150 Jahre Österreich-Japanische Beziehungen

Praktische Medienarbeit für JapanologInnen über die Stationen einer langjährigen Freundschaft.

Wie Kyūdō nach Wien kam

Ein Schuss ins Schwarze: Über das japanische Langbogenschießen

Die Schützin spannt den Bogen. Es hat den Anschein, als wolle sie die Sehne über den vollen Auszug hinweg ziehen. Dann folgt der Abschuss. Mit der Befreiung des Pfeils hallt die Sehne für einen Augenblick nach – tsurune nennt man diesen Klang im Japanischen.

In Österreich gibt es seit einigen Jahren eine besondere Möglichkeit, ein Stück Japan zu erleben: durch Kyūdō, japanisches Langbogenschießen. Übersetzt bedeutet der Begriff etwa „der Weg des Bogens“ und bezeichnet das Schießen mit einem gut zwei Meter langen Bogen (ursprünglich aus Bambus, heute aus Fieberglas oder Carbon gefertigt) auf eine 28 Meter entfernte, schwarz-weiße Zielscheibe: das Mato.

Der Bogen wird von Yuse Ayako im Stil des Heki-Ryu-Insai-Ha gespannt. ©Videoaufnahme und Bearbeitung: Kobayashi Norio; Musik: //www.purple-planet.com.

Über die Jahrhunderte hinweg entwickelte sich eine Vielzahl an Schulen und Schießformen, wie beispielsweise das Schießen im Knien, im Stand oder zu Pferd. Kyūdō im Stand wird heute am häufigsten praktiziert; hier haben sich vor allem zwei Techniken etabliert. Auf der einen Seite gibt es das zentrale Heben des Bogens (Shōmen-Stil), das in Japan am meisten verbreitet ist. Dieser Stil leitet sich aus dem traditionellen Bogenschießen bei feierlichen Zeremonien am Hofe des Kaisers ab. Auf der anderen Seite steht das seitliche Heben (Heki-Stil), das sich aus dem Bogenschießen der Kriegerklasse, eingesetzt bei Kampf und Jagd, entwickelte.

Ein japanischer Bogen kommt nach Wien

In den Jahren 1984 bis 1986 traf der heutige Vorsitzende des Österreichischen Kyūdō Verbandes, Diethard Leopold, das erste Mal auf das Langbogenschießen.

Der Blick von Diethard Leopold ist auf das Mato (Zielscheibe) gerichtet. ©Bild: Elena Koblizek.

Während eines zwei-jährigen Lehraufenthaltes in Japan trainierte er den Shōmen-Stil (zentrales Heben) und legte Prüfungen ab. Als Träger des dritten Dan (im Kyūdō gibt es ein Zehn stufiges System, wobei der zehnte Dan als höchste Auszeichnung selten vergeben wird) kam er nach Österreich zurück. In Wien stellte er fest, dass es weder einen Verein noch andere Schütz*innen gab und fing an, Interessierte im Schießen zu unterweisen. Japanisches Langbogenschießen fasste somit bei uns Fuß und am 27. Februar 1987 wurde der erste Österreichische Kyūdō Verein gegründet.

Zur selben Zeit fand 1987 ein Kyūdō-Seminar in dem kleinen Ort Geras statt. Das Bogenschießen wurde im Heki-Stil vorgeführt und in den folgenden Jahren regelmäßig veranstaltet. Aus dieser Zeit gingen zwei Schützen besonders hervor: Martin Berghold schloss sich dem bereits existierenden Kyūdō-Verein in Wien ab 1989 an, trainierte aber im gelernten Heki-Stil weiter. Heute ist er Obmann des Momiji-Kai, jenes Vereins, der mich selbst auf den Weg des Bogens brachte.

Außerdem übte sich der Gründer des Linzer „Stahlstadt Dōjō“ (traditionelle, japanische Trainingshalle), Peter Hammerschick, weiter im Heki-Stil. Er nahm 1992 bei einem Kyūdō-Wettbewerb in Japan teil und belegte erfolgreich den 7. Platz. Erstmals fand im selben Jahr das Bogenschießen seinen Weg in eine österreichische Zeitschrift. Das Nachrichtenmagazin Profil berichtete über den Erfolg des Schützen im Land der aufgehenden Sonne und gab einen ersten Einblick in die Welt des Kampfsports.

