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13. März 2019 – Jour Fixe

Stephan Steiner (Wien)

„Das Reich Gottes hier in Wien“. Evangelisches Leben in der Haupt- und Residenzstadt unter Kaiser Karl VI.

Moderation: Karl Vocelka

Zeit und Ort: 18:30 Uhr, Hörsaal 30, Hauptgebäude der Universität Wien (1010 Wien, Universitätsring 1)

Abstract:

Anomalie Wien: Während man sich ansonsten in den österreichischen Erblanden für
seinen Protestantismus bis 1781 um Kopf und Kragen betet, beherbergt die Haupt- und Residenzstadt gleich drei Orte, an denen evangelischer Gottesdienst vollkommen legal verrichtet werden darf. An den dänischen, schwedischen und niederländischen Gesandtschaften gibt es nämlich „Legationsprediger“, die ihre privilegierten Gemeindemitglieder (vor allem Diplomaten und Handelsleute) betreuen. Über die Zeit werden die dänischen und schwedischen Pfarrstellen zunehmend mit Pietisten besetzt, die unermüdlich an ihr Kraftzentrum Halle an der Saale rapportieren. Die Geistlichen habe alle möglichen Vorlieben, einer ediert hunderte Leibniz-Briefe, der andere widmet der Lust am Schlittenfahren ein Traktat, wieder ein anderer arbeitet sich bis in den privaten Zirkel des Prinzen Eugen vor. Auch protestantische Hauslehrer streifen nach getaner Arbeit durch die Stadt und beobachten, wie es schlecht ums wahre Christentum bestellt ist. Bei barocken Prozessionen ekeln sie sich vor spritzendem Blut und verachten das „elende creutzschleppen“, dessen Zeugen sie werden. Einer der Frommen wird Jahre später im Atheismus eine denkbare Alternative sehen.

Stimmen aus den Archiven der Franckeschen Stiftungen in Halle und aus dem Rigsarkivet in Kopenhagen vereinen sich zu einer trümmerhaften Rekonstruktion der merkwürdigen Lebenswelten der Gesandtschaftsgemeinden und ihres Umfeldes.

Zur Person:

Stephan Steiner, Historiker, habilitiert an der Universität Wien, Professur an der Sigmund Freud PrivatUniversität, Leiter des Instituts für transkulturelle und historische Forschung.

Publikationen zur Gewaltgeschichte der Neuzeit. Ausführliches unter https://ptw.sfu.ac.at/de/die-fakultaet/institutezentren-der-fakultaet-psychotherapiewissenschaft/transkulturelle-historische-forschung/mitarbeiter_innen/

23. Jänner 2019 – Jour Fixe

Polona Vidmar (Brünn):

Auf den Spuren der Gemäldesammlungen der Grafen von Leslie

Moderation: Friedrich Polleroß

Zeit und Ort: 18:30 Uhr, Hörsaal 30, Hauptgebäude der Universität Wien (1010 Wien, Universitätsring 1)

Abstract:

Durch das Mitwirken an der Ermordung des kaiserlichen Generalissimus Albrecht Wallenstein 1634 legte der schottische Offizier Walter Leslie den Grundstein für seine Kariere am kaiserlichen Hof sowie für den Wohlstand der nächsten vier Generationen der Reichsgrafen von Leslie. Während seiner diplomatischen Tätigkeit knüpfte er Kontakte mit bedeutenden Kunstsammlern wie Thomas Howard Earl of Arundel und Basil Feilding Earl of Denbigh und verheiratete seinen Neffen mit einer der Töchter des Bauherrn, Kunstsammlers und Autors Karl Eusebius von Liechtenstein. Die Gemäldesammlungen der Grafen von Leslie in ihren Residenzen in Neustadt an der Mettau (Nové Město nad Metují) in Böhmen, Pettau (Ptuj) in Slowenien, Pernegg in der Steiermark sowie in ihrem Grazer Stadtpalais sind nach dem Aussterben der Familie 1802 durch die fürstliche und eine gräfliche Linie der Familie Dietrichstein vererbt worden. Während die Spuren der meisten Gemälde verloren gegangen und sie nur in den Nachlassinventaren nachweisbar sind, kann man den Transfer einiger Gemäldeserien, vor allem Porträts, im 19. Jahrhundert anhand verschiedener Dokumente gut verfolgen und sie in öffentlichen und privaten Sammlungen in Österreich, Böhmen und Slowenien sogar identifizieren.

