Ausstellungskonzept

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Ausstellungskonzept

Unser Bild des Orients ist ein Konstrukt. Dies ist eine Selbstverständlichkeit moderner kulturwissenschaftlicher Forschung und gilt auch für das Museum. Standard jeder Ausstellung ist heute die Thematisierung der Historie ihres Gegenstandes einschließlich derer Rezeption. Diese wissenschaftliche Forderung birgt allerdings die Gefahr in sich, eine andere wesentliche Aufgabe des Museums zu vernachlässigen, nämlich die Vermittlung und nicht zuletzt die sinnliche Anschauung der Objekte selbst. Es droht die Gefahr, dass der eigentliche Gegenstand angesichts didaktischer Erklärungen untergeht. Umso bemerkenswerter ist die Wiederentdeckung des Nachlasses des Indienaufenthaltes während der Weltreise von Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este (1892/93), dessen Vielzahl und Diversität von Objekten, Souvenirs, Archivmaterial und Fotografien einen Einblick in die Lebenspraxen, das Hofzeremoniell, Kunst und Kunsthandwerk auf dem indischen Subkontinent bietet und zugleich illustriert, wie der typisch europäische und hier speziell hocharistokratische Blick auf das Fremde zur Anschauung gebracht wird. Dieses Potential des Fundes wurde zur Grundlage eines Ausstellungskonzeptes, das gleichermaßen ein Panorama Indiens im Zeitalter des Imperialismus, die Praxen der Hocharistokratie und die Genese des internationalen Tourismus beleuchtet. Die Vielzahl des Materials, v.a. die eigens auf der Reise aufgenommenen sowie die auf dem damaligen Markt zirkulierenden historischen Fotografien bietet die Möglichkeit, das komplexe Verhältnis wechselseitiger Wahrnehmungen in der Spätphase des europäischen Kolonialismus anhand einer konkreten Präsentation einem breiten Publikum vorzuführen. Ästhetischer Höhepunkt sind hier zweifellos die eindrucksvollen Fotografien die hier gleichermaßen hinsichtlich ihrer dokumentarischen Funktion als auch ihrer künstlerischen Qualität ausgewählt wurden und ein prächtiges visuelles Tableau bieten. Zuletzt konnte im traditionsreichen Hause des Wiener Museums für Völkerkunde auch der genius loci beschworen werden, wenn nämlich die exemplarische Thematisierung von Orient- und Fremdbildern mit der Geschichte des späten Habsburger-Kaiserhauses verbunden wird. Die Ausstellung konnte alle diese Elemente anhand folgender Themenbereiche des Indienaufenthaltes der Weltreise verdeutlichen: On Tour: Impressionen der Reise an Bord des modernsten Schiffes der k. und k.-Marine, der „Kaiserin Elisabeth“ Imperiale Gesten: Der Erzherzog bei verschiedenen sozialen und formellen Anlässen als Repräsentant der Monarchie und Teil des internationalen Jetset Noblesse Oblige: Der Besuch beim indischen Herrscher, dem Nizam von Hyderabad im Spiegel ihres internationalen Lebensstils Trophy Hunting: Die Jagdleidenschaft des Erzherzogs und Modi visueller Selbstrepräsentation Sightseeing: Franz Ferdinand als Tourist beim Besuch vieler klassischer Sehenswürdigkeiten Shopping: Ausgedehnte Einkaufstouren und die Kunst- und Sammelleidenschaft des Erzherzogs Ziel war es, den konkreten Einzelfall als solchen ernst zu nehmen und zugleich als exemplarischen Befund der Epoche kenntlich zu machen. Im Kern des kuratorischen Konzepts steht also die Sensibilisierung des Publikums für die Historizität des Gegenstandes durch die Brechung des Blickes auf das ferne Indien anhand der Wahrnehmung eines heute nicht minder fernen aristokratischen Selbstverständnisses. Am Ende mag der Besucher feststellen, dass auch er sich nicht minder als der Erzherzog die Fremde immer nur durch die Brille seiner eigenen, seien es wohlmeinende, ideologische oder ablehnende Vorurteile aneignen kann. Regina Höfer, Kuratorin der Ausstellung