Friedrich Stumpfl
Daniela Span
Attribute
Friedrich Stumpfl war Facharzt für Psychiatrie und stammt ursprünglich aus Wien, wo er 1902 geboren wurde. Er entschloss sich aber 1930 als Assistent von Prof. Rüdin, einem der führenden Rassehygieniker Deutschlands, nach München zu gehen. Er beschäftigte sich vor allem mit der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Veranlagung und sozialem Verhalten bzw. Verbrechen. Über dieses Thema schrieb Stumpfl auch seine Habilitation zur Erlangung der Lehrbefugnis auf der Universität mit dem Titel: „Erbanlage und Verbrechen“. In einem Bewerbungsschreiben bezeichnete Stumpfl seine Familie als „großdeutsch und deutsch-völkisch“, antisemitisch und kirchenfeindlich. Im Mai 1939 trat Stumpfl seine Professur im Amt für Erb- und Rassenbiologie in Innsbruck an. In seinen Studien versuchte er einen Zusammenhang zwischen charakterlichen Defekten und ihrem Auftreten in sozialen Gruppen herzustellen und pseudowissenschaftlich zu erklären. Dabei untersuchte er speziell „asoziales“ Verhalten und genetisch bedingte Kriminalität bei den Fahrenden, den sogenannten „Karrnern“, die zunehmend in die Verfolgungsmaschinerie der Nazis gerieten. Stumpfl förderte die Aussonderung von Menschen, die das NS-Regime als „Asoziale“ harten Strafen bis zur körperlichen Vernichtung zuführte. Stumpfl und sein Institut waren für viele Diagnosen und Prognosen zuständig, die in der Folge über das Schicksal vieler Menschen mit entschied (Einstufung als „Asozialer“, pathologisch Krimineller, Verweigerung des Ehezeugnisses usw.). Als eine der wesentlichen Aufgabe des Instituts für Erb- und Rassenbiologie sah Stumpfl die „Züchtung“ einer Generation von Erbärzten.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde das Institut für Erb-und Rassenbiologie in Institut für Anthropologie und Erbbiologie umbenannt, Friedrich Stumpfl blieb weiterhin Leiter. Eine politische Überprüfung von Stumpfl 1946 durch die Universität Innsbruck endete mit einer Einstellung des Verfahrens, doch 1947 wurde er im Zuge der Auflösung des Instituts seines Amtes enthoben. So arbeitete er als Leiter der kinderpsychiatrischen Beobachtungsstation in Salzburg, als Nervenarzt für Gerichtspsychiatrie in Wien, bis ihm schließlich wieder eine Stelle in Innsbruck angeboten wurde, wo er lange Zeit Vorlesungen zu forensischer Psychiatrie an der Universität hielt. 1959 wurde Stumpfl für den Titel des a.o. Professors vorgeschlagen und somit rehabilitiert. Sowohl seine Einstellung, als auch die Forschungsgebiete von Friedrich Stumpfl änderten sich im Laufe seiner Karriere kaum. So bezogen sich seine Arbeiten immer auf die selben Themen, hauptsächlich um den Zusammenhang zwischen kriminellem bzw. „asozialem“ Verhalten und Anlage/Vererbung bzw. ihrem Auftreten in Verwandtschaftsbeziehungen oder in Bevölkerungsgruppen wie den „Karrnern“. In Studien, die er während der NS- Zeit geschrieben oder angelegt hatte, und mit denen er auch nach 1945 im Wissenschaftsbetrieb weiterarbeitete, sprach er von der Minderwertigkeit bestimmter Personen, jedoch in einer Fernsehdiskussion aus dem Jahre 1989 behauptete Stumpfl: „Ich habe nie das Wort minderwertig gebraucht!“ Dr. Friedrich Stumpfl hat sich nie klar und eindeutig von seinem Arbeitsgebiet in der NS- Zeit distanziert.


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