Abschlußbericht von Katharina Scheyerer:

Kommunikation zwischen Widerstandsgruppen - am Beispiel Österreichs
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Ich möchte die Kommunikation innerhalb von Widerstandsgruppen und deren Verbindungen zu anderen Gruppierungen, auch im Ausland beleuchten. Dabei gehe ich von der These aus, dass Unterschiede zwischen dem bürgerlichen und dem sozialistisch-kommunistischen Lager bestehen. Außerdem möchte ich bei meiner Arbeit den zeitlichen Ablauf mit einbeziehen, da gerade gegen Ende des Krieges die Widerstandstätigkeit verstärkt wurde. Daher möchte ich einerseits die Entwicklungen bis 1940/41 beleuchten und die letzten Kriegsjahre getrennt behandeln. Zunächst aber eine kurze Auflistung der wichtigsten (und größten) Widerstandsgruppen in Österreich:
 

Widerstandsgruppen im bürgerlichen Lager:

Widerstandsgruppen im sozialistischen Lager: Partisanengruppen: Gruppe O5: gegründet von Dr. Hans Becker
 

Anhand einer Gegenüberstellung werde ich folgende Problemstellungen anreißen:
 

A) Widerstand 1938-1940

1) Kommunikation innerhalb der Gruppe:

Wie wurden Treffen organisiert? Wie wurden Mitglieder rekrutiert? Die meisten Widerstandsgruppen verfügten über einen Versammlungsplatz, hielten Schulungen ab, standen in Briefkontakt, ... Die Frage, die sich aufdrängt, ist, wie umgingen sie die Zensurbestimmungen? Und wie wichtig waren dabei persönliche Kontakte?

Sowohl die kommunistische Partei, die seit 1933 verboten war, als auch die Sozialdemokratie, die ein Jahr darauf in die Illegalität gedrängt worden war, hatten gegenüber den katholisch-bürgerlichen Widerstandsgruppen einen gewissen Vorteil, weil sie zur Zeit des Anschlusses bereits im Untergrund agierten, während die anderen sich erst formieren und organisieren mussten. Speziell der Aufbau der kommunistischen Partei war deshalb in Österreich flächdeckend (zumindest aber in allen größeren Städten) mit einem zentralistischen Führungskader in Wien. Die Verhaftungswelle der ersten Wochen nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich konnte sehr gut verkraftet werden. Von Prag aus, wo sich das Zentralkommitee der KPÖ befand, wurde mit dem intensiven Wiederaufbau des Untergrundnetzes begonnen. Maßgeblich beteiligt waren in dieser frühen Phase Willy Frank (1), der im April/Mai ‘38 die ersten Fäden knüpfte, Karl Zwifelhofer, der von Juni bis September den Wiederaufbau koordinierte, und Bruno Dubber (2), der ab dem Sommer von Baden b. Wien aus den weiteren Aufbau leitete.

Interessant ist der Umstand, dass die Gründer der Österreichischen Freiheitsbewegung vor dem Anschluss illegale Nationalsozialisten waren. Roman Karl Scholz organisierte in seinem Chorherrnstift Klosterneuburg zunächst eine illegale nationalsozialistische Zelle und hätte ohne Probleme Parteimitglied werden können. Sein Gesinnungswandel trat erst relativ spät, also 1938 nach dem Besuch eines Parteitags der NSDAP, ein. Ab diesem Zeitpunkt erkannte er die Gefahr des Nationalsozialismus und gründete noch im Herbst desselben Jahres seine Widerstandsgruppe, die ebenso wie die KPÖ hierachisch organisiert war: eine kleine Leitung war quasi das Dach der Gruppe, jeweils ein Führer war für die Hundertschaft zuständig, die sich in Reihen zu 10 Leuten und diese wiederum in Dreischaften mit einem Leiter gliederten. Daneben existierte noch eine Frauengruppe.

Die anderen bürgerlichen Widerstandsgruppen waren ähnlich organisiert. Die kleinste Einheit der Großösterreichischen Freiheitsbewegung von Dr. Jakob Kastelic bestand aus einer Zelle, mehrere Zellen bildeten eine Gruppe, die wiederum in Landesgruppen zusammengefasst waren. Die Landesgruppe Wien und Niederösterreich leitete das Exekutivkommitee (3) in Wien rund um Kastelic. Für die Leitung der oberösterreichischen Landesgruppe beauftragte er den Zisterzienserpater Dr. Florian Rath.

Dr. Karl Lederers Österreichische Freiheitsbewegung bestand ebenfalls aus einer obersten Leitung von vier Personen. Jeder dieser Hauptleiter unterstanden 10 Gruppenleiter, unter diesen waren zuerst Unterführer, dann Leutnants und schließlich Mitglieder dritten und vierten Ranges vertreten.

Eine Ausnahme bildeten die Sozialisten. Eine zentrale Parteiorganisation konnte sich – im Gegensatz zur KPÖ – aufgrund der Verhaftungen von 1938/39 und der Emigration vieler jüdischer Parteifunktionäre nicht lange halten. So entstanden lose, voneinander isolierte Gesinnungsgemeinschaften, die sich um charismatische Funktionäre scharten.

