabacher-Judenlettern."
aus: Karl Gladt, Deutsche Schriftfibel. Anleitung zur Lektüre der Kurrentschrift des 17.-20. Jahrhunderts, Graz 1974, 8.


Nachdem diese Verordnung der Nationalsozialisten nach Kriegsende nicht rückgängig gemacht wurde, konnte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die lateinische Schrift als Schreibschrift im deutsprachigen Raum durchsetzen.

Symbole
markiert den Inhalt einer Lerneinheit.
markiert die Dauer einer Lerneinheit.
markiert referenzielle Begriffe am Beginn einer Lerneinheit.
markiert Definitionen.
markiert Leitfragen.
markiert ein Beispiel.
markiert eine Übung.

Farbig markierte Worte verweisen auf eine zugeordnete Begriffserklärung.