Nachrichtenmagazin Profil Nr.24 vom 19.Juni 1992: im Bild ist Peter Hammerschick zu sehen.

Besuch aus dem Ausland

Als der heute pensionierte Universitätslehrer für Kyūdō, Mori Toshio, das erste Mal nach Wien kam, war er sehr erstaunt, mit welchem Ernst, aber auch mit welcher Begeisterung die österreichischen Schütz*innen trainierten. Denn 1992 war die Freude groß, als man unerwartet hohen Besuch aus Japan bekam. Inagaki Genshiro, Halter des 9ten Dan und Leiter der Heki-Ryu-Insai-Ha Schule in Japan, kam während seiner Europareise erstmals nach Wien – und das für ein drei tägiges Kyūdō-Seminar. Zu dieser Zeit war er mit seinen Schülern unterwegs, einer davon war Mori Toshio. Dieser sollte Jahre später, wie auch einige seiner Kollegen, die Aufgabe des Lehrers übernehmen, und Kyūdō in Europa unterrichten. Auch war Mori Toshio bis zu seiner Pensionierung Trainer des Kyūdō Klubs der Tsukuba Universität in Ibaraki, Japan.

Persönliche Begegnung

Ich traf Mori Toshio das erste Mal während eines Seminars beim Verein Momiji-Kai. Mit meinen damals bescheidenen Japanisch-Kenntnissen warf man mich gleich zu Beginn des Lehrgangs ins kalte Wasser: Ich möge doch bitte seinen Vortrag und die Fragerunde danach dolmetschen. Mehr schlecht als recht versuchte ich, zwischen den Schütz*innen und dem Meister zu vermitteln. Damals hatte ich kaum mehr als ein halbes Jahr Erfahrung im Bogenschießen. Als beide Seiten begannen, mit Fachbegriffen um sich zuwerfen, warf ich beschämt das Handtuch. Mit einem Misch-Masch aus Englisch, brüchigem Japanisch und der Hilfe von Papier und Stift gelang es dem Meister und mir aber, alle Fragen halbwegs zufriedenstellend zu beantworten. Das Herzrasen, das ich bei meinem ersten, unglücklichen Dolmetsch-Versuch hatte, vergesse ich bis heute nicht. Ebenso wenig die skeptischen Blicke, die man mir bei meinen Übersetzungen zuwarf.

Die Autorin mit Mori Toshio bei einem seiner Lehrgänge. ©Bild: Elena Koblizek.

Als Schüler von Inagaki Genshiro hielt Mori Toshio alle seine Lehrgänge im Heki-Ryu-Insai-Ha-Stil ab. Er brachte mir viel über den Umgang mit Pfeil und Bogen bei. Erst nach seinem Seminar begann ich zu verstehen, dass körperliche Bewegungen mit dem geistigen Zustand zusammenhängen. Eine schlechte Haltung kann beispielsweise an den eigenen Sorgen oder Problemen liegen. Man hört oft, dass beim Bogenschießen die Oberarme und der Rücken trainiert werden. Bei Kyūdō aber steht der ganze Körper, von Kopf bis in die Zehenspitzen, unter Spannung. Schon ein flüchtiger Gedanke kann den Körper so stark ablenken, dass die Gesamtspannung nachlässt. Moris „考えすぎる!(kangae sugiru!) Du denkst zu viel!“ hilft mir auch heute noch, unnötige Gedankengänge auf die Seite zu schieben und mich ganz auf den Bewegungsablauf zu konzentrieren.

Bögen eines universitären Schießklubs in Japan. ©Bild: Kobayashi Norio.