Die persönlichen Kontakte waren äußerst wichtig, wurden jedoch in allen Widerstandsbewegungen sehr gering gehalten. D.h. ein "gemeiner Mann/ eine gemeine Frau" kannte nur jeweils die Personen des eigenen Aktionsradius’, nicht aber die gesamte Gruppe, geschweige denn alle Mitglieder der Leitung. So sollte im Falle einer Entdeckung bzw. eines Verrats der Aushebung der gesamten Gruppe vorgebeugt werden. Denn wie Glum Friedrich sagt: "Man kann geradezu von einer Ära der Denunziationen sprechen."

In autobiographischen Berichten von Widerstandskämpfern, wie beispielsweise Antonia Bruhas "Ich war keine Heldin", wird der Stellenwert von persönlichen Kontakten deutlich ersichtlich. Bruha war eine Sozialistin, wurde aufgrund ihrer Widerstandstätigkeit inhaftiert, überlebte aber das Konzentrationslager und arbeitete nach dem Krieg im DÖW. In ihrem Buch berichtet sie von ihrer Lebens- und Leidensgeschichte und gibt einen guten Einblick in die Arbeitsweise ihrer Gruppe. Als typisch sozialdemokratische Widerstandsgruppe handelt es sich um eine Handvoll engagierter Leute, die sich um einen führenden Kopf gruppierten. Treffen tarnten sie u.a. als Spaziergänge, in denen sie den weiteren organisatorischen Ablauf besprachen. Dieses Charakteristikum tritt auch bei anderen Widerstandsgruppen auf und spiegelt gleichzeitig die Notwendigkeit von persönlichen Kontakten als auch das Vermeiden von schriftlichen Darlegungen wider. Dieser Umstand erschwert die Erforschung von Widerstandsgruppen eheblich, oftmals ist man lediglich auf Gestapo-Akten angewiesen, die zwar akribisch die gesamte Gruppe erfassen, aber natürlich interessensgeleitet sind.

Eide spielten in manchen Widerstandsgruppen wie der Österreichischen Freiheitsbewegung von Roman Karl Scholz sowie der ÖF von Dr. Karl Lederer eine große Rolle, um die Mitglieder stärker an die Bewegung zu binden und zur Geheimhaltung zu verpflichten:

"Ich schwöre meinen heiligsten Eid, der alle anderen Eide bricht, dass ich der Sache der Österreichischen Freiheitsbewegung mit dem Einsatz aller meiner Kräfte dienen, ihrer Führung unbedingten Gehorsam leisten und ihr Geheimnis jederzeit und von jederman wahren werde. Gott ist der Zeuge und Rächer meines Eides." (Eid der Roman-Scholz-Gruppe)
In Anlehnung daran verlangte Dr. Lederer von den Mitgliedern seiner Bewegung ebenfalls einen ähnlichen Eid:
"Ich schwöre einen heiligen Eid, dass ich die Österreichische Freiheitsbewegung nach meinen besten Kräften fördern, ihren Vorgesetzten Gehorsam leisten und ihr Geheimnis gegen jederman wahren werde. Gott ist Zeuge und Rächer meines Eides."
Mitgliederbeiträge zur Deckung der laufenden Kosten (Hilfe von Verfolgten, Druckkosten,...) waren üblich. Sie betrugen 50 RPF bzw. 1 RM bei der Großösterreichischen Freiheitsbewegung und 1% des jeweiligen Einkommens der Mitglieder bei der ÖFB und der ÖF. Dafür erhielten alle Widerstandskämpfer der Gruppe Mitgliedsausweise, die teils in das Revers der Jacken eingenäht wurden (siehe ÖF) oder als Heiligenbilder getarnt waren (siehe GÖF).

Die Stellung der Frauen innerhalb der Widerstandsgruppen war unterschiedlich belegt. Weisen die bürgerlichen Widerstandsgruppen kaum Frauen auf, so haben sie in sozialistischen und kommunistischen Gruppierungen einen fixen Platz im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Die Frauengruppe der ÖFB ist daher eher die Ausnahme, weder in der Großösterreichischen Freiheitsbewegung noch in der ÖF sind Frauen belegt.
 

2) Verbindungen nach außen:

Welche Verbindungen bestanden außerhalb der Gruppe? Die Österreichische Freiheitsbewegung, besser bekannt unter Roman-Karl-Scholz-Gruppe, verfügte beispielsweise über Kontaktleute in England, vermutlich zu Mitgliedern der Konservativen Partei. Rudolf Strasser trat in Budapest mit der französischen Gesandtschaft in Kontakt, um sie für die Idee der ÖFB zu begeistern, durch Glaser (4) wurde über Pressburg eine Verbindung mit der UdSSR hergestellt, der ehem. österreichische Offizier Franz Pollak fuhr im Auftrag Scholz’ nach Jugoslawien, um mit der französischen Gesandtschaft in Verbindung zu treten, und Arthur Preuß suchte eine Verbindung zu der slowakischen Untergrundbewegung. Auch wollte Preuß mit dem Jagdflugzeug nach England fliegen, um Scholz’ dortige Kontakte zu intensivieren – ein Vorhaben, das er allerdings nicht mehr realisieren konnte. Die anderen bürgerlichen Widerstandsbewegungen beschränkten ihre Kontakte eher aufs Inland.

