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Französische Revolution und Religion

Von der Verfolgung zur Entchristianisierung

Impressum

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Überblick

Religiöse Situation vor 1789

Problem der Finanzen

Einschränkungen/Verfolgung:

Entchristianisierung:

Die Entwicklung bis 1801

Die Kirche des 19. Jh.

Literaturverzeichnis

 

Die Zivilverfassung des Klerus

Nachdem die Ordensgeistlichkeit am 13. Februar 1790 abgeschafft wurde, widmete man sich der Neuordnung der Weltgeistlichkeit. Der Plan zur Neuorganisation des Klerus wurde am 22. Mai 1790 auf die Tagesordnung der Nationalversammlung gesetzt. Die darauf folgende Debatte zog sich mit Unterbrechungen bis zum 12. Juni hin. (Erdmann, 199).
Die Zivilverfassung bestand aus vier Hauptstücken, die sich mit den kirchlichen Ämtern, der Ernennung zu den kirchlichen Ämtern, der Besoldung des Klerus und dem Gesetz der Ortsgebundenheit des Klerus befasste. Den äußeren Rahmen für die neue Kirchenorganisation bildeten die Verwaltungsbezirke - die territoriale Gliederung der französischen Kirche wurde der soeben durchgeführten Departementseinteilung angeglichen. Umfang und Grenzen der Diözesen sollten dieselben sein wie die der Departements, in jedem Departement wurde ein Bistum errichtet. Das bedeutete eine Verringerung der Zahl der Bistümer von 139 auf 83. (Erdmann, 199) In Zusammenarbeit mit den Distriktsverwaltungen sollten die Bischöfe die Aufgliederung der Diözesen in Pfarreien in der Art regeln, dass etwa 6000 Seelen eine Pfarrei bildeten. (Erdmann, 200).
Bischöfe und Pfarrer sollten wie andere Beamte auch gewählt werden: Bischöfe von der Wählerversammlung der Departements bestehend aus Priestern und Laien und die Pfarrer von jener des Distrikts. Nur die Vikare sollten durch den Pfarrer bzw. die Kathedralvikare durch den Bischof ernannt werden. Der Bischof selbst hatte drei Aufgaben zu erfüllen: er sollte Pfarrer seiner Kathedralkirche sein, die Ausbildung des Priesternachwuchses beaufsichtigen und die Diözese leiten. (Erdmann, 201) Die Domkapitel wurden abgeschafft, an ihre Stelle traten Episkopalräte, die an der Verwaltung der Diözesen beteiligt waren und somit den Bischöfen zur Seite stehen sollten. (Soboul, 172).
In einem dritten Punkt der Zivilverfassung, ging es um die Besoldung des Klerus, in dem die Gehälter für die verschiedenen kirchlichen Ämter festgesetzt wurden. Obwohl die Einkünfte des hohen Klerus herabgesetzt und jene der Vikare verbessert wurden, blieb dennoch eine erhebliche Spanne zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Gehalt. Während der Erzbischof von Paris ein Jahresgehalt von etwa 50.000 Livres bezog, erhielt ein Pfarrer einer Dorfpfarre unter 2000 Seelen ein Minimalgehalt von 1200 Livres. Ein Dorfvikar musste sich dagegen mit 700 Livres begnügen. (Erdmann, 207)
Das letzte Hauptstück der Zivilverfassung regelte die Aufenthaltspflicht des Klerus. Jeder Priester vom Vikar bis zum Bischof wurde durch strenge Vorschriften an den Ort seiner Tätigkeit gebunden.
Die Zivilkonstitution griff ganz erheblich in die Struktur der Kirche ein und die Kirche Frankreichs entwickelte sich so zu einer Nationalkirche. Die Bindung zum Papst in Rom wurde jedoch gelockert. Die päpstlichen Rundschreiben wurden von der Regierung zensuriert und die Annaten (Abgaben an die päpstliche Schatzkammer) eingestellt. Dem Papst wurde zwar die Stellung als "sichtbares Haupt der universalen Kirche" zugebilligt (Erdmann, 215), jedoch wurde ihm jegliche Gerichtsbarkeit entzogen.

Am 12. Juli 1790 wurde die "Constitution civile du clergé", ohne dass sich der Klerus an der Debatte beteiligt hatte, verabschiedet und am 24. August veröffentlicht. (Erdmann, 238)

Zivilverfassung