Kyūdō trainiere ich für den Moment des Schusses. Wenn sich die Körperspannung in der Millisekunde des Pfeilabschusses löst und die eigene Form vielleicht durch einen Treffer des Zieles gelobt wird. Das ist die Freude am Schießen. Man entspannt und fokussiert sich gleichzeitig. Jeder Schuss löst das „Zu-Viel-Denken” auf. Bei Kyūdō entscheidet man selbst wann, wie, und vor allem, warum man einen Pfeil abschießt. Das macht es so aufregend und persönlich.

「弓道を実施するには困難な状況にもかかわらず一生懸命に取り組んでいるなーと感じました。」

„Obwohl es schwierig ist, Kyūdō in Österreich auszuüben, hatte ich das Gefühl, dass hier mit vollem Einsatz trainiert wird.“     (E-Mail Austausch mit Mori Toshio, freie Übersetzung der Autorin.)

Nach seinem ersten Wienaufenthalt 1992 kam Mori Toshio ab etwa 2000 jährlich in die Hauptstadt. Bei jedem seiner über neun Besuche widmete er den österreichischen Schütz*innen viel Zeit und bemühte sich, das Langbogenschießen korrekt und geduldig zu vermitteln. Die Reisen nach Wien genoss er auch durch Spaziergänge, für die er neben den Lehrgängen Zeit fand. Die Stadt mit ihren alten Straßen empfand er als wunderschön, und Mori freute sich über das gute Essen und den Wein. Während eines Gesprächs beim Abendessen meinte er, wie bewundernswert es sei, Kyūdō in Wien zu trainieren, denn das ist eigentlich gar nicht so leicht. Man muss geeignete Orte suchen, ist von Öffnungszeiten der Sporthallen abhängig, Material zu beschaffen ist schwierig, und es gibt kaum Lehrer*innen. Die Zielstrebigkeit der Wiener Schütz*innen überraschte ihn daher jedes Mal aufs Neue.

Kyūdō breitet sich in Österreich aus

Am 10. Mai 1995 kam es zur offiziellen Gründung und internationalen Anerkennung des Österreichischen Kyūdō-Verbandes. Der vorherige Verein in Wien wurde in Seishin-Kyūdō-Verein umbenannt und gemeinsam trat man mit „Stahlstadt Dōjō Linz“ dem Verband bei. Durch die Gründung des Verbandes konnte man dem Europäischen Kyūdō-Verband beitreten, der wiederum dem Internationalen Kyūdō-Verband untersteht. Dadurch gab es nun eine offizielle Verbindung mit Japan und einer Teilnahme an beispielsweise internationalen Seminaren stand nichts mehr im Wege.

Blick auf den Zielbereich während eines Kyūdō-Wettbewerbs in Japan 2018. ©Bild: Elena Koblizek.

In Wien kam es im Jahr 2000 schließlich zur Trennung der zwei unterschiedlichen Schießformen. Während die Schütz*innen im Shōmen-Stil weiterhin als Seishin-Kyūdō-Verein bestanden, gründeten die Heki-Schütz*innen am 19. Mai 2000 den Verein Momiji-Kai. Beide traten dem Österreichischen Verband bei. Außerdem begann man Wettbewerbe auszutragen, wie etwa die österreichische Meisterschaft, die seit 2008 jedes Jahr Anfang Juni stattfindet. Weiters entstand eine selbstständige Kyūdō Gruppe im Mozarteum Salzburg, auch ein Verein in Graz etablierte sich. Die Mitgliederzahl im Österreichischen Kyūdō Verband wuchs bis ins Jahr 2017 auf 76 Personen, aufgeteilt auf insgesamt fünf Vereine. Daneben gibt es weitere, selbstständige Gruppen; die Gesamtzahl aktiver Schütz*innen dürfte aber nicht mehr als hundert betragen.

