Artillerie

Zu Beginn der Revolutionskriege war die Artilleriewaffe der meisten Nationen mit einem Gemisch aus 3-, 6- und 12-pfünder Geschützen ausgerüstet. Eine Ausnahme bildeten nur Frankreich, Spanien und Bayern. Diese Länder hatten ein standardisiertes System mit 4-, 8- und 12-pfünder Geschützen.

Der französische Standard geht auf die Reorganisation durch Jean Baptiste Gribeauval zurück, welcher ab 1776 Generalinspektor der Artillerie war. Er hatte sein Handwerk bei der österreichischen Artillerie gelernt, bei der er von 1756 bis 1762 diente. Seine Stellung innerhalb der französischen Armee gab ihm die Gelegenheit seine dort gemachten Erfahrungen und die von ihm zusätzlich erdachten genialen Verbesserungen noch vor Beginn der Revolutionskriege durchzusetzen. Durch die Maßnahmen die er bis zu seinem Tode im Jahre 1789 umsetzen konnte, wurde die französische Artillerie zu einer sehr effektiven Waffe, die einen großen Anteil an den französischen Erfolgen hatte.

Die Änderungen die Gribeauval in der französischen Artillerie durchsetzte waren unter anderem folgende (Terence Wise, S. 4):

  • Er bildete 4 Klassen von Artillerie, Feld-, Belagerungs-, Festungs-, und Küstenartillerie. Je nach Kaliber wurden die Geschütze in die einzelnen Gruppen eingeteilt und, um eine hohe Beweglichkeit der Feldartillerie zu gewährleisten, wurden alle Geschütze größer als 12-pfünder, den 3 letzteren Gruppen zugeteilt.
  • Er setzte durch, daß in der Geschützproduktion der Spielraum zwischen Kugel und Rohr, der vorher 1-2cm betrug, erheblich reduziert wurde. Dadurch war die notwendige Pulverladung erheblich kleiner was wiederum dünnere Kanonenrohre erlaubte, da der Explosionsdruck geringer war. Die leichteren Rohre erlaubten leichtere Lafetten und so wurde die französische Artillerie merklich mobiler. Ein 12-Pfündergeschütz nach dem System Gribeauval wog nur etwa halb soviel wie ein vergleichbares Geschütz vor der Umstellung.
  • Eine der wichtigsten Neuerungen war die Standardisierung des gesamten rollenden Materials der Artillerie (James Burback, The War Times Journal). Die neuen Lafetten waren so konstruiert, daß sie Rohre unterschiedlicher Kaliber und sogar das Rohr der 6-Zoll Haubitze aufnehmen konnten. Die Räder und Achsen der Lafetten, Protzen, Munitionswagen und anderer Fahrzeuge der französischen Artillerie wurden vereinheitlicht, so daß sie untereinander austauschbar waren. Damit konnten z.B. Geschütze, die aufgrund eines gebrochenen Rades kampfuntauglich wurden, mit den Rädern leerer Munitionswagen wieder repariert werden.
  • Die neuen Protzen der französischen Geschütze waren kleiner konstruiert. Dazu wurde die üblicherweise auf der Protze mittransportierte Bereitschaftsmunition abgeschafft und durch einen kleinen Munitionsvorrat in einer eisenbeschlagenen Kiste, die am Lafettenschwanz transportiert wurde, ersetzt. Gleichzeitig wurden die Räder der Protze vergrößert, was eine größere Geländegängigkeit mit sich brachte (James Burback, The War Times Journal).
  • Gribeauval führte auch Caissons genannte Munitionswagen ein, in welchen die bereits vorgefertigte Munition transportiert wurde. Diese waren etwa 3,5 bis 4 m lang, trugen neben der Munition auch noch verschiedene Werkzeuge und oft auch ein Reserverad. Die Vorderräder der Caissons entsprachen den Protzenrädern und die Hinterräder konnten als Ersatz für beschädigte Lafettenräder verwendet werden. Neben diesen Munitionswagen gab es auch 2- und 4-rädrige, ebenso standardisierte, Feldschmieden.

Diese, von Gribeauval während seiner Dienstzeit bei der Artillerie ersonnenen Neuerungen waren so erfolgreich, daß sie in den darauffolgenden Jahren von vielen anderen Nationen kopiert wurden.

Die standardisierten Kaliber der französischen Feldartillerie umfaßten 4-, 8-, und 12-pfünder-Kanonen sowie 6-Zoll Haubitzen, wobei die leichteren Geschütze v.a. bei der berittenen Artillerie eingesetzt wurden und die 12-pfünder v.a. bei der Korpsartillerie zusammengefaßt waren.

Ab 1804 ist die französische Linienartillerie zu Fuß in 8 Regimentern zu je 22 Kompanien organisiert. Pro Linienartillerie-Kompanie waren 6 Stück 8-Pfünderkanonen und 2 6“-Haubitzen im Einsatz. Die berittene Linienartillerie umfaßte ab 1804 weitere 6 Regimenter (Terence Wise, S. 34).


Küraß
Ein Beispiel für die verheerende Wirkung,
das Artilleriefeuer haben konnte.
Der von einer Vollkugel glatt durchschlagene Küraß
des Carabiniers Antoine Faveau,
der bei Waterloo fiel.
Quelle im WWW