Im Frühjahr 1940 knüpften Verbindungsmänner der drei Wiener Widerstandsgruppen ÖFB, GÖFB und ÖKB Kontakte untereinander. Ziel: Zusammenschluss bis Ende Juli, um erfolgreicher vorgehen zu können. Eine große Rolle bei der Vermittlung spielte Günther Loch. Er kam aus der Zentrumspartei in Oberschlesien, musste 1934 seine Heimat verlassen und emigrierte in die CSR. 1935 kam er nach Österreich, wo er als Journalist arbeitete. Ab 1938 lebte er als U-Boot in Wien, weil er auf der Fahndungsliste der Nationalsozialisten stand.

Zum Zusammenschluss der Widerstandsgruppen kam es allerdings nicht. Einer der Funktionäre der Österreichischen Freiheitsbewegung, der Burgschauspieler Otto Hartmann, erstattete am 17. Juni 1940 gegen sich selbst und die Gruppe Anzeige und schleuste einen Gestapo-Spitzel ein. Am 22. Juli wurde als erster Roman Karl Scholz verhaftet. Es folgte eine Verhaftungswelle, alle führenden Funktionäre werden hingerichtet. (Hier zeigte sich die sehr schön die "Kontaktarmut" innerhalb der Widerstandsgruppe. Otto Hartmann kannte, obwohl er einer der Funktionäre war, nicht alle Personen. Viele hatte er nur einmal gesehen, konnte daher auch ihre Namen nicht richtig wiedergeben oder nur unvollständig.)

Antifaschistische (= sozialistisch/kommunistische) Gruppen standen in engem Kontakt zu anderen Arbeiterbewegungen, speziell zu aus Moskau kommenden Spitzenfunktionären, die Mitglieder der "Gruppe Soldatenrat" waren u.a. Offiziere der Wehrmacht. Prinzipiell blieb der Einfluss der KPÖ auf die Arbeiterschaft beschränkt, auch wenn sie im Widerstand gegen den Nationalsozialismus regen Zustrom erhielt. Etwa 85% der kommunistischen Widerstandskämpfer kamen ursprünglich aus dem sozialdemokratischen Lager, sind aber ab 1934 zur KPÖ übergewechselt. 1938 fand in der Steiermark ein Versuch statt, die KP und RS (Revolutionäre Sozialisten) zu vereinigen, um gemeinsam gegen das nationalsozialistische Regime vorgehen zu können. Der 1938 auf dem Weltjugendkongress für den Frieden (5) beschlossene "Vassar-Pakt" wurde von den österreichischen Jungkommunisten als Aufforderung zum Zusammengehen mit den Sozialisten aufgefasst. Die Entwicklung der beiden Parteien verlief nach der österreichischen Annexion aber grundsätzlich verschieden: Die Kommunisten konnten sich von der ersten Verhaftungswelle viel besser erholen und ihre flächendeckende Organisation wiederherstellen. Das zu der Zeit noch in Prag ansässige Zentralkomitee (6) bestimmte die politische Linie der KPÖ mit der Resolution vom August 1938 "Der Kampf für die Befreiung Österreichs von der Fremdherrschaft". Gleichzeitig wurde aber auch die Forderung nach einer "Einheit der revolutionären Kräfte des Proletariats" laut. Vor allem in den Jugendorganisationen klappte die Zusammenarbeit gut (7). Der steirische Plattformentwurf vom Sommer ‘38 stellte dementsprechend einen Kompromiss zwischen KP und RS dar, der die ideologischen Gegensätze überwinden und die Zusammenarbeit erleichtern sollte.

Ab 1942 formierten sich in verschiedenen Gebirgsgegenden Partisanen, die eng mit der KPÖ zusammenarbeiteten bzw. aus kommunistischen Widerstandskämpfern bestanden. Mit den Tito-Partisanen bestand durch die Kärntner Slowenen ebenfalls eine enge Verbindung, die KPÖ trug wesentlich zur Bildung österreichischer Freiheitsbataillone im Rahmen der jugoslawischen Volksarmee bei. Im Spätsommer und Herbst 1944 schickte Moskau 35 Funktionäre nach Jugoslawien, um diesen Partisanenkampf zu unterstützen.

Zwischen den bürgerlichen Widerstandsgruppen und den sozialistischen/ kommunistischen bestanden allerdings keine näheren Verbindungen. Der Gedanke eines gesamtösterreichischen Widerstandes scheiterte wohl an den ideologischen Gegensätzen, die für die beiden Lager schier unüberwindlich schienen. Beide hielten sich lieber an gleichgesinnte, ausländische Verbündete anstatt eine Verbindung zum anderen Lager im eigenen Land (sprich Österreich) zu suchen.

Auch im Exil verhinderte die Uneinigkeit der politischen Gruppierungen ein gemeinsames Vorgehen und infolge dessen auch eine weitreichendere Unterstützung.

Schuschnigg Heinrich: "Wahrscheinlich gab es keinen von Hitler okkupierten Staat, dessen politische Elite im Exil derart uneinig war, wie Österreich. Und dies ist wieder die Folge von mangelndem Nationalbewusstsein. Die einzigen ernsthaften Versuche zur Bildung von österreichischen Exilregierungen in der Zeit der deutschen Okkupation wurden in Frankreich, England und in Amerika von Mitgliedern des Hauses Habsburg, von Legitimisten und von Landmannschaften unternommen."
 