Japanische Studierende reisen nach Wien

「さて、みんなはこの旅で何を見、何に触れ、何を感じてくれたのだろうか。純粋な心で素直に感じたこと、何かしら刺激されたこと、それそのものが大切なものだと思うんだ私は。それを大切にして欲しい。忘れないでいてほしい。」

”Also, was habt ihr denn auf dieser Reise gesehen, was berührt, was habt ihr empfunden? Ich bin jemand, der glaubt, dass die Sachen wichtig sind, die man ehrlich und mit reinem Herzen fühlt. Dinge, die uns anregen. Ich möchte, dass ihr diese Dinge wertschätzt. Vergesst sie bitte nicht.” (Tagebuchauszug von Matsuo Makinori; freie Übersetzung der Autorin.)

Vor der Übernahme des Kyūdō-Klubs der Tsukuba Universität, war Matsuo Makinori an der Budō Universität in Chiba tätig. Mit seinen Student*innen unternahm er während dieser Zeit regelmäßig Reisen nach Wien, die Erste erfolgte im Februar 2004 und dauerte acht Tage. In dieser Zeit veranstaltete der Verein Momiji-Kai ein drei tägiges Seminar im Heki-Stil für interessierte Schütz*innen und Neuanfänger*innen. Vereinsmitglieder schossen mit den japanischen Gästen schon am Freitagabend und gaben ihnen einen Einblick in den wöchentlichen Trainingsablauf. Im Anschluss tauten die Student*innen bei Schnitzel und Bier langsam auf und versuchten, ihre Sprachbarrieren zu überwinden. Begeistert wurde von den Erlebnissen in Wien erzählt:

A氏は「貴族になった気分」とM氏に英語でのたまったらしい。

„Ich fühlte mich wie ein Adeliger“, erzählte Student A. dem Herrn M. offenbar extra auf Englisch. (Tagebuchauszug: Ein Student berichtet vom Besuch der Wiener Staatsoper.)

Samstag und Sonntag kamen dann auch Anfänger*innen sowie Schützen*innen anderer Vereine zum Seminar. Nach einer zeremoniellen Kyūdō-Vorführung von Matsuo Makinori durften die Anfänger*innen selbst zum Bogen greifen – unter der Aufsicht der japanischen Student*innen. Erfahrene Schütz*innen wurden vom Lehrer betreut und korrigiert.

Der Meister gibt Antworten und Hilfestellungen beim Seminar. ©Bild: Karoly Marsi.

「さて、射込みを継続し、各人にアドバイスを与える。上級者はなかなか上達が目には見えぬが、初級者(巻き藁組)は大変よくなった。」

”So, jetzt geht es mit der Schießübung weiter. Jedem gebe ich eine eigene Korrektur. Bei den erfahrenen Schütz*innen sehe ich fast keine Fortschritte, die Anfänger*innen (jene Gruppe, die auf das Strohziel schießen) haben sich aber sehr verbessert.” (Tagebuchauszug von Matsuo Makinori; freie Übersetzung der Autorin.)

Die Tage beschreibt Matsuo Makinori als unterhaltsam, aber auch anstrengend. Er widmet jedem*r Schützen*in Zeit, beobachtet genau, welche Fehler gemacht werden und ob man seine Korrekturen zufriedenstellend umsetzt. Am Ende der Reise hofft er, dass die Tage sowohl für die Wiener Schütz*innen als auch für die japanischen Student*innen lehrreich waren.

Ausblick

Nach dem ersten japanischen Seminar 1992 in Wien stärkte jeder Besuch die Freundschaft zwischen den Schütz*innen des Momiji-Kai und den japanischen Heki-Meistern. Unsicher ist zwar, ob die beiden Lehrer wieder nach Wien kommen, es wird aber in Zukunft regelmäßig Kyūdō- Seminare geben. Beispielsweise wird Kurosu Ken im Sommer 2019 einen Lehrgang im Heki- Stil abhalten. Auch wird im Herbst 2019 ein Kyūdō-Seminar im Shōmen-Stil angeboten. Ein regelmäßiger Austausch zwischen Japan und Österreich im Bereich des Bogensports bleibt also erhalten, gestärkt durch die gemeinsame Freude am Schießen.

