Das neu erbaute Befreiungsdenkmal

Vor dem Bau des Tiwag-Gebäudes und des Hilton Hotels waren durch die Wappenfelder des Denkmals Serles und Nockspitze zu sehen.
Foto: Stadtarchiv Ph-21993
Das Befreiungsdenkmal
Christian Mautner, Florence Rousseau
Attribute
Die Idee und auch der Großteil der Durchführung dieses Projekts geht auf eine Initiative der französischen Militärregierung zurück. Es stellt ein Geschenk Frankreichs an Innsbruck und das Land Tirol dar, mit dem es das Andenken an all jene geehrt wissen wollte, die ihr Leben opferten, damit ein freies Österreich wiedererstehen konnte.
1946 wurde mit dem Abriss von Häusern, die sich im Bereich des heutigen Landhausplatzes befanden, begonnen, sodass im Juni 1946 die Errichtung des Rohbaues gestartet werden konnte. Bei den Arbeiten wurden auch Häftlinge, ehemalige Nationalsozialisten, eingesetzt, die durch besondere „Arbeitsunlust“ auffielen. Die französische Militärregierung zeigte sich generell mit dem Tempo, mit dem das Befreiungsdenkmal ausgeführt wurde, unzufrieden.
Obwohl die Franzosen für die Kosten des Baues aufkamen und der französische Architekt Pascoud miteinbezogen worden war, gab es zwischen der französischen und Tiroler Seite Meinungsverschiedenheiten bezüglich der künstlerischen Ausgestaltung des Denkmals, bei der sich letztendlich die Tiroler Auffassungen durchsetzten. In den Bauakten der Landesregierung findet sich folgender Eintragung von Major Labarriere, dem für den Bau zuständigen Leiter der französischen Kontrollkommission: „Es steht mir nicht zu, gegen den Stil des beabsichtigten Gebäudes zu protestieren, eines Stils, der sich erstaunlicherweise dem nationalsozialistisch inspirierten neuen Landhaus angleicht“.
Betrachtet man das Befreiungsdenkmal, so sind Ähnlichkeiten mit dem faschistischen Siegesdenkmal in Bozen bemerkbar. Zudem stellt das Befreiungsdenkmal eine Spiegelung des Eingangsportals des nationalsozialistischen „Landhauserweiterungsbaues“ dar, die dadurch erreicht wird, dass das Portal und das Denkmal genau auf einer Achse liegen, gleich breit sind und eine ähnliche Senkrechtteilung aufweisen. Für den französischen Architekten, der wohl in der ästhetischen Tradition der Errichtung imperialer Triumphbögen steht, schien diese Annäherung an einen Bau aus der NS-Zeit völlig unproblematisch zu sein, obwohl das Denkmal als Symbol für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie für das neue demokratische Österreich den inhaltlichen Gegenpol zum ehemaligen Gauhaus ausdrücken sollte.
Die französische Militärregierung war jedenfalls bemüht die Wünsche der Tiroler Seite zu berücksichtigen und eine größtmögliche Akzeptanz zu sichern. Deshalb verzichtete sie auch darauf, bei der ästhetischen Gestaltung des Befreiungsdenkmals den eigenen Beitrag zur Befreiung Österreichs in den Vordergrund zu stellen und etwa eine französische Inschrift einzufordern. Auf Initiative des Landeskonservators Graf Oswald Trapp, der diese Funktion bereits in der NS-Zeit ausgeübt hatte, wurde der auf dem Denkmal eingegossene Text, mit dem all jener gedacht werden sollte, die für die Befreiung Österreichs ihr Leben verloren, nicht auf Deutsch sondern auf Latein verewigt: „PRO LIBERTATE AUSTRIAE MORTUIS“ (Den für die Freiheit Österreichs Gestorbenen).
Die Kunstschmiedearbeiten der in Kreuzesform aneinandergereihten Wappen der neun Bundesländer mit dem Tiroler Wappen im Mittelpunkt wurden vom Innsbrucker Kunstschmied Toni Fritz durchgeführt, der nach Plänen von Prof. Kerle auch den gewaltigen 3,90 Meter großen und 2,60 Meter breiten Tiroler Adler, der mit seinen 750 kg auf dem Denkmal ruht, fertigstellte. Die Symbolik der Wappen in Kreuzesform ist insofern bemerkenswert, da einerseits 1948, also sieben Jahre vor dem Staatsvertrag und der Wiedererstehung eines unabhängigen Österreich, eine Zeichensetzung für ein ungeteiltes Österreich auf einem von einer der vier Besatzungsmächte initiierten Denkmal erfolgte. Andererseits vereinnahmte die Symbolik Widerstand und Leiden einseitig für die katholische Kirche.
Für die Fertigstellung des Befreiungsdenkmals wurde der Jahrestag der Beendigung des Krieges angegeben. Doch weder an diesem 8. Mai 1948 noch zu einem anderen Zeitpunkt fand eine offizielle Einweihung statt. Auch daraus lässt sich schließen, dass die Akzeptanz des oft geringschätzig als „Franzosendenkmal“ bezeichneten Erinnerungsortes in der Tiroler Bevölkerung gering war. Umso erstaunlicher ist, dass die französische Militärregierung, welcher der Bau des Denkmals sehr am Herzen gelegen war, auf eine feierliche Einweihung verzichtete. Die Tiroler Presse bezeichnete jedenfalls das Denkmal nach seiner Fertigstellung als „geglückte Symphonie französischer und österreichischer bildender Kunst“. Auch in der Folgezeit wurde in den Zeitungen und der Literatur weniger die Bedeutung des Denkmals und des Widerstandes hervorgehoben als der herrliche Blick auf die Tiroler Berge im Süden, die dieses Denkmal den BetrachterInnen erlaube. Dieser Blick ist heute jedoch seit dem Bau des Gebäudekomplexes des Hilton-Hotels nicht mehr gegeben.
Das Befreiungsdenkmal konnte die ursprünglichen Absichten, die mit seinem Bau verbunden waren, nicht verwirklichen. Als Hinterlassenschaft eines spezifisch französischen Kulturbeitrags ist es aufgrund der weitgehenden Kompromisse mit dem Land Tirol auf der ästhetischen Ebene wenig erkennbar. Als Symbol der Befreiung und des Widerstandes vermochte es nicht wirklich fester Bestandteil Tiroler Erinnerungskultur werden. Obwohl die französische Militärregierung dem Land Tirol bei der Ausgestaltung des Denkmals so großzügig entgegengekommen war, konnte sich die Mehrheit der Tiroler Bevölkerung mit diesem Erinnerungszeichen nicht identifizieren, sondern empfand es als ein von „außen“ aufgezwungenes Denkmal. Lange Zeit wurde es daher im Volksmund eher abschätzig „Franzosendenkmal“ genannt. Auch das Land Tirol und die Stadt Innsbruck unternahmen wenig Anstrengungen, um die Akzeptanz des Befreiungsdenkmales und seine Bedeutung, die allmählich in Vergessenheit geriet, zu heben. Die lateinische Inschrift unterstützte diesen Prozess des Verdrängens.

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