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21. November 2018 – Jour Fixe

Andrea Griesebner – Susanne Hehenberger – Birgit Dober – Isabella Planer (Wien):

Präsentation des Webportals: Ehen vor Gericht | Marriages at Court 2.0

(Moderation: Evelyne Luef)

Zeit und Ort: 18:30 Uhr, Hörsaal 30, Hauptgebäude der Universität Wien (1010 Wien, Universitätsring 1)

Abstract:

Die katholische Kirche vertritt den Standpunkt, dass bei der Trauung ein sakramentales Eheband gestiftet wird, welches nur durch die Annullierung oder den Tod des Ehepartners / der Ehepartnerin gelöst wird. Bei nachgewiesenen schweren Eheverfehlungen erlaubt das kanonische Eherecht allerdings eine befristete Trennung oder eine unbefristete Scheidung von Tisch und Bett. Mit der Einführung der Zivilehe im Juni 1938 verlor dieses Institut zunehmend an Bedeutung und geriet sowohl im Alltag als auch in der Geschichtswissenschaft in Vergessenheit. Seit 2010 untersucht Andrea Griesebner mit einem Team von Mitarbeiter*innen die Ehegerichtsbarkeit im Erzherzogtum Österreich unter der Enns seit der Mitte des 16. Jahrhunderts. Für ausgewählte Zeitsegmente zwischen 1558 und 1867 konnten rund 3.500 Gerichtsverfahren von mehr als 2.200 Ehepaaren eruiert werden.

Begleitend zu den Forschungen entwickelte das Team das Webportal Ehen vor Gericht / Marriages at Court. Die durchgehend zweisprachige Präsentationsplattform bietet – differenziert nach Untersuchungszeiträumen und untersuchten Gerichten – einen Einblick in die Zielsetzung, informiert über die Arbeit mit den Quellen und stellt Forschungsergebnisse vor. Das Herzstück bildet eine Datenbank der erhobenen Eheverfahren, mittels derer die Eckdaten – von den vorgebrachten Argumenten bis zum Urteil – abrufbar sind. Soweit rekonstruierbar enthält die Webdatenbank auch die Personenstandsdaten der Ehepartner*innen, das Heiratsdatum, den Familienstand und das Alter bei der Hochzeit sowie den gemeinsamen Wohnort des Ehepaares.

Zur Person:

Dr. Andrea Griesebner ist ao. Univ. Prof. am Institut für Geschichte, derzeit Institutsvorständin und leitete beide FWF-Forschungsprojekte zur Erforschung der Ehegerichtsbarkeit.

Dr. Susanne Hehenberger gehörte dem Team beider FWF-Projekte an, MMag. Birgit Dober und Mag. Isabella Planer dem Team des zweiten FWF-Projekts. Zu den Biografien siehe „Team“ am Webportal Ehen vor Gericht.

17. Oktober 2018 – Jour Fixe

Anton Tantner (Wien):

Die Nummern der Bilder: Identifizierungspraktiken in der kaiserlichen Gemäldegalerie 1650–1800

Moderation: Li Gerharter

Zeit und Ort: 18:30 Uhr, Hörsaal 30, Hauptgebäude der Universität Wien (1010 Wien, Universitätsring 1)

Abstract:

Zwei Jahre nachdem in der Habsburgermonarchie die Häuser nummeriert wurden, wurde 1772 eine weitere Kategorie von Gegenständen dieser unscheinbaren Kulturtechnik unterzogen: Diesmal waren es die Gemälde der kaiserlichen Sammlungen, die unter der Ägide des eben erst neu bestellten Galeriedirektors Joseph Rosa mit Inventarnummern bedacht wurden. Die entsprechenden Zahlen wurden in weißer Deckfarbe auf der Vorderseite der Bilder angebracht, manche davon sind heute noch bei einem Besuch des Kunsthistorischen Museums am Ring sichtbar.

