Béthouart, Antoine, Marie, Emile
Florence Rousseau
Kontexte
geb. 1889, war im selben Jahrgang von der Offiziersschule ausgemustert worden, wie der spätere französische Präsident Charles de Gaulle. Er war Infanterieoffizier im Ersten Weltkrieg und Besatzungsoffizier in Zweibrücken in der Pfalz. 1940 nahm er als General am Feldzug in Norwegen teil, danach kämpfte er in Marokko und setzte sich gegen die mit Hitlerdeutschland verbündete Vichy-Regierung des besetzten Frankreich ein. Anschließend war er Chef der Militärmission des freien Frankreich in Washington. Im April 1944 wurde Béthouart von de Gaulle zum Leiter des neu geschaffenen französischen Generalstabs ernannt. Im August 1944 erhielt er den Oberbefehl über das Erste Armeekorps, mit dem er im Mai 1945 den Arlberg erreichte.
Am 10. Juli 1946 wurde Béthouart zum Oberkommandierenden und damit zum Militärkommissar in der von Frankreich besetzten Zone Österreichs (Vorarlberg und Nordtirol ohne Osttirol) ernannt. In dieser Funktion war er Mitglied des Alliierten Rates in Wien, durch den die vier Siegermächte (USA, UdSSR, Großbritannien, Frankreich) die oberste Gewalt in Österreich ausübten. Nach dem Zweiten Kontrollabkommen vom 28. Juni 1946, durch das die Selbstständigkeit Österreichs wesentlich erweitert wurde, wurde im Herbst 1946 die französische Militärregierung in eine „Kontrollkommission“ mit Béthouart als „Hochkommissar“ umgewandelt, die wesentlich weniger Kompetenzen hatte und sich kaum mehr direkt in die Landespolitik einmischte. Béthouart wurde in der Tiroler Bevölkerung durchaus positiv gesehen und zeichnete sich durch besonderes Entgegenkommen für Tiroler bzw. österreichische Interessen aus. Aus diesem Grund wurde auch eine Brücke in Innsbruck nach Béthouart benannt.

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