Traube, Ludwig
Kontexte

* 1861
+ 1907

Ludwig Traube war der Begründer der Münchener Schule der Paläographie. Früh verwaist, wurde der aus wohlhabendem Elternhaus Stammende von einem seiner Lehrer in Neuwied/Rhein aufgezogen. Aufgrund seiner sprachlichen Begabung studierte er Klassische Philologie, zum größten Teil an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Stark beeinflusst von Léopold Delisle, der an der École des Chartes erstmals Skriptorienforschung betrieben hatte, bemühte sich Traube schon früh um eine Verbindung von Philologie und Paläographie, wie er in seinem Habilitationsgesuch erläutert.

Nach der Habilitation im Jahre 1888 begann er als Privatdozent Vorlesungen und Übungen abzuhalten. Die Veranstaltungen fanden meistens in seiner Wohnung statt, da er in diesem Zeitraum eine ausgepräte Agoraphobie entwickelte, die noch jahrelang seine Forschungsreisen beeinträchtigen sollte.

Traube beschäftigte sich hauptsächlich mit Paläographie und Handschriftenforschung. Als bekanntestes Werk hinterließ er "Nomina sacra", mit dem er die Erforschung des Ursprungs antiker und mittelalterlicher Abkürzungen begründete. Seine Werke sind immer noch die maßgeblichen Arbeiten zu Ursprung und Verbreitung des Abkürzungswesens, wenn auch angemerkt werden muss, dass wie bei allen Arbeiten der Münchener Schule Urkunden nur am Rande Beachtung finden.

Traubes Verhältnis mit der Universitätsleitung gestaltete sich bis kurz vor seinem frühen Tod als angespannt, was hauptsächlich als Diskrimierung aufgrund seiner jüdischen Herkunft zu erklären sein dürfte. Hinzu mag gekommen sein, dass er in jüngeren Jahren als ausgesprochen arrogant galt; überliefert ist eine Anekdote, der zufolge er - kurz vor Prüfungen von einer Dozentin gefragt, ob er sich auch gut vorbereite - entgegnete, seine Professoren bedürften der Vorbereitung dringender als er.
Wie Traube rückblickend feststellte, war er im Laufe seines Lebens sehr bemüht, Arroganz und Zynismus abzulegen - offenbar erfolgreich, denn unter seinen Schülern erfreute er sich fast guruartiger Beliebtheit. Eine Bemerkung dazu besagt: "Sein Name hatte einen seltsam reinen Klang, und wo man ihn aussprach, löste er ein unbegrenztes Gefühl der Verehrung aus." Durch seinen internationalen Schülerkreis, zu dem u.a. Elias Avery Lowe (Oxford), Edward Kennard Rand (Harvard), Charles Henry Beeson (Chicago), Rudolf von Heckel und Siegmund Hellmann zählten, sollte Traube weithin fortwirken.

<<Tangl, Michael
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