3) Ziele der Gruppe:

Alle Widerstandsgruppen hatten ungeachtet ihrer Ideologie das Ziel, Österreich von der nationalsozialistischen Herrschaft zu befreien. Ansonsten ergaben sich erhebliche Unterschiede, v.a. was die Vorstellungen einer möglichen Neuordnung nach Erreichen dieses Zieles betraf. Die bürgerlich-konservativen Bewegungen hatten beispielsweise ganz andere Vorstellungen eines Österreichs nach dem Krieg als die kommunistisch-sozialistischen Gruppen. Die Großösterreichische Freiheitsbewegung träumte von einem großösterreichischen, ständisch aufgebauten Staat (mit den Grenzen von 1918, einschließlich Bayern) unter der Führung des Hauses Habsburg, der ÖF wollte die Entscheidung über eine Staatsform dem Volk überlassen und die ÖFB hielt laut Gestapo-Schlussbericht ebenfalls an einem großösterreichischen Staatengebilde fest. Wahrscheinlicher ist aber, dass die ÖFB eine Demokratie im Auge hatte, trat sie doch für die Wahrung der 4 Grundrechte ein (freie Meinung, freier Glauben, Freiheit vor Not und Furcht).

Die sozialdemokratischen Gruppen hielten im Gegensatz dazu an der "Internationalen" fest. Interessant ist, dass die KP sich von den Gedanken Otto Bauers und anderer sozialistischer Theoretiker distanzierte. Alfred Klahr (8) und mit ihm die gesamte Partei gab schon sehr früh, d.h. noch vor der Annexion, ein stark österreichisch-patriotisches Befreiungsprogramm heraus. 1937 schreibt er:

"1848 war der großdeutsche Gedanke fortschrittlich revolutionär...Heute ist der großdeutsche Gedanke reaktionär, heute sind die deutschnationalen Bewegungen nur Vorposten des Hitlerfaschismus, des Hauptfeindes des internationalen Proletariats, der internationalen Demokratie überhaupt. Daher müssen sie bekämpft, der Anschluss an Deutschland überall abgelehnt werden."
Nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich und dem Anschluss an das deutsche Reich bezeichnet Klahr das österreichisch-nationale Bewußtsein als wichtigen Faktor im Widerstand. Das Unterscheidende zwischen Österreichern und Deutschen ist stärker, ein Gesamtdeutschtum ist ebenso eine "Lüge" wie der Panslawismus. Argumentiert wird – ganz in der Tradition des Marxismus – durch die Aufrollung der Geschichte. Vor allem Stalin wird zitiert, aber auch Marx und Engels, um so einer "gesamtdeutschen-revolutionären Lösung", wie sie beispielsweise Karl Kautsky und Fritz Valentin (9) vertreten, entgegenzuwirken. Charakteristisch in der Argumentationslinie Klahrs sind immer wiederkehrende Spitzen gegen die Sozialdemokratie (Revolutionäre Sozialisten), um sich von deren internationalen Programmen abzuheben und sie gleichzeitig ad absurdum zu führen. Die sozialdemokratische Partei auf der anderen Seite beruft sich ebenfalls auf geschichtliche Daten, jedoch in einem anderen Kontext, sodass das Fazit ein ganz anderes ist:
"Die österreichischen Arbeiter können ihre Befreiung nicht anders erkämpfen, das österreichische Volk kann von der Despotie des 3. Reiches nicht anders befreit werden, als durch die gesamtdeutsche Revolution..."
Die Sozialisten waren die einzigen, die in Österreich Visionen eines zumindest mitteleuropäischen Zollvereines sozialistischer Staaten propagierten. Karl Kautsky schreibt bereits 1907/08 über die Frage von Nationalität und Internationalität folgendes: "Hat das Proletariat die politische Macht erobert, dann fallen (...) auch die überkommenen staatlichen Schranken."

Sämtliche anderen Gruppierungen kehrten gerade in der Zeit der Ostmark – und der Auslöschung Österreichs – einen österreichischen Patriotismus hervor, der bis dato nicht vorhanden war. Nach dem Ersten Weltkrieg glaubte kaum jemand, dass ein territorial so dezimiertes Land wie Österreich überleben könnte, der deutschnationale Gedanke war trotz des Anschlussverbotes durch die Signatarstaaten der Friedensverträge gerade in bürgerlich-konservativen Kreisen stark vertreten. Erst nach der Annexion Österreichs setzte sich anscheinend in den diversen Parteien langsam ein Nationsbewußtsein durch, das später in den Widerstandsgruppen zu finden ist. Ein Beispiel hierfür ist die Roman-Scholz-Gruppe, die zunächst "Deutsche Freiheitsbewegung" hieß, 1939 – nach Ausbruch des Krieges – aber in "Österreichische Freiheitsbewegung" umbenannt wurde.
 

4) Aktionen:

Die Aktionen der Widerstandsgruppen reichten von der Verbreitung von Flugblättern, die sich gegen das NS-Regime richteten, über den illegalen Druck von Zeitungen (im Inland oder Ausland) bis hin zu Sabotage, Organisation von Demonstrationen und der Teilnahme am Juliputsch 1944 (Offizier Karl Szokoll von der Gruppe "O5" war beispielsweise an diesem beteiligt).

