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Französische Revolution und Religion

Von der Verfolgung zur Entchristianisierung

Impressum

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Überblick

Religiöse Situation vor 1789

Problem der Finanzen

Einschränkungen/Verfolgung:

Entchristianisierung:

Die Entwicklung bis 1801

Die Kirche des 19. Jh.

Literaturverzeichnis

 

Die Entwicklung nach dem Sturz Robespierres bis 1801

Nach dem Sturz Robespierres im Thermidor beschloss der Nationalkonvent am 18. September 1794 ab sofort keinen Kult mehr zu fördern und strich den Haushalt für die auf die Verfassung vereidigte Geistlichkeit. Damit war die Trennung von Kirche und Staat in die Tat umgesetzt worden und auch die Zivilverfassung des Klerus im Grunde aufgehoben. Die Maßnahmen gegen die eidverweigernden Priester blieben jedoch weiterhin in Kraft und auch die Kirchen blieben geschlossen. (Soboul, 545)
Der viel zu intellektuelle Bürgerkult konnte die Massen nicht mehr begeistern; viele Franzosen trauerten den alten religiösen Zeremonien nach und forderten schließlich die Wiedereröffnung der Kirchen. Die konstitutionellen Priester bauten indessen ihren Kult nach und nach wieder auf und hielten heimlich sogenannte "blinde Messen" ab. Am 21. Februar 1795 beschloss der Konvent, dass die Republik keine Gehälter an Vertreter jeglicher Religion zahle und auch die Kirchen sollten geschlossen bleiben. Das Gesetz anerkannte keinen Geistlichen, jede öffentliche Manifestation und alle äußeren Zeichen waren verboten, aber es erklärte auch, dass die Ausübung keiner Religion gestört werden sollte. (Catholic Encyclopedia, 11)
Mit Gesetz vom 30. Mai 1795 gestattete der Konvent den einzelnen Religionen die freie Benützung religiöser Gebäude, soweit diese nicht für andere Zwecke verwendet wurden. Das Dekret vom 29. September 1795 verlangte von den Priestern den Schwur "der Unterordnung und des Gehorsams gegenüber den Gesetzen der Republik". (Soboul, 545-546) Gegen den eidverweigernden Priestern hielt der Konvent an den Gesetzen von 1792 und 1793 fest.
Während der Herrschaft des Direktoriums kam es abermals zu einer, allerdings nicht so scharfen Verfolgung der Kirche aus politischen Gründen. So wurde zum Beispiel mit Gesetz vom 11. April 1796 der Gebrauch von Glocken und alle Arten von kirchlichen Versammlungen zur Ausübung der Religion verboten und mit einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und im Falle der Wiederholung, mit der Deportierung belegt. (Catholic Encyclopedia, 12)
Am 9. Jänner 1797 wurde eine neue Vernunftreligion, die Theophilanthropie, eingeführt, die jedoch ohne große Wirkung blieb.

Nachdem Napoleon Bonaparte am 9. November 1799 das Direktorium stürzte, versuchte er das Land im Inneren zu befrieden. Im Jahre 1801 schloss er mit Papst Pius VII. das Konkordat, in dem er den Katholizismus als die Religion der Mehrheit der Franzosen bestätigte, verweigerte ihm jedoch den Rang einer Staatsreligion. Durch die im April 1802 verabschiedeten "Articles organiques" ordnete er die Kirche eng dem Staat unter. Die Trennung von Kirche und Staat verschwand damit für ein Jahrhundert; der Staat selbst blieb jedoch weltlich. (Soboul, 546)
Die Revolution ließ schlussendlich eine vielfach veränderte Kirche zurück, Einfluss und Ansehen der katholischen Kirche waren gesunken und die Zahl der Geistlichen aber auch der Gläubigen war drastisch und dauerhaft geschrumpft.