Sickel, Theodor
Kontexte

* 18. Dezember 1826 Aken an der Elbe (Sachsen-Anhalt, Preußen)
† 21. April 1908 Meran

Sein Taufname war Fridrich Adolph Theodor Sickel. Er wuchs in einer streng protestantischen Familie auf. Die Familie seines Vaters Franz, einem evangelischen Pfarrer, lebte in Halberstadt. Zu seinem Onkel Karl Friedrich Sickel, einem Oberlehrer, der in Roßleben wohnte, hatte er ein besonders enges Verhältnis.

Bis 1845 besuchte er das Magdeburger Gymnasium. Nach seiner Schulzeit nahm er das Studium der protestantischen Theologie (1845-47) und der Germanistik in Halle/Saale auf. Anschließend siedelte er zum Geschichtsstudium nach Berlin um. Am 16.8.1850 erlangte er mit seiner Dissertationsschrift 'Ducatus Burgundiae quo modo et que jure translatus est ad gentem Valesiam' über burgundische Geschichte des 15. Jhs. bei Professor Heinrich Leo seine Promotion in Halle.

Sickel war politisch höchst interessiert und verkündete dies auch, wo er nur konnte. Er war gegen die Politik Preußens nach 1848 eingestellt; seiner Meinung nach konnte Österreich nur als vorwiegend deutscher Staat bestehen. Er sah als die Aufgabe Deutschlands an, eine Einheit von Deutsch- und Österreichertum zu schaffen, vertrat aber weder die kleindeutsche, noch die großdeutsche Lösung. Erst seit der Anstellung in Wien wurde er vorsichtiger mit seinen politischen Äußerungen. Im Jahr seiner Dissertation wurde er wegen liberaler Agitation aus Berlin ausgewiesen.

Auf Empfehlung seines Philologielehrers Karl Lachmann ging er daraufhin nach Paris. Dort durfte er zwei Jahre lang als Gasthörer den Lehrveranstaltungen der École des chartes beiwohnen und eignete sich autodidaktisch die Grundlagen der Paläographie und anderer hilfswissenschaftlichen Disziplinen an.

1852-54 bereiste er im Auftrag des französischen Unterrichtsministeriums die verschiedensten Archive Frankreichs und Italiens. Im Zusammenhang mit diesen Archivaufenthalten kam der Verdacht der Spionage gegen Sickel auf, der ihm wohl noch einige Male zu schaffen machte. Nach einem kurzen Archivaufenthalt in Wien 1852 wurde der französische Forschungsauftrag durch zusätzliche Nachforschungen in Wien erweitert. So ergaben sich 1855 engere Kontakte zu österreichischen Archiven und Forschern. Im selben Jahr wurde Sickel in Wien ansässig und verfaßte eine Habilitationsschrift. Im Jahr 1856 waren die Forschungsaufträge des französischen Ministeriums erfüllt.

Es folgte die Zeit am Wiener IföG, in der er für die Wissenschaft der Geschichtlichen Hilfswissenschaften wie auch für das Institut selbst so viel leistete.

1861 wurde er zum protestantischen Presbyter geweiht.
1867 heiratete er Elise Greif, diese Ehe wurde jedoch am 26.5.1871 wieder geschieden. 1873 ging er eine zweite Ehe mit Anna Semper, der Tochter Gottfried Sempers, ein.
Theodor Sickel hatte ein unnahbares Wesen und wohl einen nicht ganz einfachen Charakter. Er hatte die Gabe, sich angesehene Persönlichkeiten schnell zum Freund zu machen und galt als feiner Gesellschafter.

1884 wurde ihm der Rittertitel verliehen (seither Th. von Sickel). Ab 1889 hatte er eine Stelle im Herrenhaus des Parlaments inne. Zudem war er k. und k. Hofrat.


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