zurück zur Hauptseite

Französische Revolution und Religion

Von der Verfolgung zur Entchristianisierung

Impressum

Druckversion
 
Überblick

Religiöse Situation vor 1789

Problem der Finanzen

Einschränkungen/Verfolgung:

Entchristianisierung:

Die Entwicklung bis 1801

Die Kirche des 19. Jh.

Literaturverzeichnis

 

Die religiöse Situation vor 1789

Der Erste Stand, der Klerus, umfasste vor 1789 etwa 120.000 Personen und hatte gewichtige Vorrechte sowohl politischer, rechtlicher aber auch steuerlicher Art. Während die Geistlichkeit vor allem durch das Volk des Dritten Standes in Form von Pfründen und Abgaben erhalten wurde, war der Klerus selbst von der Besteuerung befreit. Es wurde lediglich neben den von geistlichen Einzelpersonen zu entrichtenden "Dezimen", eine freiwillige Abgabe, der so genannte "don gratuit" geleistet. (Soboul, 16) Die ökonomische Macht der Kirche beruhte auf dem Grundbesitz sowohl in der Stadt als auch auf dem Land und der Erhebung des Zehnten. Der Zehnt bestand aus dem Anteil der Ernte- und Vieherträge, den die Landbesitzer an den Zehntherren abgeben mussten. Dem Zehnt war jeder Boden unterworfen, sogar derjenige des Adels und der Krone. Durch Zehnt, Kirchen- und Klosterland verfügte der Klerus über einen beträchtlichen Teil der Ernte zum Verkauf.
Von den drei Ständen hatte nur jener der Geistlichen eine eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Alle fünf Jahre trat die Generalversammlung des Klerus zusammen, die sich mit Angelegenheiten der Religion und den Standesinteressen befasste und sie legte die Höhe des "don gratuit" fest.
Dem Klerus oblagen auch öffentliche Funktionen: die Führung von Zivilstandsregister (Tauf-, Heirats- und Bestattungsregister), die Armenpflege und das Unterrichtswesen.
Die Ordensgeistlichkeit, die im 17. Jahrhundert erheblich aufgeblüht war, erlebte am Ende des 18. Jahrhunderts einen moralischen Verfall. 1789 gab es in Frankreich fast tausend Klöster, die entweder Pfründnern unterstanden oder vom König willkürlich vergeben wurden. Teile der Ordensgeistlichen waren auch offen für kritische Ideen. Diese sollten später zum Teil den verfassungstreuen Klerus bilden und teilweise sogar unter den aktiven Revolutionären zu finden sein. (Markov/Soboul, 13)

Die Weltpriester waren getrennt in niederen und hohen Klerus. Der hohe Klerus rekrutierte sich fast ausschließlich aus Angehörigen des Adels, unter den im Jahre 1789 residierenden Bischöfen befand sich nicht ein Nichtadeliger. Der allergrößte Teil der Einkünfte des Ersten Standes ging an die Prälaten.
Der niedere Klerus, etwa 50.000 Pfarrer und Vikare, hatten dagegen oft mit ernsten materiellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie waren fast alle bürgerlicher Herkunft; sie kamen aus dem Volk, lebten mit ihm und teilten seine Meinungen und Bestrebungen. (Soboul, 18) Eine Denkschrift der Pfarrer aus dem Dauphiné von 1789 verknüpfte das Los des niederen Klerus mit dem des Dritten Standes.