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Forschungsprojekte

Scheidungverfahren vor dem Wiener Zivilmagistrat (1783–1850)

Andrea Griesebner, Birgit Dober, Susanne Hehenberger, Isabella Planer
Das von der Stadt Wien geförderte Forschungsprojekt wurde von März bis Juni 2018 am Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit (IEFN) durchgeführt. Auf der Basis von zwei vorangegangenen FWF-Projekten (Ehen vor Gericht. Konfliktfelder und Handlungsoptionen vom 16. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts; Eheprozesse zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert. Regionale und soziale Verortung) recherchierte das Projektteam personenbezogene Daten für jene 396 Ehepaare bzw. 792 Personen, welche in einem der untersuchten Zeitsegmente zwischen 1783 und 1850 ein „uneinverständliches" Scheidungsverfahren vor dem Wiener Zivilmagistrat führten. Vor allem aus der systematischen Durchsicht von Pfarrmatriken konnten Erkenntnisse über die Wohnorte vor und während der Ehe, Zivilstand und Alter von Braut und Bräutigam bei der Heirat, Berufe vor und während der Ehe, Altersdifferenz der Ehepartner*innen und Dauer der Ehe beim ersten Scheidungsverfahren gewonnen werden.

Zum Webportal Ehen vor Gericht:
https://www.univie.ac.at/ehenvorgericht/

Kriminalität in und um Wien 1703–1803. Eine Datenbank.

Kriminalitätshistorische Studien zu Wien im 18. Jahrhundert galten aufgrund fehlender Quellen bislang als aussichtslos. Im Rahmen des Forschungsprojektes Kriminalität in und um Wien 1703-1803. Eine Datenbank wurden erstmals 101 Jahrgänge der Wiener Zeitung nach kriminalitätshistorischen Gesichtspunkten durchforstet. Das Ergebnis steht der interessierten Öffentlichkeit nun zur Verfügung.

Projektleitung: Susanne Hehenberger

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Barocke Tischlerausstattungen in Stiftskirchen der Zisterzienser und Benediktiner

Michael Bohr
Bis heute liegt noch kein Katalog zu österreichischen Möbeln des 17. und 18. Jahrhunderts vor, deren Provenienz und Entstehungszeit zweifelsfrei geklärt wäre. Aus diesem Grund gilt eine Studie zu barocken Tischlerausstattungen als wichtiges Desiderat der kunsthistorischen Forschung.

Das Ziel des am IEFN angesiedelten und vom Wissenschaftsfonds (FWF) großzügig geförderten Forschungsprojektes besteht darin, stilistische Charakteristika von Kirchenmöbeln herauszuarbeiten und so eine solide Grundlage mustergültiger Einrichtungsgegenstände zu schaffen, um das österreichische Barockmobiliar insgesamt chronologisch exakt einordnen und bestimmten Kunsträumen zuweisen zu können. In einem Überblickswerk sollen daher vor allem archivalisch nachweisbare Stücke präsentiert werden. Neben der Erforschung der Möbel basiert meine Arbeit denn auch zu einem nicht unwesentlichen Teil auf der Auswertung schriftlicher Quellen.

Da in Österreich der immens umfangreiche Bestand an erhaltenen sakralen Barockmöbeln kaum zu überschauen ist, kommt man um eine Eingrenzung des zu bearbeitenden Materials nicht umhin. Für die Untersuchung bieten sich Klöster in besonderem Maße an, denn die großen Stifte barockisierten ihre Kirchen und statteten sie mit modernen Sakristeischränken, Chorgestühlen, Beichtstühlen und Kirchenbänken aus. Häufig finden sich schriftliche Nachrichten über Ankauf und Fertigung neuer Ausstattungsstücke in den Klosterarchiven, Entstehungsdaten sind genannt und zusammen mit ihnen die Namen der verantwortlichen Tischler und Bildschnitzer.

Allerdings waren oft auch Stiftsangehörige für die Produktion hochwertigen Mobiliars zuständig. Mit ihnen wurden keine Verträge geschlossen, und sie wurden nicht bezahlt. Möbel aus Stiftstischlereien sind deshalb nur selten in den Unterlagen greifbar. Dennoch finden auch sie bei entsprechender Qualität Aufnahme in den Katalog. Ferner ist es in Einzelfällen notwendig, wichtige Ausstattungsstücke in den Klöstern selbst zu untersuchen, wobei jedoch keineswegs das Schreiben vollständiger Inventare geplant ist. Im Rahmen dieser Recherche wäre das weder sinnvoll noch durchführbar.

Schließlich werde ich einige sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Aspekte in der Studie ansprechen. Auch zu diesen Themenbereichen geben Schriftquellen aus den Klosterarchiven vielfach Auskunft, doch lässt die Dichte der erhaltenen Schriftquellen eine umfassende, von Wirtschaftshistorikern durchgeführte Untersuchung als wünschenswert erscheinen.

