FRAUENKLUBS


Die Frauenklubs in der Provinz

Die Frauenklubs in Paris

Die Revolutionären Republikanerinnen

 

 

Die Frauenklubs in der Provinz

In vielen größeren Städten Frankreichs entstanden in den ersten Revolutionsjahren Frauenklubs, von denen ungefähr 30 über den Zeitraum von

1789 –1793 bekannt wurden. In den übrigen Städten besuchten die Frauen die gemischten Klubs. Zu den aktivsten Klubs zählten diejenigen von Bordeaux, Dijon, Lyon und Besançon. Die Frauen wollten mit ihren Klubs ihre Unterstützung der Revolution ausdrücken, wollten sich und ihre Familie in der revolutionären Ideologie fortbilden und waren in karitative Maßnahmen involviert. Diese Frauenklubs sind ein bisher wenig beachtetes Beispiel der politischen Bewußtseinsbildung und ein Zeugnis der Partizipation am politischen Leben ganz gewöhnlicher Frauen in der Provinz.

Die Frauenklubs besaßen eine Vereinsstruktur mit einer Präsidentin, Sekretärinnen und einem Versammlungsraum. Die aktiven Mitglieder überschritten kaum die Zahl 60, aber die Anzahl der Anhängerinnen belief sich zwischen 200-400, wobei der größte Klub in Bordeaux 1793 über 700 Mitglieder umfaßte.( 13) In den Jahren 1790-1791 gehörten die Mehrheit der Frauen dem Bürgertum an, später befanden sich auch Handwerkerinnen und Arbeiterinnen darunter. In den ersten Jahren der Revolution waren die Frauen in den Klubs hauptsächlich auf karitativen Gebiet tätig, eine Aufgabe die bis zur Säkularisierung der Kirche und Auflösung der Klöster von diesen Institutionen wahrgenommen worden war . So wurden Verwundete gepflegt und bedürftigen Frauen geholfen, aber auch patriotische Feste organisiert. Neben den Wohltätigkeitsaufgaben wurden auch politische Themen behandelt, die Lektüre der Menschenrechtserklärung gehörte ebenso dazu, wie die Dekrete der Nationalversammlung. Die Beziehungen zu den männlichen Jakobinerklubs waren anfänglich freundschaftlich, oft wurde die Klubgründung und Organisation durch die Männerklubs unterstützt.

 

Nach 1792 kam es zu einer Radikalisierung des politischen Lebens und die Frauen nahmen aktiver daran teil. Dieser Versuch, die revolutionären Ideale in ihren Leben zu verankern und auch in die privaten Haushalte zu transferieren, führte zur in Fragestellung der herkömmlichen Geschlechterrollen und bedrohte die Macht der männlichen Revolutionäre. Diese reagierten bestenfalls mit Spott und Häme, wenn nicht mit ärgeren Maßnahmen. Solange sich die Frauen auf eine dekorative Rolle bei revolutionären Festen und die patriotischen Mutterrolle beschränkten, waren sie bei der männlichen Öffentlichkeit akzeptiert, auch das Konzept der Wohltätigkeit paßte in das Bild der jakobinischen Weiblichkeit hinein.

Die Rolle der Frauenklubs wurde zunehmend öffentlicher und beeinflußte die lokale und nationale Politik. 1792 –1793 kämpften die Frauen um eine gerechte Preisbildung für Grundnahrungsmittel. Mit der Verfassung von 1793 wurde auch öffentliche Kritik an der ausbleibenden verfassungsmäßigen Beteiligung der Frauen in der Politik laut .Die Frauenklubs von Nancy, Le Mans und Beaumont drückten ihre Unzufriedenheit vor dem Konvent aus, daß ihnen das Recht zu wählen abgesprochen wurde.(14)Trotzdem spielte die Frage nach dem Wahlrecht keine zentrale Rolle bei den meisten Frauenklubs .

