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Französische Revolution und Religion

Von der Verfolgung zur Entchristianisierung

Impressum

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Überblick

Religiöse Situation vor 1789

Problem der Finanzen

Einschränkungen/Verfolgung:

Entchristianisierung:

Die Entwicklung bis 1801

Die Kirche des 19. Jh.

Literaturverzeichnis

 

Die Entstehung von Revolutionskulten

Seit 1790 hatte sich nach und nach ein Revolutionskult entwickelt, für den das Föderationsfest in Paris am 14. Juli 1790 eine erste große Kundgebung war. Getragen wurden diese Verbrüderungsfeste von den neu gebildeten Nationalgarden, die in den Provinzen und in Paris Tausende von Menschen in großen Versammlungen und Aufmärschen zusammenführten. Man schwor Eintracht und Brüderlichkeit. Bei den Revolutionsfesten durften zunächst Priester, ein Altar, ein Hochamt, eine Prozession nicht fehlen. Den Höhepunkt des Festes bildete eine Messe unter freiem Himmel. Es handelte sich dabei jedoch nicht um rein religiöse Feste; der Eid fand außerhalb des Gottesdienstes statt und auch Lutheraner und Calviner nahmen daran teil. (Maier, 271)

In die zu Beginn noch spontanen Feste, griffen die Behörden später regulierend und planend ein. Rousseau, David und Quatremère de Quincy trugen wesentlich zur Gestaltung der Feste bei. Sie sollten weniger auf Christus und den König als auf die Revolution und ihre "großen Männer" ausgerichtet sein. Praktisch wurde die neue Religion bei Bürgerfesten, Gedenkfeiern und Beerdigung, wie jener von Mirabeau ausgeübt. Auch die folgenden nationalen Feste bis zum Ende der Nationalversammlung hielten sich im Rahmen kirchlicher Festtradition.

Das Fest der Einheit und Unteilbarkeit der Republik am 10. August 1793 war das erste Fest ohne Teilnahme des Klerus. In der selben Zeit entwickelte sich auch ein volkstümlicher Andachtskult um die Märtyrer der Freiheit: Lepeletier, Chalier und vor allem Marat. (Soboul, 310-311) Dabei wurden revolutionäre Personen gegen den nutzlosen Widerstand der Kirche sakralisiert. Der Kult um den am 13. Juli 1793 ermordeten Marat verbreitete sich rasch im ganzen Land; es wurden Altäre errichtet, Prozessionen abgehalten. An sämtlichen Versammlungsorten wurden Büsten von ihm aufgestellt und zu seinem Gedächtnis wurde am 18. August ein Trauerzug zur Kirche Bonne-Nouvelle veranstaltet. Der Tote wurde wie ein Märtyrer, wie ein Heiliger verehrt. (Maier, 284) Man war der Auffassung, dass ein Märtyrer im Jenseits die Macht eines Heiligen besitzt und sein Geist so jedem Menschen auf Erden, der ihn um Hilfe bitte, beistehen könne. (Bertaud, 88)
Der Kult um Marat beunruhigte vor allem jene Zeitgenossen, die für eine völlige Entchristianisierung eintraten. Aber auch Robespierre und seine Freunde störten sich bald an dieser Verehrung. Zunächst jedoch bereitete ein anderer Kult Robespierre viel mehr Sorge, nämlich der Kult der Vernunft.

Bild Föderationsfest