150 Jahre Österreich-Japanische Beziehungen

Praktische Medienarbeit für JapanologInnen über die Stationen einer langjährigen Freundschaft.

Das Japanbild in der österreichischen Populärmusik

Das Japanbild in der westlichen Populärmusik, erforscht vom emeritierten Vorstand des Instituts für Japanologie, Sepp Linhart

Geisha, Kirschblüte, Sukiyaki, Fujiyama, Tokyo, Yokohama, Nagasaki…das sind nur einige Begriffe, die im Westen mit Japan assoziiert und in der Populärmusik seit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert verwendet werden. Japan war vor allem wegen seiner Präsentation bei der Wiener Weltausstellung 1873 hierzulande zur Jahrhundertwende ein Thema. Der „Japonismus“ in der bildenden Kunst arbeitete mit japanischen Motiven und Stilen. Musikalisch schlug sich die Japanbegeisterung zunächst in Operetten- und Opernwerken nieder. So beliebt waren diese, dass sie der Japanologe Sepp Linhart zur Populärmusik zählt. Die großen Erfolge von Operetten und Opern wie Der Mikado, Die Geisha oder Madama Butterfly (die meistgespielte Oper der Welt) führten zu weiteren Japan-Operetten, und zu singulären Liedern, wie sie in 1920er Jahren überaus populär wurden. Für unser Japanbild waren sie prägend. Die 1920er und frühen 1930er Jahre waren eine Blütezeit der Japanschlager – viele davon von österreichischen Komponisten – ehe die Produktion durch die politische Lage gestoppt wurde. Nach 1945 hatten Deutschland und Österreich, die ja während des Zweiten Weltkriegs Verbündete Japans waren, zunächst Berührungsängste mit Japan. Das wirkte sich auch in der Musikproduktion aus. Japan kam nicht vor…
Erst in den 1960er Jahren wurde Japan in Schlagern wieder besungen – mit den alten Klischees und Stereotypen. Mit dem rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Japans wandelte sich das Japanbild in den Songs. Vor allem in den 1980er Jahren entstehen Popsongs, die Japan als Vorbild und als Nummer 1 sehen. Sogar das Madama Butterfly-Motiv wird umgekehrt – westliche Frauen singen traurig von japanischen Männern, die sie verlassen haben… Japanologe Sepp Linhart spricht von einem Paradigmenwechsel.

Text: Judith Brandner

japanpro

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