150 Jahre Österreich-Japanische Beziehungen

Praktische Medienarbeit für JapanologInnen über die Stationen einer langjährigen Freundschaft.

Japanomanie

Japomanie im Kunstforum Wien – Japanische Einflüsse und die Moderne in Europa

Die aktuell im Kunstforum Wien laufende Ausstellung „Faszination Japan-Monet-Van Gogh- Klimt“ (10. Oktober 2018 bis 20. Jänner 2019) widmet sich dem Phänomen der „Japomanie“ vom späten 19. Jahrhundert bis zur Avantgarde .

Die bürgerliche Schicht Europas war nach ersten Kontakten mit japanischer Kunst und Kultur im Zuge der Weltausstellung 1873 in Wien von einer Sehnsucht nach  exotischen Luxusobjekten wie Möbeln, Gewändern, Alltagsgegenständen und Dekorationen geprägt.

Die Auseinandersetzung mit dem „fernen Osten“ begeisterte auch europäische Künstler wie Klimt, Van Gogh, Monet, Degas, Manet oder Kandinsky. Keiner von ihnen war je tatsächlich in Japan, aber durch die nach Europa einströmenden Artefakte, unter anderem durch Ukiyo-e, japanische Farbholzschnitte, wurden ihnen neue Stilmittel und Besonderheiten vermittelt, was sich auch maßgeblich auf die Moderne auswirkte.

Im Rahmen der Ausstellung wird dargelegt, wie das Formenvokabular japanischer Künstler die westliche Malerei beeinflusste und die Ästhetik der Moderne um die Jahrhundertwende prägte. Neben den über 100 ausgestellten Exponaten, darunter Druckgraphiken, Gemälde, Möbel und andere Objekte, gibt es auch eine kontemporäre Befassung mit der „Japomanie“: Zeitgenössische Künstlerinnen Margot Pilz, Eva Schlegel und Stephanie Pflaum reflektieren zum Motiv des „Teehauses“.

Vor allem im Kontext der Globalisierung ist von Interesse, wie die ausgestellten Werke, die bereits zum Zeitpunkt ihrer Anfertigung vor über hundert Jahren Hinweise auf die schneller werdende weltweite Vernetzung lieferten, heute rezipiert werden. Damals wurde der Hunger nach dem „Exotischen“ durch den Import von Kulturgütern und Ideen zu stillen versucht, gleichzeitig stellt die Einbettung asiatischer Bildtraditionen in die Werke europäischer Künstler*innen  die Grenzen zwischen dem Eigenen und dem Fremden infrage- ein Prozess, der wohl auch heute noch nicht abgeschlossen ist.  Wie passen asiatische Touristen*innen in Wiener Kunstmuseen in dieses Bild- kann man von einem ähnlichen Phänomen ausgehen, wenn Japaner*innen  nach Wien reisen, um sich auf die Spuren von Sissi, Mozart und Co. zu begeben? All das, und wie die Ereignisse um die Weltausstellung die Beziehungen zwischen der japanischen und österreichischen Kunstszene und den kulturellen Austausch vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart beeinflusst haben, sind Fragen, denen  Lisa Braitner in einem Interview mit der Kuratorin Evelyn Besch nachgeht.

Lisa Braitner

 

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