122 der in Österreich existierenden Klöster wurden vor 1783 gegründet, nicht weniger als 76 sind mit bedeutendem Barockmobiliar ausgestattet. Die weitere Beschränkung der Studie auf Möbel der Benediktiner und Zisterzienser verleiht dem Thema einen überschaubaren Rahmen. Die Zahl kann dadurch auf etwa 20 Stifte begrenzt werden, deren Mobiliar in die Forschungsarbeit einfließt. Die Qualität ihrer Ausstattungen ist zum Teil außergewöhnlich hoch, sahen sich viele Äbte von Benediktiner- und Zisterzienserabteien doch in der Rolle begeisterter Kunstmäzene. Die Ausgestaltung ihrer Kirchenräume gehört zu den wichtigsten Beispielen zeitgenössischer Klosterbaukunst.

Da die beiden Orden ihre Bautätigkeit auf die Regionen um Wien, Linz und Salzburg konzentrierten, liefert das im Katalog beschriebene Material für das Burgenland, die Steiermark und Kärnten nur eine recht dünne Basis. Außerdem können in einer Untersuchung zu österreichischen Barockmöbeln so hochbedeutende Ausstattungen wie jene der Augustinerklöster St. Florian oder Klosterneuburg kaum übergangen werden. Daher ist es unumgänglich, prominente Vergleichsbeispiele anderer Orden in die Studie einzubeziehen. Die methodische Vorgehensweise muss also nachjustiert und eine Fortführung des Ende 2010 auslaufenden Projektes angestrebt werden, um wichtige Möbel von weiteren Klöstern und weltlichen Kirchen zu bearbeiten. Nur so lassen sich die bisher erzielten Forschungsergebnisse auf eine wirklich aussagekräftige Grundlage stellen.

Publikationen von Michael Bohr zum Thema

Verzeichnis der veröffentlichten Literatur:

  • Barocke Möbel für Stift Göttweig, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige (hrsg. v. d. Historischen Sektion der Bayerischen Benediktinerakademie, Bd. 120), St. Ottilien 2009, S. 509–528.
  • Barocke Chorgestühle und Beichtstühle in österreichischen Stiftskirchen, in: Frühneuzeit-Info, Heft 1-2, XX, 2009, S. 128–146.
  • Barocke Beichtstühle und Chorgestühle in österreichischen Cistercienserkirchen, in: Analecta Cisterciensia, LIX, 2009, S. 210–235.

Verzeichnis der Untersuchungen im Druck:

  • Tischlerarbeiten im Kloster Lambach, in: Jakob Wührer, Christoph Stöttinger und Klaus Landa (Hrsg.), Tagungsband zum Symposion "Stift Lambach in der Frühen Neuzeit vom 26. bis 28. November 2009", Erscheinungsdatum Frühjahr 2011.
  • Tischlerarbeiten und Besoldungen im Stift Göttweig, in: Monastica historia.

Forschungsprojekt zur Erstellung einer Biographie über Erzherzog Leopold Wilhelm (1614–1662).

Kontaktpersonen: Renate Schreiber & Karl Vocelka


Sprachgebrauch als verbindendes und als trennendes Element in Mitteleuropa in der Frühen Neuzeit.

Wladimir Fischer & Karl Vocelka
Die Ergebnisse dieses Projekts wurden publiziert in:

  • Frühneuzeit-Info 10 (1999), Heft 1+2 und
  • Frühneuzeit-Info 12 (2001), Heft 1
  • Wladimir Fischer/Karl Heinz/Markus Reisenleitner/Vlasta Vales/Karl Vocelka: Sprache als Handlung und Träger sozialer Identität. In: (Hg. v. Christina Lutter): Symposien 1996: Ästhetik und Ideologie, Aneignung und Sinngebung, Abgrenzung und Ausblick. Wien 1997, S. 191–202.

Propaganda und Hegemonie. Volkskultur und Massenkultur.

Ein kulturwissenschaftlicher Beitrag zur Hierarchisierung kultureller Praktiken und Texte am Beispiel der urbanen Popularkultur Wiens 1740–1848.

Kontaktpersonen: Eva Schwarzmann & Markus Reisenleitner


Der öffentliche Raum als Bühne

Kontaktperson: Udo W. Häberlin

Zur Webseite.

Aktuelles & Termine

  • 22. Mai 2019 – Jour Fixe Stefano Saracino (Erfurt/München) Griechisch-orthodoxe Almosenfahrer aus dem Osmanischen Reich im Heiligen Römischen Reich Moderation: Stephan
  • 10. April 2019 – Jour fixe Christian Standhartinger (Wien) Diplomatie, Krieg und Geld: Spanische Subsidienzahlungen an Kaiser Leopold I. zu Beginn des Holländischen Krieges

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