Zu Gast im Dōjō

Ein ganz besonderes Beispiel, wie durch Kyūdō die japanische Kultur lebhaft zum Ausdruck kommt, ist das Wienerberg-Dōjō. Das Gebäude erinnert authentisch an eine japanische Trainingshalle, die Kamiza (der Ehrenplatz des Raumes; oft lässt sich hier auch ein kleiner Shintō-Schrein finden) hat hier ebenso Platz, wie ein Trainingsbereich mit Makiwara (aufgestellte Strohballen, auf die aus etwa zwei Metern Entfernung geschossen wird).

Wienerberg-Dōjō: Die Bauarbeiten wurden 2003 abgeschlossen. ©Bild: Elena Koblizek.

Ein schön gepflegter Rasen regt vor allem im Frühjahr mit seinem satten Grün zum Training an. Denn für viele hier ist Kyūdō eine auflockernde Übung, verbunden mit viel Konzentration. Eine naturverbundene Atmosphäre hilft, in Ruhe zu trainieren. Auch ein Bambushain ist zu sehen. Im Zielbereich wurde dem japanischen Vorbild entsprechend Sand dicht angehäuft, worauf man vor dem Training die runden, schwarz-weißen Ziele aufstellt. Eine in das großzügig angelegte Dōjō integrierte Teestube begeistert vor allem frierende Schütz*innen im Winter. In der Trainingshalle selbst gibt es nämlich nur im Abschussbereich Heizstrahler, die den hohen Innenraum kaum erwärmen.

Die Errichtung des Dōjō wurde unter anderem vom Seishin-Kyūdō-Verein finanziert. Übungsleiter und Vorsitzender des Österreichischen Kyūdō-Verbandes ist Diethard Leopold, den ich für ein Interview zu seinem persönlichen Bezug zum Bogenschießen im Dōjō besuche. Der Tag, an dem das Interview stattfindet, ist kalt und windig. Ich bin überaus dankbar, dass die Teestube bereits vorgeheizt ist und mir Grüntee angeboten wird. Während des Interviews ist nur ein weiterer Schütze in der Trainingshalle, die Atmosphäre ist sehr angenehm und lädt zu einem entspannten Gespräch ein.

Innenansicht des Wienerberg-Dōjō. ©Bild: Elena Koblizek.

Mittlerweile gibt Diethard Leopold keine Anfängerkurse oder Seminare mehr; Interessierte sind aber jederzeit herzlich willkommen, sich das Training anzusehen. Ein Beitritt in den Verein erfolgt dann nach individueller Absprache. Dieses System gilt bei den meisten Vereinen und Gruppen und erleichtert einen spontanen Einblick in die Welt des japanischen Bogenschießens.

Im Verlauf unseres Gespräches stellt sich mir die Frage, ob es im österreichischen Kyūdō eigentlich viel Nachwuchs gibt. Begeistern sich auch junge Leute für den Bogensport? In folgendem O-Ton hören wir, warum Herr Leopold die Frage eher verneint.

 

Diethard Leopold ist nicht nur Vorsitzender des Kyūdō-Verbandes, sondern auch Präsident der Österreichisch-Japanischen Gesellschaft und trägt mit zahlreichen Veranstaltungen zu einem lebhaften Kulturaustausch zwischen Japan und Österreich bei. Beispielsweise hegt er großes Interesse für Nō (japanisches, traditionelles Theater) und so fanden bereits vereinzelt Nō-Workshops im Wienerberg Dōjō statt. Für sein Engagement wurde Diethard Leopold am 3. November 2018 von der japanischen Regierung der „Orden der Aufgehenden Sonne am Halsband“ verliehen. Für ihn eine Motivation und Freude mehr, weiterhin aktiv für die freundschaftlichen Beziehungen mit Japan tätig zu sein.

Kulturaustausch durch eine Kampfkunst: japanisch-österreichische Beziehungen in Wien

Pfeile und Pfeilhalter einer japanischen Studentin. ©Bild: Kobayashi Norio.

