Mabillon, Jean
Kontexte

MABILLON, Jean (23.11. 1632 - 27.12. 1707) - Geboren in Saint-Pierremont (Ardennen) als Sproß einer armen Familie, erhielt er seine Elementarausbildung von einem Onkel. Nach einem Studium an der Universität von Reims wurde er in das kirchliche Seminar dieser Stadt aufgenommen, wo er 1651 die Tonsur erhielt. Im Juli 1652 legte er die Prüfung für sein MA(maître ès-arts) ab. Im Jahr 1653 nahm er die Mönchskutte und trat in den Benediktinerorden der Mauristen (Congrégation de S. Maur) ein; er diente zunächst im Kloster Saint-Remy in Reims. Am 7.6. 1654 legte er sein Gelübde ab. In der Folgezeit stürzte er sich mit so großem Eifer in die Arbeit, daß er bald schwer erkrankte. Nachdem er nun mehrere Klöster gewechselt hatte, kam er nach seiner Genesung im Juli 1663 ins berühmte Kloster Saint-Denys, wo er ein Jahr verbrachte und sich u.a. mit Vorarbeiten für eine Edition der Schriften des Heiligen Bernard beschäftigte. Im Juli 1664 kam er nach Saint-Germain-des-Prés, wo er praktisch den Rest seines Lebens verbringen sollte. Er wurde dem dortigen Bibliothekar Luc d'Achéry als Assistent zugewiesen. Letzterer hatte angefangen, an dem ersten Band der Acta Sanctorum der Benediktiner zu arbeiten, und beauftragte daher seinen Assistenten, die unzähligen Dokumente für diese Edition einzuordnen und zu studieren. Dieser führte diese Aufgabe so perfekt aus, daß ihm bald die Edition der Acta überlassen wurde. Im Rahmen dieser Arbeit unternahm M. in der Folgezeit von Saint-Germain-des-Prés aus verschiedene Reisen (zumeist zu Fuß) auf der Suche nach Handschriften und Dokumenten, vor allem in Klosterbibliotheken. 1672 begab er sich nach Flandern, um in den dortigen Klöstern zu arbeiten, 1682 kam er nach Bourgogne; Ende Juni 1683 machte er sich auf den Weg nach Deutschland, wo er sich fünf Monate aufhielt und viele Bibliotheken aufsuchte. Im April 1685 unternahm er als Gesandter des Königs Ludwig XIV. eine Reise nach Italien mit dem Auftrag, Bücher und Manuskripte für die »Bibliothèque du Roi« (die spätere Bibliothèque Nationale) zu kaufen. Er kehrte am 2.Juli 1686 mit mehr als 3000 Handschriften und seltenen Büchern nach Paris zurück. Im Jahr 1701 wurde M. zum Honorarmitglied der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres gewählt. Er hatte zu dieser Zeit bereits den Höhepunkt seiner literarischen Tätigkeit ereicht. Am 1.12. 1707 während einer Fahrt von Paris nach Chelles wurde er von Harnretention angefallen. Im Wald von Vincennes verließ er die Kutsche und setzte die Reise zu Fuß fort. Unterwegs versuchte er fast 200mal Wasser zu lassen ohne Erfolg. In den folgenden Tagen verschlechterte sich sein Zustand, da er in die Hände eines unkundigen Arztes geraten war. Er litt fast vier Wochen unter unerträglichen Schmerzen, bevor er starb, mit einzigem Trost das Gebet. Er wurde unter großer Anteilnahme in der Chapelle de la Vierge in Saint-Germain-des-Prés begraben. Er ist der bedeutendste der Gelehrten, die die Mauristen hervorgebracht haben, und einer der größten Gelehrten der Ära Ludwigs XIV. Seine Schriften sind eher historischen als theologischen Charakters; seine Methode der historischen Forschung erwies sich als bahnbrechend für die Folgezeit. Seine Gelehrsamkeit brachte er mit der denkbar tiefsten Bescheidenheit und Demut zum Ausdruck (seine letzten Worte waren »humilité, humilité, humilité«). Seinen Namen trägt die »Revue Mabillon« (1. 1905 - 61. 1986/88; vom Band 62 ist nur ein Heft erschienen).

