Bau der Karlskirche
Doris Binder
Attribute
Die Karlskirche wurde von Kaiser Karl VI. zum Gedenken an den Pestheiligen, Karl Borromäus, errichtet. Im Jahr 1713 wütete die Pest in Wien und forderte circa 8000 Menschenleben, im Februar 1714 verschwand die Seuche und zum Dank wurde mit dem Bau der Kirche begonnen, diese sollte der bedeutendste Wiener Sakralbau des 18. Jahrhunderts werden.

In einem Wettbewerb wurde über den Bauherren entschieden – Teilnehmer waren Johann Bernhard Fischer von Erlach, Johann Lukas von Hildebrandt und Ferdinando Galli-Bibiena. Als Sieger ging der bekannte Baumeister Johann Bernhard Fischer von Erlach hervor, dieser starb 1723 und erlebte die Vollendung der Kirche nicht mehr. Die Bauaufsicht war dem kaiserlichen Hofbaumeister Anton Erhard Martinelli übertragen worden, als Fischer von Erlach starb führte sein Sohn, Josef Emmanuel, sein Werk zu Ende. Am 28. Oktober 1737 wurde die Karlskirche feierlich vom Erzbischof von Wien, Kardinal Sigismund Graf Kollowitz, eingeweiht. Die geistliche Versorgung überließ Kaiser Karl VI. den ritterlichen Orden der Kreuzherren mit dem roten Stern, seit 1783 ist die Karlskirche kaiserliche Patronatspfarre.

Die Kirche lag damals noch hinter dem regulierten Wienfluss und auf freiem Feld. Die zur Stadt gerichtete Schauseite der Karlskirche, die damals am Rand der Vorstadt Wieden stand, war der Zielpunkt einer Blickachse, die Hofburg und Karlskirche im Sinne einer "via triumphalis" verband. Auf dem tempelartigen Vorbau der Karlskirche ist die Widmungsinschrift deutlich sichtbar "Vota mea reddam in conspectu timentium Deum" - "Ich will mein Gelöbnis erfüllen vor denen, die Gott fürchten".

Bereits beim Bau durch Fischer von Erlach (senior) gab es mehrere Projektphasen, von denen drei überliefert sind:

1. Medaillon von Daniel Warou zur Grundsteinlegung
2. vier Stiche in Fischers Entwurf einer Historischen Architektur 1721
3. Wiener Ansichtswerk von Kleiner und Pfeffel 1722 (1724)

Durch den Tod Fischers von Erlach kam es zu neuerlichen Änderungen durch seinen Sohn, Joseph Emmanuel, wobei vor allem die Kuppel (viel höher und steiler), der Priesterchor (wurde weggelassen) und die Innenausstattung (einfacher) betroffen waren. Die gesamte Bauzeit betrug insgesamt 21 Jahre und die Kosten beliefen sich auf 304.045 Gulden und 22 ¼ Kreuzer. Die Baukosten wurden von sämtlichen Kronländern des Kaisertums getragen, aber auch Spanien, Mailand und die Niederlande hatten ihren Beitrag zu leisten.

Die Karlskirche ist der bedeutendste Barockbau der Stadt und repräsentiert am überzeugendsten den sogenannten Reichsstil, in dem sich nach den siegreich beendeten Kriegen gegen Türken und Franzosen zum letzten Mal ein Reichsbewusstsein in der Baukunst der Hauptstadt des römisch-deutschen Reiches ausdrückte.

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