zurück zur Hauptseite

Französische Revolution und Religion

Von der Verfolgung zur Entchristianisierung

Impressum

Druckversion
 
Überblick

Religiöse Situation vor 1789

Problem der Finanzen

Einschränkungen/Verfolgung:

Entchristianisierung:

Die Entwicklung bis 1801

Die Kirche des 19. Jh.

Literaturverzeichnis

 

Der französische Revolutionskalender

Am 5. Oktober 1793 beschloss der Nationalkonvent per Gesetz die Einführung des Revolutionskalenders. Der Beginn der Zeitrechnung wurde mit der Ausrufung der französischen Republik am 22. September 1792 festgelegt. Das Jahr begann am 22. September mit der Herbstnachtgleiche (autumn equinox) und wurde in 12 Monate mit jeweils 30 Tage geteilt. Die Monate erhielten vom französischen Dichter Fabre d´Eglantine poetische Namen, die sich auf die Charakteristik der jeweiligen Jahreszeit bezogen (Der Französische Revolutionskalender, 1).

Herbst
1. Vendémiaire Weinlesemonat
22.09.-21.10.
2. Brumaire Nebelmonat
22.10.-20.11.
3. Frimaire Reifmonat
21.11.-20.12.


Winter

4. Nivôse Schneemonat
21.12.-19.01.
5. Pluviôse Regenmonat
20.01.-18.02.
6. Ventôse Windmonat
19.02.-19.03.

Frühling

7. Germinal Keimmonat
20.03.-18.04.
8. Floréal Blütenmonat
19.04.-18.05.
9. Prairial Wiesenmonat
19.05.-17.06.

Sommer

10. Messidor Erntemonat
18.06.-17.07.
11. Thermidor Hitzemonat
18.07.-16.08.
12. Fructidor Fruchtmonat
17.08.-16.09.

(Die Französische Revolution und der Revolutionskalender, 1)

Am Ende des Jahres, vom 17. bis 21. September wurden fünf Ergänzungstage (Jours Sansculottides) angehängt - alle vier Jahre wurde ein zusätzlicher Tag hinzugefügt. Auch diese Tage erhielten Namen und galten als Feiertage:

1. Fête de la vertu (Fest der Tugend)
2. Fête du génie (Fest des Geistes)
3. Fête du travail (Fest der Arbeit)
4. Fête de l´opinion (Fest der Meinung)
5. Fête des récompenses (Fest der Belohnungen)
6. Fête de la révolution (Fest der Revolution/des Umsturzes)
(French Republican Calender, 2-3)

Anstelle der Einteilung in Wochen wurde jedes Monat in drei Dekaden mit jeweils zehn Tagen geteilt, welche die Namen: primidi, duodi, tridi, quartidi, quintidi, sextidi, septidi, octidi, nonidi, décadi erhielten.
Jeder zehnte Tag war ein Ruhetag und ersetzte somit den christlichen Sonntag. Es wurden überhaupt alle kirchlichen Feiertage abgeschafft und durch republikanische ersetzt. Diese Bürgerfeste wurden im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Mit Gesetz vom Brumaire, Jahr IV wurden sieben Nationalfeste eingeführt, wovon fünf von ihnen, moralische Fest waren. Zu den sieben Festen zählen Jugend (10. Germinal), Hochzeit (10. Floréal), Erkenntnis (10. Prairial), Landwirtschaft (10. Messidor), Freiheit (9. und 10. Thermidor), Lebensalter (10. Fructidor). Weiters wurden zusätzlich Feste zum Andenken an die wichtigsten Daten der Revolution eingeführt, unter anderem: Die Gründung der Republik (1. Vendémiaire/22. September), die Erstürmung der Bastille (14. Juli), der Sturz der Monarchie (10. August), die Hinrichtung des Königs (21. Jänner). (Kennedy, 350 und Ozouf, 120)
Auch die Einteilung in Stunden, Minuten und Sekunden wurde geändert. Ein Tag hatte zehn Stunden, jede Stunde 100 Minuten und jede Minute 100 Sekunden.

Gewohnheit und Religion waren die größten Feinde des neuen Kalenders. Vor allem die Konkurrenz von Sonntag und "décadi" führte zur vollständigen Verwirrung der Bürger, da man plötzlich am Sonntag arbeiten musste, am "décadi" jedoch zu ruhen hatte. Es gab zahlreiche Beschwerden der Kommunen über die Nichteinhaltung der "décadi", sogar der Konvent beschäftigte sich mehrmals mit diesem Problem. Die neuen Dekadenfeste konnten sich aber schließlich gegenüber dem Sonntag und den kirchlichen Feiertagen nicht durchsetzen.
Hinter dem Widerstand gegen die neue Monats- und Jahreseinteilung steckten aber nicht nur religiöse und traditionelle Motive sondern vermutlich auch soziale Gründe, da durch die Einführung der 10-Tage-Woche den Bürgern ein erhebliches Stück Freizeit genommen wurde, indem die Arbeitstage von sechs auf neun ausgedehnt wurden. (Maier, 286)

Am 31. März 1802 wurden die Dekaden wieder abgeschafft und die siebentägige Woche erneut eingeführt. Auch das dezimale Zeitsystem fand keinen Durchbruch - Uhren dafür gab es ohnehin kaum.
Durch ein Dekret Kaiser Napoleons vom 9. September1805 lief der französische Revolutionskalender mit 31. Dezember 1805 aus. Der Kalender war somit 13 Jahre, vom 24. Oktober1793 bis 31. Dezember 1805 in Verwendung - ein Versuch ihn 1871 wieder einzuführen misslang. (FRK - Langzeit Kalender Verlag, 2)

Umrechnung von Kalenderangaben