Erkenntnisinteresse beim Lesen
Vittore Carpaccio, Geschichte des Hl. Hieronymus (1501-1511); Detail: Der Heilige am SchreibtischGerade wenn Sie wissenschaftlich lesen, werden Sie nicht unvoreingenommen an einen Text herangehen, sondern folgen bestimmten Prämissen und Vorannahmen: Dazu gehört einmal Ihr Interesse an der Thematik, das Sie zum Beispiel durch die Themenwahl in einem Proseminar oder einem Kurs bekundet haben. Meist haben Sie auch schon die eine oder andere Vorstellung von den zu untersuchenden historischen Ereignissen, Strukturen oder Personen, die Ihren Blick bei der Lektüre leitet. Im besten Fall sollten Sie bei der wissenschaftlichen Lektüre aber durch konkrete Forschungsfragen bzw. Fragestellungen und Hypothesen geleitet werden, die Ihr Interesse am zu lesenden Buch oder Artikel bestimmen.

Schon während des ersten Semesters Ihres Studiums werden Sie die Erfahrung machen, dass wissenschaftliche Erkenntnis, die sich in Texten abbildet, zum einen die Basis jeder Forschungsarbeit darstellt, zum anderen aber permanent der Kritik unterzogen werden soll. Die Lektüre der wissenschaftlichen Literatur dient also einerseits dazu, den  Forschungsstand kennen zu lernen, ihn aber andererseits zu reflektieren und in Frage zu stellen. Dies kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen, etwa als Kritik an den Hypothesen eines Texts, als Neuinterpretation der verwendeten Quellen oder als Infragestellung der angewandten Methoden.


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