Vorherrschend waren vor allem gewaltfreie Aktionen. Roman Karl Scholz sprach sich definitiv noch im Juli 1940 – kurz vor ihrer Entdeckung – gegen einen militärischen Widerstand aus. Auch die meisten anderen Gruppen waren dieser Auffassung. Militärisch eingreifen wollte man erst, wenn man sich des baldigen Eingreifens der Alliierten sicher sein konnte. Die KPÖ setzte beispielsweise auf die Errichtung eines Untergrundnetzes, die Herstellung und Verbreitung illegaler Druckwerke und den Einsatz für die "Rote Hilfe", die Angehörigen von Verfolgten half. Nur selten kommt es zum Kontakt mit Partisanen (siehe auch Salzkammergut, Tito-Partisanen,...), hier war vor allem die KPÖ ausschlaggebend. Anscheinend war diese Partei die einzige Widerstandsgruppe Österreichs, die ihren Mitgliedern die Möglichkeit militärischen Widerstands bot. Vielleicht ist auch so der enorme Zuwachs zu erklären, den die Kommunisten von der Sozialdemokratie erhielten.

Interessant ist, dass in dem Gestapo-Schlussbericht über ÖFB, GÖFB und ÖF (10) neben den gewaltfreien Aktionen noch geplante Terror- und Sabotageakte erwähnt werden, die durch gefundene Pistolen, Photos,... bestätigt werden sollen. Dies steht im krassen Gegensatz zu den ursprünglichen Intentionen der Gruppen und wurde auch von ihren Führern bis zuletzt – auch nach Folterungen – geleugnet. Wahrscheinlich wollte die Gestapo durch die Anführung der angeblich geplanten Terrorakte die Gefährlichkeit der Bewegungen unterstreichen.
 
 

B) Widerstand ab 1941

Soweit also die Situation bis etwa 1940/41. Die KPÖ war bis dato die Gruppe gewesen, die sich am heftigsten gegen das NS-Regime wehrte. Sie musste enorme Verluste hinnehmen, und ihr zentraler Apparat wurde von der Gestapo zerschlagen. Obwohl im Oktober 1942 aus Frankreich (vom Exil-Zentralkommitee in Paris) kommunistische Funktionäre re-emigrierten, um dieses Netz wieder aufzubauen, so war dieses Vorhaben durch ihre Verhaftung am 24.8.1943 zum Scheitern verurteilt. Die Bilanz ist erschreckend: zwischen 1938 und 1944 wurden 10.000 KommunistInnen festgenommen, viele davon hingerichtet.

Mit der Entlassung vieler politischer Häftlinge, die bereits in den Märztagen festgenommen worden sind, aus den Konzentrationslagern, kam wieder Bewegung in den bereits "lädierten" Widerstand. Vor allem Christlich-Soziale und Leute, die der Vaterländischen Front und dem Schuschnigg-Regime nahestanden, kamen nun zwischen ‘39 und ‘43 frei, brauchte doch die Nationalsozialistische Führung Platz für Kriegsgefangene. Gemeinsam war diesen ehemaligen Häftlingen vor allem die Erkenntnis, dass nur ein gemeinsamer Kampf gegen Hitler zum Ziel führt. Einer von ihnen war Dr. Hans Becker, der ehemalige Propagandaleiter der Vaterländischen Front, der ‘41 aus dem KZ Mauthausen entlassen wurde. Becker hatte den Anschluss erwartet und bereits 1937 mit dem Aufbau eines Operationsbüros begonnen, das eventuelle Kampfhandlungen koordinieren sollte. Nach seiner Entlassung reaktivierte er dieses Büro sowie die Verbindungsstellen in den Landeshauptstädten Linz, Salzburg, Innsbruck, Graz und Klagenfurt, außerdem in Wels. Bis ‘44 hatte er ein flächendeckendes Netz hergestellt.

Zwischen der langsam anrollenden Lawine zivilen und militärischen Widerstands und den oben beschriebenen Widerstandsgruppen bestehen eklatante Unterschiede. Zum einen war 05 (11) die einzige Gruppe, in der die Lagerzugehörigkeit keine Rolle spielte, zum anderen verfügte diese Bewegung über die besten und kontinuierlichsten Auslandskontakte. Außerdem schreckte sie auch nicht vor militärischen Aktionen zurück und machte sich besonders im Endkampf 1945 bei der "friedlichen" Übergabe der österreichischen Städte verdient.
 

1) Kommunikation innerhalb der Gruppe:

Die Organisation der Gruppe bestand aus zwei Teilen: zum einen aus einem "Zentralkommitee Österreich" in Wien, zum anderen aus zahlreichen Splittergruppen, deren Größe extrem unterschiedlich war (12) und die sich dem Dachverband der Bewegung anschlossen. Diese Untergruppierungen blieben in sich geschlossen, und ihre Leiter besassen die letztliche Entscheidungskraft. Ein großer Vorteil war, dass sich die Gruppen untereinander nicht kannten, nur die Spitzenleute und Gruppenleiter besprachen gemeinsam das Vorgehen. Die Gestapo war daher machtlos, denn selbst wenn eine Gruppe ausgeforscht wurde, so konnte sie nie das gesamte Netz zerschlagen. Die Gruppe O5 kann daher eher als Interessensverband bezeichnet werden, der durch die Kennzeichnung sämtlicher Aktionen mit dem Zeichen der Gruppe allen Widerstandskämpfern als Erkennungszeichen und moralische Unterstützung diente.