 

 

Die Frauenklubs in Paris

In Paris kam die erste Initiative einen Frauenklub zu gründen von der Holländerin Etta Palm d´Aelders. Sie gründete im März 1791 die Societé Patriotique et de Bienfaisance des Amies de la Verité, eine weibliche Sektion der bestehenden „Fédération des Amis de la Verité“. Etta Palm d´Aelders hatte den ehrgeizigen Plan, in jeder Pariser Sektion auch eine Frauensektion zu eröffnen und diese auch mit denen der Provinz zu vereinen. Ihre Aufforderungen an die 48 Pariser Sektionen jeweils zwei citoyennes –commissaires zu nominieren, blieb unbeachtet. Mit den Klubbeiträgen sollten karitative Projekte, wie die Ausbildung armer Mädchen unterstützt werden. Der Klub intervenierte mehrfach zugunsten des Scheidungsrechtes. Am 1.April 1792 zog Etta Palm d´Aelders an der Spitze einer Frauendelegation in die Nationalversammlung und forderte im Namen der Societé  vehement die gleichen politischen Rechte für Frauen.( 15) .Ihre Pläne scheiterten an der Indifferenz der übrigen Sektionen und ihr Klub fand keinen Anschluß an die revolutionäre Frauenbewegung. Nach etwas mehr als einem Jahr mußte der Klub geschlossen werden.(16)

 

1792

Nach der versuchten Flucht des Königs, der Schießerei auf dem Marsfeld und der Entwicklung der außenpolitischen Lage mit der Kriegserklärung an Österreich im April 1792 war die republikanische Idee immer stärker in den Vordergrund gerückt. Die Innenpolitik wurde zunehmend radikaler. Das Jahr war durch mehrfache Versuche der Frauen gekennzeichnet, ihre Bewaffnung offiziell genehmigen zu lassen. Das Recht Waffen zu tragen, war ein historisch gefestigtes Männerprivileg. Während der Revolution wurde es auch ein Privileg des (männlichen ) Bürgers. Robespierre hatte am 27.4.1791 festgestellt, daß die Bewaffnung zur Verteidigung des Vaterlandes das Recht jedes Citoyen wäre. Politisch engagiert Frauen hatten klar erkannt, daß das Recht Waffen zu tragen untrennbar mit den politischen Rechten verknüpft waren und so zu ihrer politischen Gleichberechtigung beitragen konnte. Frauen hatten sich auch schon 1789 bewaffnet, es war eine Frauenkompanie in Creil-sur-Oise entstanden, Frauen kämpften in der Nationalgarde, an den Aufständen am 20.Juni und 10.August 1792 waren immer wieder bewaffnete Frauen beteiligt. Wiederholt wurden diesbezüglich Petitionen in den Klubs verlesen, am 6.3.1792 trug Pauline Léon vor der Nationalversammlung eine von 319 Frauen unterschriebene Petition vor, in welcher das Recht auf Bewaffnung gefordert wurde. Noch radikaler war Théroigne de Méricourt die am 26 .3.1792 eine bewaffnete Frauentruppe forderte und an die Frauen in der Societé Fraternelle des Minimes mit den Worten appelierte:“Laßt uns unsere Ketten zerbrechen! Es ist schließlich an der Zeit, daß die Frauen aus ihrer schmählichen Nichtswürdigkeit heraustreten, in der die Ignoranz,der Stolz und die Ungerechtigkeit der Männer sie solange versklavt hielten.“ (17)

Die Forderungen zeigten keine Ergebnisse, nach dem Sturm auf die Tuillerien am 10.8.1792, der das Ende der Monarchie einleitete, wurde zwar das Zensuswahlrecht aufgehoben, wahlberechtigt waren aber nur Männer. Die Forderungen der Frauen erregten eher Heiterkeit bis Ablehnung.

Die Revolutionären Republikanerinnen

 Am 22.2 1793 hatte sich eine Gruppe von Frauen unter dem Namen“Versammlung der Republikanerinnen“ zusammengeschlossen, aus der dann am 10.5.1793 die Gesellschaft der „Revolutionären Republikanerinnen“ hervorging, zur Vorsitzenden wurde Pauline Léon gewählt. Zum ersten Mal organisierten sich hier Frauen aus dem Volk um ihre Interessen besser durchsetzen zu können. Die Mitglieder setzten sich aus folgenden Berufen zusammen: Handwerkerfrauen, Straßen-und Kleinhändlerinnen, Näherinnen, Wäscherinnen, Köchinnen .(18) Die Altersstruktur zeigte ein Überwiegen jüngerer Frauen sowie von Frauen über 60 Jahre, also von Frauen die weniger an häusliche Arbeit und Kinderversorgung gebunden waren.