Werke: M.s Hauptwerk ist die Edition der Acta Sanctorum der Benediktiner, die er mit vorbildhafter philologischer Akribie durchgeführt hat. Seine Einleitungen zu den einzelnen Bänden stellen grundlegende Arbeiten sowohl für die kirchliche als auch für die politische Geschichte des Westens dar. Titel der Edition: Acta Sanctorum Ordinis Sancti Benedicti in saeculorum classes distributa; Band 1: Paris 1668 (zusammen mit Luc d'Achéry; es werden die Jahre 500-600 berücksichtigt); Band 2: 1669 (600-700); Band 3-4: 1672 (700-800); Band 5: 1677 (800-855); Band 6: 1680 (855-900); Band 7: 1685 (900-1000); Band 8-9: 1701 (1000-1100). Der 10. Band der Edition, der 1709 postum erscheinen sollte, befand sich später als Manuskript in der Bibliothek in Saint-Germain-des-Prés (in der Neuauflage des Werkes, Venedig 1733-1740, ist er auch nicht erschienen). Die Einleitungen zu den einzelnen Bänden der Edition sind später auch als separates Werk veröffentlicht worden: R.P. Domni Joannis Mabillonii Praefationes Actis Sanctorum Ordinis Sancti Benedicti, in saeculorum classes distributis praefixae. Rotomagi (Rouen) 1732 (Neuauflagen: Trient 1724; Venedig 1732). In einer vierbändigen Analektensammlung edierte M. verschiedene Texte (Kommentare, Briefe, Märtyrerakten usw.), die er hauptsächlich während seiner Reisen, u.a. auch in deutschen Klosterbibliotheken, aufgespürt hatte. Titel des Werkes: Veterum Analectorum tomus I. complectens varia fragmenta et epistolia scriptorum ecclesiasticorum usw. Paris 1675. Der 2. Band (Veterum Analectorum tomus II) erschien 1676, der 3. 1682 und der 4. 1685 (Band 4 umfaßte die Texte, die aus deutschen Bibliotheken stammten). Alle vier Bände erschienen später in Neudruck unter dem Titel: Vetera Analecta, sive Collectio veterum aliquot operum et opusculorum, cum itinere Germanico, adnotationibus et disquisitionibus Joan. Mabillon Benedictini. Paris 1723. Ein monumentales Werk stellt außerdem M.s Ausgabe der benediktinischen Annalen dar: Annales Ordinis S. Benedicti Occidentalium Monachorum Patriarchae, in quibus non modo res monasticae, sed etiam ecclesiasticae historiae non minima pars continetur, auctore Domno Johanne Mabi11on; Band 1: Paris 1703; Band 2: 1704; Band 3: 1706; Band 4: 1707; Band 5: 1713 (besorgt von R. Massuet); Band 6: 1739 (vollendet durch E. Martène). Aus der Fülle seiner übrigen Schriften seien hier noch erwähnt: Hymni in laudem S. Adalhardi et Sanctae Bathildis Reginae, officia Ecclesiae Corbeiensi propria vel nova edita vel vetera emendata. Paris 1667; Sancti Bernardi Abbatis primi Clarevallensis opera omnia, post Horstium denuo recognita, aucta, et in meliorem ordinem digesta, Bd.1-2. Paris 1667 (mit zahlreichen Neuauflagen); Dissertatio de Pane Eucharistico Azymo et Fermentato. Paris 1674; De Liturgia Gallicana libri III, in quibus veteris Missae usw. Paris 1685; Museum Italicum seu Collectio veterum scriptorum ex Bibliothecis Italicis, Bd. 1-2. Paris 1687-1689; De re diplomatica libri VI, in quibus quidquid ad veterum instrumentorum antiquitatem, materiam, scripturam et stilum. Paris 1681 (grundlegend für die Urkundenlehre, an Colbert gewidmet); Librorum de re diplomatica supplementum. Paris 1704 (Antwort auf die Kritik an letztgenanntes Werk durch den Jesuiten Germon; beide Werke sind in einer zweibändigen Neuauflage, Neapel 1789, erschienen); Traité des études monastiques, divisé en trois parties, Bd. 1-3. Paris 1691-1692 (er versucht zu beweisen, daß das Studium der Wissenschaft für den Mönch von großer Bedeutung ist; das Buch wurde ins Italienische [1701], Lateinische [1702] und Deutsche durch Herman Schenk übersetzt); Réflexions sur la Réponse de M. l'Abbé de la Trappe au Traité des études monastiques, Bd. 1-2. Paris 1692-


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