Emigranten
Matthias Krätschmer
Kontexte
Unter dem Begriff Emigranten versteht man politische Gegner der revolutionären Gesinnung, die aufgrund der sich immer weiter zuspitzenden politischen Lage Frankreich verließen. Emigranten waren keineswegs ausschließlich Adelige; von den geschätzten 150.000 Emigranten gehörten nur circa 20 Prozent dem Adel an. Trotzdem erlangten gerade die emigrierten Adeligen politische Bedeutung weil sie effektiv gegen die revolutionären Entwicklungen vorgingen. Die erste große Emigrationswelle setzte im Sommer 1789 im Rahmen der „grande peur“ ein und betraf hauptsächlich königstreue Adelige, die an den Werten des absolutistischen Systems festhielten. Die Revolutionsgegner suchten im Ausland zuflucht, bevorzugt in Turin, das dem Machtbereich von Viktor Amadeus III, dem Schwiegervater von König Ludwigs jüngstem Bruder, dem Comte d’Artois unterstand, später auch in Koblenz im Kurfürstentum Trier. Am 14.8. 1792 wurde der Verkauf der Besitztümer der Emigranten beschlossen. Eines der Ziele der Emigranten war es, die Revolution vom Ausland aus zu zerstören, indem sie versuchten, andere europäische Staaten zum militärischen Eingreifen zu animieren. Sie warnten die ausländischen Herrscher eindringlich vor einem Übergreifen der revolutionären Ideen und Prinzipien auf den Rest des Kontinents. Am Anfang der Revolution lehnten viele Herrscher eine militärische Intervention ab, aber im Verlauf der Revolutionskriege gingen dann doch mehrere Staaten militärisch gegen das revolutionäre Frankreich vor. Die Emigranten unterstützten die ausländischen Heere durch das Aufstellen eigener Armeekorps wie zum Beispiel bei der preußisch-österreichischen Invasion. Die europäischen Mächte betrachteten diese Armeekorps aber nicht als gleichberechtigte Verbündete, sondern eher als unterstellte Hilfstruppen. Besonders erwähnenswert ist hier das Engagement des Prinzen von Condé, der bei Worms eine Emigrantenarmee aufbaute. Die Emigranten versuchten aber auch in Frankreich durch den Einsatz von Agenten und Aufrührern, die Aufstände provozieren und eine gegenrevolutionäre Stimmung verbreiten sollten, der Revolution von Innen her entgegenzuwirken. Ab dem Jahre 1795 kehrten viele Emigranten nach Frankreich zurück; manche fanden sich mit den veränderten Umständen und der politischen Ordnung ab, andere versuchten weiterhin mit allen Mitteln die revolutionären Prozesse aufzuhalten.


Hauptquellen:

Albert Soboul, Kurze Geschichte der Französischen Revolution (Neuausgabe 2000)

Rolf Reichardt, Die Französische Revolution

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