Nedwed, Max
Dr., geb. am 22. Juni 1902 in Hallein, wuchs in Klagenfurt auf. In Innsbruck absolvierte er sein Jusstudium. Der Polizei trat er in Klagenfurt bei und wurde als Polizeikommissar dem Sicherheitsdirektor für Kärnten zugeteilt. Nedwed half mit den Juliputsch der Nazis 1934 in Kärnten niederzuschlagen, deshalb waren seine Vorgesetzten später auch von seiner nazistischen Haltung überrascht. Ab März 1938 war er als Polizeidezernent in der Landeshauptmannschaft Kärnten tätig, bevor er im Oktober 1940 in den Dienst der Gestapo übertrat. Zunächst leitete er die Gestapostelle Kassel, bevor er seinen Dienst in Innsbruck antrat. Er gehörte zu jenen Gestapoleuten, die sich am 2. Mai 1945 in Richtung Unterinntal absetzten. Im Raum Kitzbühel wurde er schließlich am 5. August 1945 von österreichischen Beamten verhaftet und vom französischen Militärgericht 1948 zu 20 Jahren Haft verurteilt. Auch er wurde vorzeitig entlassen, 1958 lebte er jedenfalls als Angestellter in Linz.
Die Gestapozentrale Innsbruck: Personal und Räumlichkeiten
Jonas Sailer
Attribute
Im März 1938 befand sich die Gestapo in der Bienerstraße 8, ab 11. Mai 1939 war die Zentrale der Innsbrucker Gestapostelle für den Verwaltungsbereich Tirol (ohne den Bezirk Lienz) und Vorarlberg in der Herrengasse 1, wo sie auch bis Mai 1945 blieb. Die Gestapostelle Innsbruck gliederte sich bis zum Jahre 1944 in drei Abteilungen mit zahlreichen Unterabteilungen. Es gab auch ein selbstständiges N(achrichten)-Referat. Die Abteilung I war für Personal- und Wirtschaftsangelegenheiten zuständig. Die Abteilung II war der exekutive und polizeiliche Kern der Gestapostelle. Die Abteilung III schließlich diente der (Spionage-) Abwehr und der grenzpolizeilichen Aufsicht. Zu Beginn des Jahres 1944 wurden die Abteilungen II und III zu einer Abteilung IV (Exekutivdienst) zusammengelegt.
Die Innsbrucker Gestapostelle wurde seit ihrer Gründung am 11. März 1938 durch Dr. Wilhelm Harster bis zu ihrem Ende unter Dr. Max Nedwed von sieben verschiedenen Gestapochefs geleitet. Bis auf Nedwed stammten alle aus dem so genannten Altreich (Deutschland). Aufgrund ihrer Ortsfremdheit war es für die Gestapo-Leiter einfacher rücksichtslos mit großer Härte vorzugehen. In der Gestapostelle Innsbruck arbeiteten zunächst ca. 60 Beamte. Das Grenzkommissiarat Brenner bestand aus 40 Beamten, jenes in Bregenz aus 60. Daneben waren bei der Gestapo noch rund 15 männliche und 40-50 weibliche Angestellte tätig. Davon waren vier Personen im Schillerhof tätig, welcher der Gestapo seit Ende 1943 als Ausweichquartier diente. Ebenfalls vor Ort untergebracht waren jene 10 Beamte, die das „Arbeitserziehungslager“ Reichenau zu verwalten hatten. 1944 waren etwas mehr als ein Drittel der 125 Personen, die in der Gestapostelle Innsbruck arbeiteten, „Reichsdeutsche“, die restlichen zwei Drittel waren vorwiegend Tiroler.
Die Gestapo nahm den gesamten ersten Stock des Amtsgebäudes Herrengasse für ihre Büros ein. Zusätzlich zu diesen Zimmern besetzte die Gestapo zwei Büros im Parterre des Eingangsbereiches und im 4. Stock. Weiters war in diesem Gebäude neben der Gestapo auch der Sicherheitsdienst des Reichsführer-SS (SD) untergebracht.
Das Gebäude Herrengasse 1 war durch einen Zugang mit einem 1944 geschaffenen Gefängnistrakt an der Herzog-Otto-Straße verbunden. Dorthin wurden die Häftlinge während der Verhörpausen gebracht sowie auch jene, die nicht mehr transportfähig waren. Bis auf eine Zelle wurden alle nach Kriegsende abgerissen. Nach 1945 war das Tiroler Landesarchiv jahrzehntelang in der Herrengasse 1 untergebracht, nunmehr das Café und Restaurant „Archiv“.

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