Im Herbst 1944 war man sich eines baldigen Endes des Krieges bewusst und plante politisch-militärische Aktionen gegen das Regime. Deshalb gründete Becker im November einen Siebenerausschuss, dem auch Dr. Bumballa-Burenau, Georg Fraser, Viktor Müllner, Major Emil Oswald, Eduard Seitz und Hermine Hrdlick (KPÖ) angehörten. Vor drei Hauptaufgaben sahen sich die Mitglieder des Siebenerausschusses gestellt: Dokumentation der Leistung von österreichischem Widerstand (hier wollte man der Moskauer Deklaration vom Herbst 1943 Rechnung tragen), Rettung möglichst vieler materiellen Werte und Aufbau eines Hilfswerkes für politisch Verfolgte.
 

2) Verbindungen nach außen:

Der Kontakt zur Wehrmacht konnte über Major Karl Biedermann und Major Alfons Stillfried, die Becker beide schon seit längerem kannte, hergestellt werden. Auch Generalstabsmajor Karl Szokoll, der Leiter der Organisationsabteilung im stellvertretenden Generalkommando des Wehrkreises XVII., war eine wichtige Verbindungsstelle. Durch seine Hauptaufgabe, die Bildung neuer Ersatztruppen für den Fronteinsatz, konnte er Widerstandsaktionen koordinieren und gleichzeitig ein zentraler Anlaufpunkt sein.

Bei den Kontakten zu den Alliierten spielte Fritz Molden eine große Rolle. Als Sohn des Chefredakteurs der Neuen Freien Presse, Dr. Ernst Molden, war er durch den Einsatz seiner Familie gegen Hitler trotz seiner Jugend ein geeignetes Aushängeschild des Interessensverbandes. 1942 wurde Molden das erste Mal verhaftet, weil er im Verdacht stand, sich nach England absetzen zu wollen. Um der drohenden Haftstrafe zu entrinnen, meldete er sich freiwillig für den Frontdienst. Dort knüpfte er erste Kontakte zu anderen Widerstandskämpfern. Ich möchte hier auf seine Lebensgeschichte nicht weiter eingehen, sondern nur einige Kontakte herausgreifen: Verbindungen zur französischen Resistance, mit deutschen und italienischen Untergrundbewegungen und Partisanen (Carlo Fanecchi oder Tito Vecchio) und Kontakt mit einem englischem Nachrichtenoffizier.

Schließlich gelang es Fritz Molden, als erster Untergrund-Kurier in die Schweiz zu flüchten und trat mit Oberst Max Waibel, dem Chef des Schweizer Militärischen Nachrichtendienstes in Verbindung, um diesem von der Situation in Österreich und der Gruppe O5 zu berichten. Außerdem machte der junge Widerstandskämpfer in Bern österreichischen Emigranten ausfindig, mit denen er den Aufbau einer Zentralstelle begann, die in der Folgezeit die wichtigste Auslandsbasis des österreichischen Widerstands werden sollte. Moldens besonderes Augenmerk galt dem Aufbau einer Kurierlinie Schweiz-Deutschland-Österreich-Italien. Der bis März 1945 ununterbrochene Funkkontakt der österreichischen Widerstandskämpfer über zwei illegale Wiener Funkstationen mit dem Ausland kann als eine der bedeutendsten Maßnahmen im Widerstand gelten.

Ab Herbst 1944 kamen französische und amerikanische Offiziere nach Österreich, um beim Widerstand zu helfen, in Oberösterreich landeten zahlreiche englische Fallschirmspringer.
 

3) Ziele:

Die Ziele des Interessensverbandes O5 unterschieden sich ebenfalls von denen der vorangegangenen Widerstandsgruppen. Kein Wort war mehr die Rede von gewünschten Staatsformen, es ist, als ob durch die unterschiedlichsten Gesinnungen innerhalb der Gruppe diese Frage bewusst ausgespart wurde. Die Gruppe wollte vielmehr ganz konkrete Vorstellungen im Widerstand verwirklichen: Zum einen wollte sie vor allem nach der Moskauer Deklaration (13) vom Herbst 1943 sämtlichen Widerstand dokumentieren, zum anderen materielle Werte in Österreich retten und politisch Verfolgten helfen.

Um die Aktivität des österreichischen Widerstands zu beweisen, wurde an einem Konzept gearbeitet, das in einem zentralen politischen Führungsgremium einerseits die unterschiedlichen Kräfte vereinen und andererseits im Ausland als politisches Organ entschiedener auftreten sollte. Am 18. Dezember 1944 wurde das Provisorische Österreichische Nationalkomitee gegründet, dem bis Februar ‘45 Liberale, Konservative, Christlich-Soziale, Monarchisten, Sozialdemokraten und Kommunisten angehörten. Drei Funktionen hatte das POEN zu erfüllen, es übernahm die Komandofunktionen, den Nachrichtendienst und die Propagandatätigkeit. Die Verbindung des POEN zu der Gruppe O5 lief über Dr. Hans Becker.

