Zugtransporte und Todesmärsche nach und in Tirol
Attribute
In den letzten Kriegstagen führte die SS „Evakuierungstransporte“ mit der Eisenbahn aus Dachau und den Außenlagern Kaufering und Mühldorf Richtung Tirol, der so genannten „Alpenfestung“, durch. Auf Grund ständiger Fliegerangriffe durch die Alliierten fuhren die Züge meist in der Nacht und waren tagsüber auf Nebengleisen abgestellt. Die SS-Wachmannschaften wechselten fast täglich und auch die Zusammensetzung der Häftlingsgruppen variierte ständig. Immer wieder verstarben geschwächte Häftlinge. Von den KZs ging es über München, Wolfratshausen, Beuerberg, Bichl, Penzberg, Seeshaupt, Tutzing und von dort weiter nach Weilheim, Murnau, Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald nach Tirol.
Durch die ständige Bedrohung durch die Alliierten brauchten die Züge für relativ kurze Strecken oft mehrere Tage. Wie viele Züge Tirol erreicht haben, ist nicht mehr festzustellen. Tatsache ist jedenfalls, dass am 28. April 1945 ein Zug mit rund 1.700 jüdischen KZ-Häftlingen Seefeld erreichte. Zielort war die Gegend um das Oetztal, vermutlich Ochsengarten. Da die Eisenbahnstrecke in Reith unterbrochen war, sollten mit Ausnahme von 65 kranken Häftlingen, die in Seefeld zurück blieben, alle KZ-Gefangenen zu Fuß über Mösern und Telfs ins Oetztal geführt werden. Auf dem Todesmarsch nach bzw. in Mösern, das am Abend des 28. April erreicht wurde, starben einige der völlig entkräfteten Häftlinge. Da aber Gauleiter Franz Hofer die Übernahme des Transports verweigert und Befehl zum Rücktransport nach Bayern gegeben hatte, schleppte sich der Großteil mit Ausnahme jener 300 Mann, die ins Inntal geführt wurden, am nächsten Morgen wieder nach Seefeld zurück, wobei wieder einige, obwohl die Bewacher aufgrund des nahen Kriegsendes erstaunlich freundlich vorgingen, am Wegrand starben. Von Seefeld aus ging es dann wieder mit dem Zug zurück über Scharnitz Richtung Mittenwald. Da den gefangenen Juden ursprünglich erklärt worden war, in die Schweiz transportiert zu werden, war die Enttäuschung groß, sich nun auf freier Strecke am Isarufer mit nunmehr äußerst brutaler SS-Wachmannschaft wiederzufinden. Die meisten jener Häftlinge, die über die Isar zu schwimmen versuchten, wurden auf der Flucht erschossen.
Da in der Zwischenzeit die amerikanischen Truppen derart nahe gerückt waren, dass bereits ihr MG-Feuer vernommen werden konnten, suchte die SS das Weite und ließ die jüdischen KZ-Häftlinge alleine zurück. Viele, die den Lagerplatz verließen, sollen wenige Stunden vor der Befreiung angeblich von rückflutenden Frontsoldaten erschossen worden sein. Häftlingsgruppen, die Scharnitz erreichten, wurden auf Geheiß des Bürgermeisters auf Lastwagen nach Seefeld verfrachtet, wo der Bürgermeister die meisten von ihnen samt den in Seefeld verbliebenen Häftlingen am 29. und 30. April mit Bahn und LKW über die Grenze auf die Felder zwischen Scharnitz und Mittenwald bringen ließ. Am 1. Mai 1945 befreiten US-Truppen die KZ-Häftlinge, doch noch in den letzten Stunden vorher waren einige von ihnen von deutscher Feldgendarmerie in ihre Verstecken als Spione erschossen worden.
Wie bereits erwähnt, waren in Mösern 300 jüdische KZ-Häftlinge unter Bewachung ins Inntal nach Telfs und Pfaffenhofen geführt worden. Einige beherzte TelferInnen half dem einen oder anderen mit Lebensmitteln oder versteckte sogar einige. Die Häftlinge, die in einem erschreckenden Zustand waren, wurden am Telfer Bahnhof verladen und trafen am 1. Mai einige Kilometer vor Haiming im Ötztal ein, wo sie in Baracken untergebracht und am 4. Mai von amerikanischen Truppen befreit wurden.


<<Die Vorgeschichte  ||  Erinnerungszeichen - Massengrab und Mahnmal>>