Wahlplakat zur Europawahl 1994
Wahlplakat zur Europawahl am 12. Juni 1994

Anlässlich der Europawahl am 12. Juni 1994 wurde dieses Wahlplakat entworfen. Jedoch aufgrund der provozierenden Darstellungsweise Europas wurde es von den Parlamentarieren abgelehnt und somit nie veröffentlicht [1]. Der Entwurf stammt von Horst Haitzinger.

 

 [1] Sattler, Karl-Otto. 1994. „Strasbourg macht Rückzieher. ‚Frauenfeindliches‘ Werbeplakat zur Europawahl wird nicht ausgeliefert.“, in: Berliner Zeitung, 12. April. 1994, unter URL: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1994/0412/europa/0008/index.html (23. Juni 2009).

 

Quelle: Angerer, T.: Stetes Ringen um mehr Einfluß - Die erste Direktwahl des Europäischen Parlaments, in: Damals, 36. Jg., Nr. 06/2004, S. 8 - 11.



- Heute - Verwendung durch die EU
Marion Romberg
Attribute
In den letzten zwei Jahrzehnten lässt sich in der Kommunikationspolitik der Europäischen Union, die jedoch wie die Entwicklung der EU-Wahlbeteiligung zeigt, die 2009 ihren bisherigen Tiefstand mit 43,01 % erreichte, bislang wenig erfolgreich ist, eine verstärkte Verwendung des Europamythos notieren. Europa auf dem Stier findet sich auf einen zurückgezogenen Wahlplakat zur EU-Wahl 1994 ebenso wie auf der Geburtstagstorte für EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, organisiert unter der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft 2006. Ebenfalls in die Motivvielfalt der EURO-Münzen fand das Thema Eingang: die Rückseite der griechischen 2-EURO Münze. In Deutschland verwendete im November 1996 die Werbeagentur Scholz & Friends in der Werbekampagne um den EURO den Mythos mit der Überschrift: „Sie kennen den Vater des Wirtschaftswunders. Hier ist die Mutter.“ (Abb. in Schmale 2001, 258). Das jüngste Beispiel ist die Europa-Skulptur vor dem Haupteingang des Europäischen Parlaments in Straßburg, die im Oktober 2005 errichtet worden ist. Ihr Pendant in Brüssel steht seit den 1990ern vor dem Justus Lipsius Gebäude des Europarates. Der ausführende Künstler Léon de Pas (*1929) betitelte seine 3,5 Meter hohe Skulptur: „Europe en avant“. Die Verwendung des Europamythos durch die EU zielt darauf ab, bekannte kulturelle Kodes für sich in positiver Weise zu instrumentalisieren. Die Glücksmetapher in Kombination mit einem Fortschrittsanspruch spielt in der Auswahl der Darstellung eine entscheidende Rolle. Aus der Menge der möglichen szenischen Darstellungen wurde stets die Meerfahrt herausgesucht; also der Moment, in dem Europa von Zeus auserwählt worden ist und wie beide über das Meer ihrem gemeinsamen Schicksal entgegen stürmen. Anders als in Karikaturen (wie bspw. von Zehentmayr) wird dieser Harmoniegedanke bei den erwähnten Beispielen dadurch deutlich, dass beide Protagonisten – der Stier und Europa – stets in ihrer Aktion vereint harmonieren. So bspw. in den Skulpturen in Brüssel und in Straßburg verbinden Pferd und Reiterin eine unglaubliche Dynamik mit einer Prise Übermut. Symbolisch stehen sie für das europäische Zusammenwachsen sowie Fortschritt. In Brüssel wird Europa als Repräsentantin der Bürger und Bürgerinnen Europas von der Kraft des Stieres, symbolisch für die EU stehend, in eine bessere Zukunft mitgerissen. Negativer interpretiert kann die Skulptur, so der Künstler, auch „a suggestion of the innocent peoples of Europe being taken for a long ruinous ride by a crazed animal.“ (Wintle 2005, 186) darstellen (vgl. hier zu auch Michael Jastrams Skulptur). Der Protagonist ist in der Brüsseler Skulptur und somit in den 1990er noch eindeutig die EU als Institution, oder vielmehr der Europarat, vor dessen Gebäude die Skulptur steht. 2005 in Straßburg balanciert Europa mit einer spielerischen Leichtigkeit übermütig und selbstsicher auf dem Rücken des Stieres, der in Respons den Kopf zu dieser wendet. Angefangen beim Maastricht Vertrag 1992, der Einführung einer gemeinsamen Währung (1999/2002), der (Ost-)Erweiterung der Gemeinschaft bis hin zum Vertrag von Nizza 2001 und des noch zu ratifizierenden Vertrags von Lissabon 2007 profitierte das Projekt Europa von zwei Jahrzehnte engerer und intensiverer Zusammenarbeit sowie das Europäische Parlament, vor dessen Sitz in Straßburg die Skulptur sich befindet, von einer Ausweitung seiner Kompetenzen. Als einziges direkt gewähltes Organ der EU repräsentiert es unmittelbar die europäische Bevölkerung. Dieses Selbstverständnis wird auch in der Skulptur transportiert. Die Straßburger Europa sitzt sicherer auf den Rücken des Stieres als die Brüsseler Europa. Sie bzw. als Repräsentantin der Bürger und Bürgerinnen der Wähler bestimmt hier den Weg. 


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