Zur Person:

Polona Vidmar studierte Kunstgeschichte an der Universität Graz. Bis 2008 war sie Kuratorin für Kulturgeschichte im Regionalmuseum Ptuj-Ormož und ist seitdem an der Universität Maribor, seit 2012 als a.o. Professorin, tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Auftraggeber und Mäzene, Kunstsammlungen, Malerei des 17. Jahrhunderts und Skulptur um 1400. In Österreich erschienen ihre Bücher „Die Herren von Pettau als Bauherren und Mäzene“ (Graz 2006) und „Das Grabmal des ersten Herzogs der Steiermark. Zu Ikonographie, architektonischem Kontext und Rezeption des Otakar-Grabmals aus der ehemaligen Kartause Seitz (Žiče)“ (Graz 2014).

19. Dezember 2018 – Jour Fixe

Christoph Sonnlechner – Andreas Weigl (Wien):

Die Geschichte des frühneuzeitlichen Wien im Wien Geschichte Wiki. Ein Projekt des Wiener Stadt- und Landesarchivs

Moderation: Thomas Winkelbauer

Zeit und Ort: 18:30 Uhr, Hörsaal 30, Hauptgebäude der Universität Wien (1010 Wien, Universitätsring 1)

Abstract:

Das Wien Geschichte Wiki ist eine historische Online-Plattform des Wiener Stadt- und Landesarchivs und der Wienbibliothek im Rathaus auf Basis des sechsbändigen „Historischen Lexikon Wien“ von Felix Czeike, dessen Rechte erworben wurden. Es ist derzeit das größte semantische Stadtgeschichte-Wiki weltweit (rund: 40.000 Artikel). Aus nicht näher bekannten Gründen war die frühneuzeitliche Geschichte Wiens im Lexikon eher unterrepräsentiert, im Besonderen auch mit Bezug auf „Ereignisse“. Im Rahmen eines Schwerpunktprojekts wurden 2017 zahlreiche Beiträge zur frühneuzeitlichen Geschichte Wiens daher neu verfasst beziehungsweise aktualisiert. Über dieses Schwerpunktprojekt hinaus konnte in der Vernetzung mit anderen Wiki-Projekten (unter anderem: Kurzfassungen des Häuserlexikons der Inneren Stadt von Paul Harrer, Erfassung von Plänen aus der kartographischen Sammlung, vollständige Aufnahme des Historischen Atlas von Wien) ein interessantes Werkzeug für Frühneuzeit-Historiker/innen mit Schwerpunkt auf der Wiener Stadtgeschichte erarbeitet werden.

Zu den Personen:

Christoph Sonnlechner, 1972 in Wien geboren. Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Wien. 1995 Mag. phil., 1998 Dr. phil. Von 1993 bis 1995 besuchte er den 60. Ausbildungslehrgang am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, MAS 1995. Von 1995 bis 2005 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in mehreren interdisziplinären umwelthistorischen Projekten. 2002/2003 war er Erwin Schrödinger-Auslandsstipendiat des FWF an der University of California, Los Angeles. Seit 2005 ist er Mitarbeiter des Wiener Stadt- und Landesarchivs. Er baute das Wien Geschichte Wiki mit auf und leitet es von Seiten des Archivs seither.

Zuletzt erschienen: Ferdinand Opll – Heike Krause – Christoph Sonnlechner, Wien als Festungsstadt im 16. Jahrhundert. Zum kartografischen Werk der Mailänder Familie Angielini, Wien/Köln/Weimar 2017.

Univ.-Doz. MMag. Dr. Andreas Weigl, 1961 in Wien geboren. Studium der Geschichte und Wirtschaftsinformatik an der Universität Wien, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Wiener Stadt- und Landesarchiv, Dozent am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien und Vorsitzender des Österreichischen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung. Gastprofessuren an den Universitäten Wien und Innsbruck. Forschungsschwerpunkte: Bevölkerungs-, Stadt- und Konsumgeschichte, Geschichte des Bildungswesens, Sozialgeschichte der Medizin.

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Aktuelles & Termine

  • 19. Juni 2019 – Jour Fixe Dagmar Eichberger (Wien/Heidelberg) Reine Frauensache? Frühe Habsburgerinnen und ihre Sammlungen Moderation: Friedrich Polleroß Zeit und Ort: 18:30
  • 22. Mai 2019 – Jour Fixe Stefano Saracino (Erfurt/München) Griechisch-orthodoxe Almosenfahrer aus dem Osmanischen Reich im Heiligen Römischen Reich Moderation: Stephan

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