Scholz, Wenzel
Scholz, Wenzel, * 28. 3. 1787 Innsbruck (Tirol), † 5. 10. 1857 Wien, Schauspieler. 1811 Debüt in der Wandertruppe seiner Mutter, 1815 Engagement für wenige Monate am Burgtheater, wo er jedoch sein komisches Talent nicht entfalten konnte; 1819-26 in Graz, 1826 wieder in Wien am Theater in der Josefstadt, am Theater an der Wien und ab 1838 am Carltheater. Freund und wichtigster Bühnenpartner von J. Nestroy, der ihm viele Rollen auf den Leib schrieb und mit dem er viele große Erfolge feierte.


Nestroy, Johann
Beatrice Ludl
Attribute
In (anfangs) wohlgeordneten bürgerlichen Verhältnissen wurde Johann Nepomuk Eduard Ambroisus Nestroy am 7. Dezember 1801 in der Wiener Altstadt als Sohn des aus Schlesien stammenden Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Johann Nestroy geboren. Er war der zweite Sohn, den seine Mutter Maria Magdalena, geborene Konstantin, mit 20 Jahren gebar. Johann Nestroy muss im Hause des Vaters, nachdem er seine Kinderjahre in Wohlstand verbracht hatte, in seiner Knabenzeit auch die beginnende Armut kennengelernt haben. Nach dem Gymnasium begann er zuerst Philosophie, später Jura zu studieren. Doch 1822 beendete er sein Studium aufgrund der damals entdeckten Theaterleidenschaft.

Als er seine Laufbahn begann, wollte er Opernsänger werden. Ohne lange Vorbereitung und Schulung wurde er nach einem Probesingen an einem k.k. Hoftheater engagiert, wo er zwölf Monate blieb. Bereits bei seinem Debüt hatte er großen Erfolg. Während dieser Zeit schrieb er vermutlich sein erstes Bühnenwerk nieder.
1823 heiratete er die junge Wilhelmine Nespiesni und ging mit ihr nach Amsterdam. Von dort wechselte er nach Brünn, wo er bereits 1826 erste Probleme mit der Zensur bzw. Polizei hatte: Wegen Extemporierens (~ Stegreifspiel), das er sich aber trotz wiederholter Verwarnungen nicht verbieten ließ. Deshalb wurde sein Vertrag mit dem Brünner Theater annulliert und Nestroy wechselte nach Graz. Ab diesem Zeitpunkt vollzog sich allmählich der Übergang des Künstlers von der Oper zum heiteren Sprechstück.

1827 verließ ihn seine Gattin Wilhelmine, der dreijährige Sohn aus ihrer Ehe verblieb dem Vater. Im darauffolgenden Jahr dürfte Nestroy seine spätere Lebensgefährtin, die Sängerin Marie Weiler, kennengelernt haben. Nämliche sollte die einzige Person in Nestroys Leben sein, die ihn entscheidend zu beeinflussen vermochte.
1831 schloss er mit Carl Carl (Theater an der Wien) einen Vertrag als Schauspieler und Bühnenautor ab. Am 8. Oktober gebar Marie Weiler ihm das erste Kind Carl.

Nestroy gab, vor allem im Sommer, viele Gastspiele in anderen Städten der Monarchie, wie zum Beispiel in Prag, Brünn, Graz und Linz, aber auch in Hamburg, Berlin oder München, die im Großen und Ganzen positiv und mit Erfolg abliefen.

Ab 19. Jänner 1839 spielte Nestroy unter Carl auch am Leopoldstädter Theater, dem späteren Carl-Theater, dessen Leitung er 1854 – 1860 innehatte.

Während des kurzen zensurfreien Raumes in Österreich nimmt Nestroy politisch Stellung: „Freiheit in Krähwinkel“, ein satirisches Meisterwerk. Hier wird mit dem Metternich'schen System vernichtend abgerechnet – jedoch retrospektiv, da das Regime ja schon beseitigt war, was von Nestroys Linie des geringsten Widerstands zeugt. Einige politisch witzige Zitate aus dem Stück verbreiteten sich in Wien wie ein Lauffeuer. Das Werk hatte für den Autor nach der Wiedereinführung der Zensur keine weiteren Folgen – vermutlich scheuten die Behörden davor zurück, den weitläufig berühmten und beliebten Komiker einzusperren.
Trotz seiner Aggressivität auf der Bühne war Nestroy kein wirklicher Revolutionär – oder zumindest keiner mit bestimmten politischen Zielen. Dass er sich gegen den Absolutismus, insbesondere gegen die Knebelung der Meinungsfreiheit und überhaupt gegen Metternichs Polizeiherrschaft stellte, ist keine hervorstechende politische Leistung. Nestroy war eher dem Liberalismus und der Kirchenfeindlichkeit zugeschrieben, bekannte sich dennoch eindeutig zur Großösterreichischen Monarchie und zum Zentralismus. Hier liegen die Grenzen seiner politischen Erkenntnis. Seinen Verstand nutzte er einzig für die Schaubühne, nicht für die Weltbühne.

1854 wurde Nestroy – nach dem Tode Direktor Carls – seinerseits Pächter und Direktor des großen Vorstadttheaters, dessen Geschäfte aber, zuerst inoffiziell, dann auch nach außen hin, Marie Weiler führte.

In der Zwischenzeit erlahmte Nestroys Schaffenslust rasch und mit dem Tode seines guten Freundes und Kollegen Wenzel Scholz nimmt sein Leben nun besinnlichere Formen an. Er war nicht mehr unter dem Druck, eine gewisse Anzahl von Stücken pro Jahr zu liefern und machte auch viele lange Erholungsreisen mit seiner Familie, oder auch allein.

Seine Abschiedsvorstellung gab Nestroy am 31. Oktober 1860, er übersiedelte danach in sein kürzlich erworbenes Wohnhaus in Graz. Dort schrieb er auch seine letzten beiden Werke. In Briefen schimpfte er über die Regierung und die politische Entwicklung und nahm auch im Kaffeehaus kein Blatt vor dem Mund.

Seine Geisteskräfte ließen rapid nach, er hing jedoch mit allen Fasern am Leben. Zum Tod hatte er das Angstverhältnis des Neurotikers und er verdrängte alles, was an das Sterben erinnerte.
Am 25. Mai 1862 verschied der Dichter an einem Schlaganfall.

Die bekanntesten Werke Nestroys:
„Der böse Geist Lumpazivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt“ (1833), „Der Talisman“ (1840), „Einen Jux will er sich machen“ (1842), „Der Zerrissene“ (1844)

<<Maria Theresia  ||  Petznek, Elisabeth (Erzherzogin Elisabeth Marie)>>