Bischoff, Bernhard
Kontexte

* 1906
* 1991

Bernhard Bischoffs Schaffen gilt nach einhelliger Meinung als die Krönung der Münchener Schule der Paläographie.
Der Sohn eines brandenburgischen Domänenpächters studierte vor allem bei den Traube-Schülern Paul Lehmann und Rudolf von Heckel. Ab 1933 war er für Elias Avery Lowe, einen weiteren Traube-Schüler, tätig. Seine Aufgabe war die Katalogisierung aller lateinischen Handschriften vor 800 - die Codices Latini Antiquiores (CLA) -, wofür er in den folgenden 6 Jahren durch ganz Europa reiste.

Die Zusammenarbeit mit Lowe veranlasste Bischoff, sich besonders mit karolingischen Skriptorien und der karolingischen Minuskel zu befassen. Die Iren und ihre Rolle als Vermittler antiker Bildung und Sprache fanden seine wiederholte Aufmerksamkeit; ebenso die Hofbibliotheken Karls des Großen und Ludwigs des Frommen, Wendepunkte der lateinischen Bibelexegese, Federproben, liturgische Fragen, um einige weitere Themen zu nennen. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er hauptsächlich in Prag, wo er mit Bibliothekstätigkeiten beauftragt war.

1953 wurde er Mitglied der Zentraldirektion der MGH und trat die Nachfolge Lehmanns als Inhaber des Lehrstuhls für Mittellateinische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität an; Lehmann nannte in seinem Gutachten außer Bischoffs wissenschaftlicher Breite dessen „Sammlernatur“ (Bischoff sammelte Etliches, von Schmetterlingen und Käfern bis zu Mineralen), erwähnte auch beiläufig Bischoffs Verschlossenheit - diese Wesenszüge sollten zeit seines Lebens charakteristisch für ihn bleiben.
1960 erhielt Bischoff einen Ruf nach Princeton, der neben einem hohen Einkommen die völlige Befreiuung von Lehrtätigkeiten versprach. Die Ablehnung dieses Rufs kostete das bayerische Kultusministerium mehrere Bedingungen: Bischoff erreichte eine höhere Bezahlung für sich, eine leichte Reduzierung seiner Lehrtätigkeit, eine zusätzliche Mitarbeiterstelle und etliche Geldpakete zur Ausstattung der institutseigenen Bibliothek. 1975 schließlich emeritierte er, war jedoch bis zu seinem Tod weiterhin mit Forschungen beschäftigt.

Als Bischoffs Meisterleistung gilt sein Werk "Paläographie des römischen Altertums und des abendländischen Mittelalters", wobei er sich hier besonders auf die Geschichte der Schrift - und dabei wiederum vor allem aufs Früh- und Hochmittelalter - konzentriert. Die Gliederung dieses Buches in die Abschnitte "Handschriftenkunde", "Geschichte der lateinischen Schrift" und "Die Handschrift in der Kulturgeschichte" spiegelt die charakteristische Zielsetzung der Münchener Schule wider.

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