Der Klub hatte eigene Statuten, in denen die verschiedenen gewählten Ämtern, die Dauer ihrer Ausübung sowie ihre Funktion (Präsidentin, Vizepräsidentin, 4Sekretärinnen,1 Kassiererin, 1 Archivistin )beschrieben und festgelegt wurden. Nach den Statuten vom 9.7.1793 wurde der Klub zu dem Zweck gegründet, um die Mitglieder in erster Linie zu bewaffnen und die Feinde der Revolution zu bekämpfen, aber auch um sich zu weiterzubilden, über die Verfassung und die Gesetze zu informieren und an öffentlichen Angelegenheiten teilzunehmen.( 19)

Durch die weiterhin bestehende prekäre Versorgungslage war der Wunsch nach einer Radikalisierung der revolutionären Politik aufgetaucht. Am 12.5.1793 forderten die Frauen im Jakobinerklub sofortige harte Maßnahmen gegen“Intriganten“,“Wucherer und Hamsterer“ , sowie Festpreise, Preiskontrollen, eine höhere Besteuerung der Reichen, und eine Bewaffnung der Frauen um die Feinde im Inneren zu bekämpfen.(20)

 

Die Klubmitglieder zeichneten sich durch ein selbstbewußtes Auftreten in der Öffentlichkeit aus, und waren auch in ihren Maßnahmen nicht zurückhaltend. So kam es im Mai 1793 wegen der knappen Tribünensitzplätze im Konvent zu einer Eskalation. Einige Tribünenplätze waren für priviligierte BürgerInnen besetzt, was die Revolutionären Republikanerinen dazu brachte, den Zugang zu blockieren und die Bürger mit Eintrittskarten zu bedrohen. Im Laufe dieser Auseinandersetzungen wurde auch Théroigne de Méricourt, die sich im Besitz einer Eintrittskarte zu den reservierten Plätzen befand, heftig verprügelt. Sie wurde außerdem verdächtigt, den Girondisten anzugehören.(21)

In den Zeitungen und Behördenberichten wurde die Mutmaßung geäußert, daß diese Frauen von den Jakobinern bezahlt würden, um Unruhe zu stiften. Den männlichen Beobachtern kam es unwahrscheinlich vor, daß Frauen selbstständig politisch agieren konnten.

So engagierten sich die Revolutionären Republikanerinnen im Kampf der Montagnards gegen die Girondisten, demonstrierten vor dem Konvent und feuerten die Männer an, sich am Aufstand zu beteiligen, was schließlich auch zum Sturz der Gironde führte.

Am 16.September 1793 wurden die Revolutionären Republikanerinnen erstmals im Klub der Jakobiner öffentlich angegriffen. Die Angriffe zentrierten sich auf die Person Claire Lacombes. Sie wurde als Intrigantin und Konterrevolutionärin beschimpft. Ihr Versuch sich zu rechtfertigen, ging im Tumult unter, zu dem auch die Frauen auf der Tribüne beitrugen, die sich gegen sie wandten.(22) Von da an sahen sich die Revolutionären Republikanerinnen in die Defensive und politische Isolation gedrängt und von allen Seiten attackiert. Auch in den eigene Reihen zeichnete sich Uneinigkeit ab. Nicht alle Mitglieder wollten Claire Lacombe auf ihrem Weg in die Opposition gegen Konvent und Jakobiner folgen.

 

 

Der Kockardenkrieg:

 

Die Revolutionären Republikanerinnen setzten sich seit Juni 1793 für die Kockardenpflicht aller Französinnen ein, wie es für Männer bereits seit April 1793 verpflichtend war. Sie erkannten darin einen wichtigen Schritt zur weiteren Einbindung aller Frauen in die Politik und zur Gleichstellung mit den Männern. Sie konnten ihre Forderung bei der Pariser Kommune zwar durchsetzen, aber auf Kosten einer allgemeinen Solidarität zwischen den verschiedenen Frauengruppen. Es zeigte sich eine tiefe Kluft zwischen den Revolutionären Republikanerinnen auf der einen Seite und Marktfrauen und Kleinhändlerinnen auf der anderen Seite, die in der Kockarde nur ein Synonym für die radikale Politik der Sansculotten im allgemeinen, und Handels-und Preisrestriktionen im besonderen sahen. Am 16.September wurde eine von den verschiedenen Klubs, darunter auch die Revolutionären Republikanerinnen, unterzeichnete Petition zur Einführung der weiblichen Kockardenpflicht dem Konvent vorgelegt. Da die Streitigkeiten zwischen verschiedenen Frauengruppen anhielten, wurde die allgemeine Kockardenpflicht am 21.September 1793 vom Konvent festgelegt. Es war nicht nur ein Sieg aller revolutionärer Frauen, sondern der gesamten revolutionären Volksbewegung.