1. Straßenkarten und Wegbeschreibungen der Antike
Christian Huppert
Attribute

 

 

 

Die Antike kennt keine Straßenkarten im heutigen Sinn. Darstellungen von Straßen, um das Reisen zu erleichtern, waren selten. Überliefert ist lediglich eine, die so genannte Tabula Peutingeriana, von welcher uns eine mittelalterliche Kopie aus dem 12/13. Jahrhundert überliefert ist. Diese wird in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt und ist kaum zugänglich, allerdings existieren einige Faksimileausgaben.  

Die Tabula Peutingeriana ist bzw. war ca. 700 cm lang und ca. 35 cm hoch. Sie zeigt schematisch und stark verzerrt – etwa wie die Pläne der Wiener U-Bahnlinien in den Stationen – das Straßennetz des Römischen Reiches, sowie die Orte und Städte, welche daran angeschlossen waren. Bestimmte öfters abgebildete Darstellungen von Städten und Orten, genannt Vignetten, erleichterten die Lesbarkeit der Karte und gaben schnelle Information, z.B. über die Art bzw. Funktion des jeweiligen Ortes (Militärlager, Handelszentrum, Wallfahrtsort etc.). Diese Praxis ist mit den Symbolen auf unseren heutigen Straßenkarten, Stadtplänen etc. vergleichbar. Itinerarien existierten in zwei Formen: das itinerarium picta und das itinerarium adonata, also eine graphische Darstellung oder eine schriftliche Auflistung. Die Tabula tritt als eine Mischform auf, da Städtenamen und Entfernungen der graphischen Darstellung beigefügt sind. Ob und wie viele gleichartige Itinerarien existierten und ob diese tatsächlich in Verwendung waren ist nicht bekannt. Einsehbar ist die Tabula online unter  Tabula Peutingeriana auf Euratlas.net.

 

Itinerarien listeten Städte und Ortschaften meist in Kolonnen auf, wobei sie die Entfernung von einem Ort  zum Nächstgelegenen – z.B. entlang einer Straße – angeben. Zur Orientierung für Reisende waren entlang der Straßen Meilensteine aufgestellt. Diese standen allerdings keineswegs in Meilenabständen zueinander. Gezählt wurde vom miliarium aureum (Goldene Meilenstein des Augustus) in Rom, also vom Mittelpunkt des Reiches – ideologisch, nicht geographisch gesehen. Es sind noch einige Meilensteine erhalten. Die römische Meile (mp - mille passus) bestand aus 1000  Schritten (passus), wobei sich ein Schritt in fünf  Fuß (pes Romanus) und dieser wiederum in 16 Finger bzw. 12 Unzen unterteilte. Ein Fuß hatte eine Länge von 296,2 mm – Bestwert. Die Länge einer römischen Meile beläuft sich demnach auf – 296,2 mm x 5  x 1000 =1481000 mm –  1,481 km. Es existierten allerdings mehrere  Varianten des Fußes. Im Folgenden wird von Leugen (leuga) die Rede sein. Hierbei handelt es sich um eine verlängerte römische Meile (ca. 1,5 mp = 2,221 km). Befasst man sich mit Itinerarien und Meilensteinen, sollte man sicherstellen ob es sich um Leugen oder Meilen handelt. 

 

Ein besonderes Itinerar und gleichzeitig einen Meilenstein, stellt der Leugenstein von Tongeren dar, dieser stand wohl vor dem Tor der Stadt Aduatuca Tungrorum (heute Tongeren in Belgien). Er war an der Via Belgica aufgestellt und datiert vermutlich auf 200 n. Chr. Es handelt sich um ein sechsseitiges Prisma aus schwarzem Basalt. Eine Reihe von Orten und Städten und die dazugehörigen Entfernungen sind in diesen Stein gemeißelt, wodurch der gallische Raum grob umfasst ist. Der Stein kann heute im Königlichen Museum für Kunst und Geschichte in Brüssel betrachtet werden. Auf dem Boden sind die Straßen um Aduatuca Tungrorum angedeutet.

 

Die Itineraria Gaditana (die Becher von Vicarello) sind Itinerarien in Form von Silberbechern. Die Datierung ist umstritten, doch stammen sie vermutlich aus dem 4. nachchristlichen Jahrhundert. Sie geben die Entfernungen und die Orte zwischen Rom und Cadiz an. Es handelt sich um vier Becher, deren Höhen zwischen 9 und 15 cm liegen. Entdeckt wurden die Becher im Jahr 1852 in der Heilquelle von Vicarello nahe Rom.

 

Itinerarien existierten also in verschiedensten Formen, wenngleich das itinerarium adonata auf Pergament das Häufigste gewesen sein dürfte. Dies gilt zumindest für das im Folgenden behandelte Mittelalter, was die Antike betrifft, sind derartige Quellen leider nur spärlich vorhanden. 



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