Durch eine neue Kollaboration mit der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien wird ab dem Frühjahr 2019 Kyūdō im Curriculum angeboten. Außerordentliche Studierende können demnach als Freifach Bogenschießen belegen, das Training wird im Wienerberg Dōjō stattfinden. Auch am Mozarteum Salzburg wird schon seit längerem Kyūdō angeboten. Das Training findet im Rahmen einer Lehrveranstaltung statt, die als freies Wahlfach in allen Studienrichtungen belegt werden kann.

Außerdem gibt es ein Schüleraustausch-Programm mit Japan auf dem Gymnasium der Stiftung Theresianische Akademie Wien. Hier hat vergangenes Jahr ein aktiver Schütze japanische Schüler*innen eingeladen, das Dōjō zu besuchen und dem Training beizuwohnen. So hatten sie die Gelegenheit, ein Stück eigene, japanische Kultur in Wien zu erleben.

Zu guter Letzt: Heutige Vereine in Österreich

Für jene, die sich das Langbogenschießen mal aus der Nähe ansehen möchten, gibt es hier den Link des Österreichischen Kyūdō Verbandes: //kyudoverband.at/.

Unter Links: „Gruppen“ sind die aktiven Vereine des Verbandes, deren Standorte und Webseiten mit Kontaktadresse aufgelistet.

 

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Es folgt: Pressetext (Verfasst November 2018)

Ein Schuss ins Schwarze: Über das japanische Langbogenschießen

Zum Kennenlernen und Praktizieren der japanischen Kultur gibt es in Wien bereits viele Jahre eine ganz besondere Möglichkeit: Kyūdō. Übersetzt bedeutet der Begriff etwa „der Weg des Bogens“ und bezeichnet das Schießen mit einem gut zwei Meter langen Bogen (ursprünglich aus Bambus, heute auch aus Fieberglas oder Carbon gefertigt) auf eine 28 Meter entfernte, schwarz-weiße Zielscheibe: das Mato.

Im alten Japan wurde das Bogenschießen nicht nur im Krieg, sondern auch bei feierlichen Ritualen am Hofe des Kaisers eingesetzt. So entwickelte sich über die Jahrhunderte hinweg eine Vielzahl an Schulen und Schießformen – kaum verwunderlich also, dass sich auch heute unterschiedliche Stile in Japan finden lassen. Eines haben sie aber gemeinsam: Kyūdō bezeichnet eine Kunst, die den Geist von Budō verkörpert. Übersetzen lässt sich Budō mit dem Wort „Kampfkünste“ und steht im Zusammenhang mit Bushidō, dem Weg des Kriegers. Zentraler Punkt des Schusses mit dem Bogen ist, sich selbst körperlich sowie geistig zu steigern. Vor allem der eigene Fokus steht im Mittelpunkt, mehr noch als das eigentliche Treffen des Ziels.

Der Bogen wird im unteren Drittel gehalten. ©Bild: Kobayashi Norio.

Österreichweit ist Kyūdō nicht nur in Wien zu finden, heutzutage wird auch beispielsweise in Graz, Linz oder Salzburg praktiziert. Ein reger Austausch besteht außerdem mit Lehrern von Kyūdōklubs an japanischen Universitäten, der bereits in den achtziger Jahren seinen Anfang nahm. Jährlich finden Kyūdō-Seminare statt, bei denen japanische Lehrer die Schützen und Schützinnen unterweisen, und gleichzeitig wurde es in den letzten Jahren japanischen Student*innen ermöglicht, Wien während Exkursionswochen kennenzulernen. So entwickelte sich mit der Zeit eine enge Freundschaft zwischen Japan und Österreich, verbunden durch das gemeinsame Bogenschießen.

Wie kam es aber nun dazu, dass Kyūdō seinen Weg nach Wien fand? Mit dieser Frage wird sich Elena Koblizek im Weiteren beschäftigen und einen Einblick in die österreichische Geschichte des Schießens mit dem japanischen Langbogen geben.

 

Text: Elena Koblizek

Elena Koblizek

Masterstudentin der Japanologie Wien, absolvierte ein Studienjahr an der Hosei Universität in Tokyo 2017/18, trainiert japanisches Langbogenschießen seit drei Jahren in Wien.

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