Mit den Alliierten vereinbarte man über Fritz Molden vor allem Waffenlieferungen, moralische Unterstützung und Hilfe beim Nachrichtendienst. Eine Anerkennung des POEN war aber erst gegeben, als sich auch Sozialisten (in der Person von Dr. Adolf Schärf) unter den Mitgliedern befanden. Das war bis zum 25. Februar der Fall, aber am 2. März ist ein Großteil der POEN und O5- Spitzenfunktionäre wie bpw. Becker verhaftet worden. Somit fiel auch ein Großteil des Siebenerausschusses weg, ein Provisorium musste geschaffen werden, das mit den Alliierten schließlich auch die friedliche Übergabe der österreichischen Städte besprach. Zwar lief nicht immer alles nach Plan, in Wien wurde die Bewegung verraten, doch konnte der Einsatz der österreichischen Widerstandskämpfer die absolute Zerstörung, wie sie bei einigen deutschen Städten der Fall war, verhindern.
 

4) Aktionen:

Die Moskauer Deklaration hatte Österreich einen klaren Auftrag erteilt, die Alliierten erwarteten eine gewisse Eigenverantwortung der Bevölkerung. Ab 1943 ist deshalb eine Tendenz zu militärischem Widerstand feststellbar. Sabotage-Akte, kleinere Brände, Dienstverweigerung, Demonstrationen, die falsche Wiedergabe von Befehlen und die verstärkte Zusammenarbeit mit Partisanengruppen lassen sich bei fast allen Splittergruppen belegen. Einzelne Persönlichkeiten stachen im Widerstand hervor, von denen ich eine besonders herausragende exemplarisch herausgreifen möchte:

Generalstabsmajor Karl Szokoll, der schon oben bei den Verbindungsmännern innerhalb der Wehrmacht erwähnt worden ist, war eine herausragende Persönlichkeit im österreichischen Widerstand. Neben zahlreichen Sabotage-Akten war er – zusammen mit Oberst Rudolf Graf von Marogna-Redwitz – auch am Hitlerputsch beteiligt. Über Robert Bernardis, dem Oberleutnant im Generalstab der deutschen Wehrmacht, stellte Stauffenberg eine Verbindung zur österreichischen Wehrmacht her. Szokoll hatte auch planmäßig seine Truppen informiert und postiert, er wartete nur noch auf das Telegramm von Stauffenberg, das den Tod Hitlers verkünden sollte bevor er seinen Männern das Zeichen zum Angriff geben wollte. Das Attentat vom 20. Juli 1944, das auch unter dem Decknamen "Wallküre" lief, ist bekanntlicherweise misslungen, der Führer wurde nur leicht verletzt und der nun einsetzenden Verhaftungswelle fielen die Hauptagitateure zum Opfer. Szokoll selbst konnte aber flüchten. Nach diesem Rückschlag taucht sein Name auch bei der Befreiung Wiens auf, wo er eine tragende Rolle spielte. Zwar ist nicht alles nach Plan verlaufen, weil die Kommandozentrale in Wien von der Gestapo ausfindig gemacht und gestürmt wurde, doch die schlimmste Zerstörung konnte – unter verlustreichen Kämpfen – verhindert werden.

Zahlreiche weitere Gruppen spielten im sogenannten "Endkampf" ebenfalls eine Rolle. Erwähnenswert sind vor allem die Partisanengruppen, die in der "Alpenfestung" auf die sich zurückziehenden Wehrmachtstruppen warteten. Da sich die Alliierten ihrer Bedeutung bewusst waren, hatten sie diesen Widerstandsgruppen eine gute Ausrüstung und Waffen geliefert. Der Hauptanteil an der Befreiung Österreich haben dennoch die alliierten Truppen getragen, doch gelang es vereinzelten Partisanengruppen Teile von Wehrmachtstruppen zu überwältigen und entwaffnen.
 

Zusammenfassung

  1. Augenfällig wird sofort die Bedeutung von persönlichen Kontakten. Diese wurden so gering wie möglich gehalten, um die Sicherheit der Mitglieder bei Verrat zu gewähren.
  2. Mit Ausnahme der Sozialdemokratie sind sämtliche Widerstandsgruppen streng hierachisch aufgebaut, mit einer zentralen Leitung. Die Gruppe O5 bildet dabei eine Zwischenform, verfügt sie doch über ein zentrales Führungskommitee sowie einzelne, von einander abgegrenzte Gruppen, die in sich strukturiert waren.
  3. Mit Ausnahme der KPÖ saß das eigentliche Führungsorgan in Österreich.
  4. Verbindungen ins Ausland waren bei der Roman-Scholz-Gruppe (= Österreichische Freiheitsbewegung) und der KPÖ rudimentär schon vorhanden. Erst die Gruppe O5, die ab ‘44 verstärkt auftritt, verfügte über kontinuierliche Kontakte zu den Alliierten.
  5. Verbindungen zu anderen Widerstandsgruppierungen wurden natürlich gesucht, zumeist blieben diese Kontakte jedoch innerhalb des eigenen Lagers. So wollten sich beispielsweise die drei bürgerlichen Wiener Widerstandsgruppen 1940 zusammenschließen – ein Vorhaben, das an ihrem Verrat scheiterte, und die Revolutionären Sozialisten arbeiteten verstärkt mit der KPÖ zusammen. Die Gruppe O5 kann als einzige Widerstandsbewegung die ideologischen Grenzen überwinden.
  6. Mit Ausnahme der Sozialdemokratischen Partei, die sich an die Internationale klammerte, finden sich keine Europapläne bei den österreichischen Widerstandsgruppen. Vielmehr konzentrieren sie sich auf die Wiederherstellung Österreichs und den patriotischen Kampf.
  7. Die Aktionen der Widerstandsgruppen beschränken sich zumeist auf passiven Widerstand, Flüsterpropaganda und der Verbreitung von illegalen Druckwerken. Durch die Moskauer Deklaration vom Herbst 1943 tritt ein entscheidender Wandel ein. Der militärische Widerstand erhält durch die Gruppe O5 einen enormen Aufschwung, auch die KPÖ ist gerade im Partisanenkampf daran beteiligt.

