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Französische Revolution und Religion

Von der Verfolgung zur Entchristianisierung

Impressum

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Überblick

Religiöse Situation vor 1789

Problem der Finanzen

Einschränkungen/Verfolgung:

Entchristianisierung:

Die Entwicklung bis 1801

Die Kirche des 19. Jh.

Literaturverzeichnis

 

Die Priesterehe

Zunächst wurden die Priester lediglich aufgefordert und ermuntert, dem Beispiel des Bischofs von Paris zu folgen, ihrem Beruf freiwillig abzuschwören und in den Stand der Ehe zu treten. Dieser Freiwilligkeit folgte in Wirklichkeit jedoch bald der Zwang. Man hinderte Geistliche daran, Gottesdienste abzuhalten und das Aufgeben des Priesteramtes wurde verpflichtend. Es begann eine Art "Jagd" auf die Priester. Man versuchte, ihnen jede Möglichkeit zu nehmen, ihr Amt auszuüben und brachte sie schließlich ins Gefängnis. (Guérin, 135)

Zwischen Priesterheirat und Entchristianisierung bestand nicht überall ein direkter Zusammenhang, bereits vor dem Einsetzen der Verfolgungen haben manche Geistliche geheiratet. Andererseits traten viele Priester in den Stand der Ehe, um den Forderungen der Revolutionäre zu entsprechen. Daher kann man auch darauf schließen, dass es sich bei den meisten Hochzeiten um keine Liebesheiraten handelte. Die verheirateten Priester waren in der Regel sehr jung, der Großteil war unter 42 Jahre, ein Viertel sogar unter 30 Jahre. (Bertaud, 79-80) Vermutlich handelte es sich dabei um Bekundungen ihrer patriotischen Gesinnung, aber viele dürften auch geheiratet haben, um dadurch der Einziehung zu den Truppen zu entgehen. Daneben gab es jedoch auch jene Priester, die sich wirklich zur Heirat gezwungen sahen, da ihnen vielleicht die Möglichkeit zur Flucht verwehrt war. (Bertaud, 80)

Von den rund 6.000 bis 7.000 Priestern heirateten einige ihre Hausangestellten, andere Nonnen, die meisten suchten sich ihre künftige Frau innerhalb der eigenen Verwandtschaft. Etwa 60 Prozent der verheirateten Priester setzten Kinder in die Welt. Dazu im Widerspruch steht die spätere Behauptung vieler Priester, eine keusche Ehe geführt zu haben. Dies lässt sich jedoch dadurch erklären, dass sie zu dieser Aussage mehr oder weniger gezwungen waren, wollten sie die Absolution erhalten und in das Priesteramt zurückkehren. (Bertaud, 81)