Der Vortrag spürt den verschlungenen Wegen des Einsatzes von Nummern zur Identifizierung der habsburgischen Gemälde nach, von den die Sammlungen Erzherzog Leopold Wilhelms feiernden Galeriebildern David Teniers des Jüngeren Mitte des 17. Jahrhunderts und dessen Theatrum pictorium über das prächtige Bildinventar Ferdinand Storffers (1720-1733) bis hin zu der genannten Inventarisierungstätigkeit unter Rosa und schließlich der im Belvedere erfolgten Neuaufstellung der Gemälde unter Christian von Mechel. Letzterer ließ an den Rahmen der ausgestellten Bilder Schilder anbringen, die neben den Namen der KünstlerInnen auch Nummern anzeigten, die in jedem Galerieraum von eins an begannen und eine Identifizierung im nach Abschluss der Neuaufstellung erschienenen Katalog sicherstellen sollten.

Zur Person:

Anton Tantner ist Privatdozent für Neuere Geschichte an der Universität Wien und leitete das Projekt „Die Inventare der kaiserlichen Kunstsammlungen“ (Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien, H-240478/2017).
Weblog zum Thema des Vortrags: http://nummer.hypotheses.org
Twitter: @adresscomptoir
Homepage mit umfassendem Publikationsverzeichnis und „Galerie der Hausnummern“: http://tantner.net

20. Juni 2018 – Jour Fixe

Heike Krause (Wien):

Historisch-archäologische Forschungen zur Wiener Stadtbefestigung

Moderation: Wladimir Fischer

Zeit und Ort: 18:30 Uhr, Hörsaal 30, Hauptgebäude der Universität Wien (1010 Wien, Universitätsring 1)

Abstract:

Anlass für intensive Recherchen zur Wiener Stadtbefestigung waren Ausgrabungen, die die Stadtarchäologie Wien in den letzten Jahren an mehreren Stellen in der Innenstadt durchgeführt hat. Sie waren der Ausgangspunkt für ein interdisziplinäres Projekt, aus dem zahlreiche Publikationen hervorgingen. Schrift- und Bildquellen zur mittelalterlichen Befestigung und zum frühneuzeitlichen Festungsbau wurden erschlossen und quellenkritisch ausgewertet, Ergebnisse weiterer Ausgrabungen erfasst und zusammengeführt. Auf dieser Basis konnten die Bauphasen der Stadtbefestigung bis zur Demolierung nachvollzogen sowie Bauverantwortliche ermittelt werden. Mit Hilfe historischer, georeferenzierbarer Pläne sowie archäologischer Befunde wurden der Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer sowie der Umfang der Festung rekonstruiert und die einstigen Baukörper im heutigen Stadtgebiet verortet. Das daraus entstandene Stadtbefestigungs-GIS dient dazu, die „Verdachtsflächen“ realistisch einzugrenzen, so dass heute im Vorfeld von Baumaßnahmen präzise Prognosen über zu erwartende Überreste gestellt werden können.

Zur Person:

Mag. Heike Krause studierte Ur- und Frühgeschichte, Mittelalterliche Geschichte und Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist seit 1998 Mitarbeiterin der Stadtarchäologie Wien mit dem Forschungsschwerpunkt Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. 2017 erschien das gemeinsam mit Ferdinand Opll und Christoph Sonnlechner verfasste Buch „Wien als Festungsstadt im 16. Jahrhundert. Zum kartografischen Werk der Mailänder Familie Angielini“.

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  • 21. November 2018 – Jour Fixe Andrea Griesebner – Susanne Hehenberger – Birgit Dober – Isabella Planer (Wien): Präsentation des Webportals: Ehen vor Gericht | Marriages at Court
  • 17. Oktober 2018 – Jour Fixe Anton Tantner (Wien): Die Nummern der Bilder: Identifizierungspraktiken in der kaiserlichen Gemäldegalerie 1650–1800 Moderation: Li Gerharter Zeit

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