Definition des Kaffeehauses
Florian Schwaninger
Attribute

Meyers Universallexikon bietet eine kurze und durchaus brauchbare Definition des Kaffeehauses. Erwähnenswert ist auch die besondere Betonung auf Österreich in der ersten Zeile.

Kaffeehaus, besonders in Österreich übliche Bezeichnung für ein Café, in dem Zeitungen, Spiele u. a. bereitgestellt werden und Gäste länger verweilen. Zuerst im 16./17. Jahrhundert im Osmanischen Reich verbreitet als beliebter öffentlicher Ort für Unterhaltung und Spiel, trugen Kaffeehäuser auch bald in Europa (Eröffnung des ersten Kaffeehauses 1647 in Venedig) zur Veränderung des Sozialverhaltens bei. Das erste Kaffeehaus Deutschlands wurde 1673 in Bremen eröffnet. Das Wiener Kaffeehaus geht auf den armenischen Kaufmann Johannes Theodat (Diodato; * 1648, † 1725) zurück, dem am 17. 1. 1685 das Privileg erteilt worden war, »Caffé, Theé und Scherbet« 20 Jahre lang exklusiv zu verkaufen. Zu den ältesten europäischen Kaffeehäusern zählt neben dem »Café Procope« (1686, Paris) auch das Leipziger »Haus zum Arabischen Coffe Baum« (sicher belegt seit 1694), das seit 1999 auch das erste deutsche Kaffeemuseum beherbergt. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich Kaffeehäuser zu wichtigen Zentren kultureller, politischer und wirtschaftlicher Kontakte (z. B. »Romanisches Café«, Berlin; »Antico Caffè Greco«, Rom; »Café de la Paix«, Paris). Im 20. Jahrhundert, besonders nach 1945, wurde die herkömmliche Form des Kaffeehauses, das dem Gast neben Zeitungen und Zeitschriften auch Schach, Billard u. a. zur Verfügung stellte, vielfach von kleineren Formen verdrängt, wie Café, Espresso und Teestube. Die heutige moderne Kaffeekultur in europäischen Großstädten ist stark durch Kaffeebars und Stehcafés mit Imbisslokalcharakter geprägt (oft nach amerikanischem Starbucks®-Vorbild).

(Meyers Universallexikon; http://lexikon.meyers.de/meyers/Kaffeehaus)

Kaffeekonsum und seine Entwicklung wird äußerst kurz im Rencontre Lexikon von 1975 erwähnt. Auf Kaffeehäuser und Kaffeehauskultur wird nicht näher eingegangen.

Das Kaffeetrinken wurde Anfang des 15. Jhs. Aus Äthiopien nach Arabien eingeführt, der Kaffeeanbau wahrscheinlich etwas später. 1671 gelangten die ersten Kaffeepflanzen nach Java, bald darauf setzte der Anbau auf Ceylon und in Surinam ein, in der 2. Hälfte des 18. Jhs. breitete er sich über große Gebiete Südamerikas aus. Über erste Kaffeehäuser wird aus London 1652, Marseille 1671, Wien 1683 und Leipzig 1694 berichtet.

Außerdem findet man im Rencontre Lexikon eine gute kurze Zusammenfassung über Kaffeemaschinen und Kaffeezubereitung.

K’affeemaschine, Gerät zur Kaffeebereitung. Beim Aufbrühverfahren wird siedendes Wasser langsam durch gemahlenen Kaffee hindurchgefiltert. Beim Espresso-Verfahren verwendet man überhitztes unter Druck stehendes Wasser. In der Doppelfilter-K. fließt bis kurz vor dem Siedepunkt erhitztes Wasser aus einem Behälter zweimal – im Vor- und Rücklauf – durch den gemahlenen Kaffee und dann unter Luftabschluss in einen geheizten Vorratsbehälter.

 

Doppelgruppige, halb automatische Gastronomie Kaffeemaschine mit Siebträgern aus dem Hause La San Marco

(http://www.lasanmarco.it/jsps/catalogue.jsp?out=null&node=SANM00000048&type=null&language=E)

In Thomas Martineks Buch „Kaffeehäuser in Wien“ auf Seite 15 versucht sich der Autor in der Definition des Kaffeehauses.

(…) Die Kaffeehäuser haben sich verändert, aber die Gründe sie zu besuchen sind die gleichen geblieben. Man will in Ruhe Zeitung lesen, eine Partie Billard oder Schach spielen, sich gemütlich unterhalten – ohne dabei ein komplettes Abendessen verzehren zu müssen. Oder man will einfach schauen, wer da ist und wer nicht, und sich bei dieser Gelegenheit gleich selbst mit dem richtigen Buch in der Hand ein wenig in Szene setzen. Das alles soll dann noch in einem passenden Rahmen geschehen.

(…) Die Öffnungszeiten: In einem Kaffeehaus soll man frühstücken können. Das heißt es muss am Vormittag geöffnet sein.

(…) Einrichtung und Atmosphäre: Dabei handelt es sich ohne Zweifel wieder um ein subjektives Kriterium. Manchen Menschen gefällt ein sauberes, perfekt renoviertes Kaffeehaus besser. Andere ziehen ein etwas verkommenes, aber dafür ursprüngliches Ambiente vor.

(…) Das Publikum: Im Kaffeehaus will man zwar allein sein, aber in Gesellschaft. (…) Sollten Sie Zweifel befallen, hat Alfred Polgar ein letztes Kriterium zur Beurteilung parat: „Seit zehn Jahren sitzen die zwei stundenlang, ganz allein im Kaffeehaus. Das ist eine gute Ehe! Nein, das ist ein gutes Kaffeehaus“

Stefan Zweig beschreibt in seinem Buch "Die Welt von Gestern" das Kaffeehaus:

"Aber unsere beste Bildungsstätte für alles Neue blieb das Kaffeehaus. Es ist eigentlich eine Art demokratischer, jedem für eine billige Schale Kaffee zugänglicher Club, wo jeder Gast für diesen kleinen Obulus stundenlang sitzen, diskutieren, schreiben, Karten spielen, seine Post empfangen und vor allem eine unbegrenzte Zahl von Zeitungen und Zeitschriften konsumieren kann."

Am Ende bleibt nur eine Konklusion. Jeder muss das Kaffeehaus für sich selbst definieren.

Das Landtmann, wenngleich äußerst überteuert, trotzdem eines meiner Lieblingskaffeehäuser.

 

 

http://www.cafe-wien.at/ldt-start_ENG_HTML.html)

 

Literatur: ZWEIG, Stefan: Die Welt von Gestern. 35. Auflage 2005 Verlag Fischer.

 

 



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