Abbé Fauchet
Anna Maria Pammer
Kontexte
Claude Fauchet wurde am 22. 9. 1744 in Dornes (Nièvre) geboren. Er begann als Erzieher bei Marquis de Choiseul, einem Bruder des Ministers É. F. de Choiseul, war dann Priester an der Kirche Saint-Roch (Rue Saint-Honoré) und später Generalvikar von Bourges, sowie von 1783 bis 1788 „Prédicateur du Roi“.

Er wurde zum „konstitutionellen“ Bischof von Calvados gewählt, wo er nach offizieller Darstellung der Kirche von den Gläubigen abgelehnt wurde.

Als Anhänger der Revolutionsideen, insbesondere der Zivilkonstitution, beteiligte er sich an der Erstürmung der Bastille und hielt vielbeachtete patriotische Reden in den Pariser Kirchen, wie die vom 5. 8. 1789 in Saint-Jacques anlässlich eines Gedenkgottesdienstes zur Erinnerung an die gefallenen „Vainqueurs de la Bastille“. Aufsehen erregte ihre Form als „Oraison funèbre“, sowie die Argumente zur Rechtfertigung der Ereignisse vom 14. 7. und die Definition von „l’Aristocratie“ als wesentliche Zielscheibe des Bastille-Sturms.

In Hirtenbriefen sprach er sich gegen die Ehescheidung und die Priesterehe, aber für die freie Religionsausübung aus. Im Jahr 1791 wurde er Mitglied der Nationalversammlung. Er attackierte heftig den Thron, stimmte aber nur für die Verbannung Ludwigs XVI. Am 31. 5. 1792 schloss er sich den Girondisten an. Er wurde Abgeordneter zur Gesetzgebenden Versammlung und zum Nationalkonvent.

Wegen des Vorwurfs, er hätte Ch. de Corday Zutritt zum Konvent ermöglicht, und wegen Beihilfe an der Ermordung des J.-P. Marat wurde er vom Tribunal der Revolution zum Tod verurteilt und mit den Girondisten am 31. 10. 1793 guillotiniert.

Es sind Predigten, Grab- und sonstige Reden überliefert, sowie das Buch „De la Religion nationale“ (1789). Fauchet war Gründer der Zeitung „La Bouche de fer“.

Literatur:
(1) Meyers Großes Personenlexikon, Mannheim 1968
(2) Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Band, 2., neubearb. Aufl. des Kirchl. Handlexikons, Feiburg im Breisgau 1931
(3) Lexikon für Theologie und Kirche, 4. Band, 2., völlig neubearb. Aufl., Freiburg 1960
(4) Larousse du XXe Siècle en six volumes, tome 1, Paris 1930
(5) Hans-Jürgen Lüsebrink, Rolf Reichardt: Die Bastille – Zur Symbolgeschichte von Herrschaft und Freiheit, Frankfurt 1990
(6) Die Französische Revolution – Ein Lesebuch mit zeitgenössischen Berichten und Dokumenten, Stuttgart 1989
(7) Die Französische Revolution – Berichte und Deutungen deutscher Schriftsteller und Historiker, herausgeg. von Horst Günther, Frankfurt 1985



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