 

Spezifika des österreichischen Widerstands - zwei Thesen

Im Zuge meiner Abhandlungen haben sich zwei Thesen aufgedrängt, die ich hier herausgreifen möchte: Die ersten Widerstandsgruppen, die sich in Österreich formierten, blieben in ihrem eigenen Lager verhaftet. Sie hatten eher Kontakte zu ähnlich gesinnten aber ausländischen Gruppen als zu andersdenkenden innländischen Gruppen. Hier tritt vor allem ein österreichisches Spezifikum im Widerstand zu Tage. Durch die bürgerkriegsähnlichen Zustände zwischen "rotem" Schutzbund und "schwarzer" Heimwehr in der Zwischenkriegszeit, die in den Ausschreitungen im Februar 1934 gipfelten, war die Kluft zwischen bürgerlichem und sozialistischem Lager so groß, dass ein gemeinsames Vorgehen gegen den Nationalsozialismus nicht denkbar gewesen wäre, zu groß war das Misstrauen zwischen den Lagern. Erst mit der Gruppe O5, die eigentlich ein Interessensverband war, konnten die unüberwindlich geglaubten Grenzen verschwinden. Der gemeinsame Kampf für die Freiheit Österreichs ging v.a. von entlassenen politischen Häftlingen aus den KZ aus. Durch die gemeinsam erlebten Greuel hatten sie zu allen möglichen Gruppierungen Kontakte.

Diese Betonung des patriotisch motivierten Freiheitskampfes führt zugleich zur nächsten These: Erst die Annexion Österreichs und seine Auslöschung durch das nationalsozialistische Regime begünstigte ein österreichisches Nationsbewusstsein. Nur die SPÖ hielt an ihren Gedanken eines grenzenlosen sozialistischen Europas fest, während alle anderen Gruppierungen – sogar die KPÖ – auf patriotische Parolen und Pläne setzten. Es scheint, als wären Europapläne, wie sie bei anderen Ländern belegt sind, als durchwegs kontraproduktiv für das erst im Bestehen begriffene Nationsbewusstsein der ÖsterreicherInnen gewertet worden.
 

Literatur:


Akten des Dokumentationsarchivs in Wien:
Nr.: 4145
Nr.: 414 a/ b
Nr.: 3043 a/ b/ c
Nr.: 384
Nr.: 1546/ 13
Nr.: 1757
Nr.: 8478
Nr.: 3399



(1) Frank fiel 1945 in den Reihen des 1. Österreichischen Freiheitsbataillons in Jugoslawien. [zurück zum Text]

(2) Dubber hatte bereits vor ‘38 führende Funktionen bekleidet. Bei seiner Verhaftung im November konnte die Gestapo auch den unten erwähnten Plattformentwurf sicherstellen. [zurück zum Text]

(3) Bestand aus dem Organisationsleiter Orkar Bourcard, dem Propagandaleiter Heinrich Hoch, dem Sachverständigen für militärische Angelegenheiten Dr. Johann Israel Blumenthal und dem Vertreter der Arbeiterschaft Johann Schendenwein. Oberster „Chef“ war Kastelic. [zurück zum Text]

(4) Näheres ist nicht von ihm bekannt, auch kein Vorname. [zurück zum Text]

(5) Dieser fand in Poughkeepsie bei New York statt und wurde von der Kommunistischen Jugendinternationale mitorganisiert. [zurück zum Text]

(6) Ab 1939, d.h. nach der Annexion der Tschechoslowakei, emigrierte dieser Führungskader nach Paris. [zurück zum Text]

(7) In Ternitz (NÖ) fanden beispielsweise in einer Höhle gemeinsame Zusammenkünfte der RS- und KP-Jugend statt. [zurück zum Text]

(8) Aufsätze in „Weg und Ziel“, einem illegalen Druckwerk, publiziert. [zurück zum Text]

(9) Beide Sozialdemokraten. [zurück zum Text]

(10) DÖW-Akte 3043 a-c [zurück zum Text]

(11) O5 steht für Österreich, der fünfte Buchstabe im Alfabet ist das „E“. [zurück zum Text]

(12) Die Zahlen der Mitglieder schwankten zwischen sechs und hundert. [zurück zum Text]

(13) Diese Deklaration verurteilte zwar den Anschluss Österreichs an Deutschland als unrechtmäßig, doch rief sie auch die ÖsterreicherInnen zu Eigenverantwortung auf. [zurück zum Text]



 
 

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