Interdisziplinäre Forschungsgruppe Jugendfürsorge in der NS-Zeit
 

Ziel des Forschungsvorhabens war es, die Praxis und die Folgen der Kinder- und Jugendfürsorge im Nationalsozialismus am Beispiel Wiens aufzuarbeiten.
Dabei wurde auf zwei verschiedenen Untersuchungsebenen gleichzeitig angesetzt:
auf einer biographischen und einer sozialgeschichtlichen Ebene.

Auf der biographischen Ebene steht zunächst die Traumatisierung von Kindern als unmittelbare oder auch mittelbare Folge fürsorgerischer Maßnahmen während der NS-Zeit im Vordergrund. Insbesondere interessiert dabei der Aspekt der psychischen Verarbeitung und Bewältigung.

  • Welche psychischen Mechanismen spielen dabei eine Rolle?
  • Gibt es so etwas wie „altersspezifische Traumatisierungen“?
  • Lassen sich Zusammenhänge zwischen Lebensalter, Intensität der Traumatisierung und Art bzw. Schweregrad psychischer Störungen im Erwachsenenalter zeigen?

Zudem soll auf dieser Untersuchungsebene aber auch ein Zugang zu Sichtweisen, Motiven und Verarbeitungsstrategien jener, die damals die Gesetze und Verordnungen im Fürsorgebereich exekutiert haben — FürsorgerInnen und ErzieherInnen — gefunden werden.

Auf der sozialgeschichtlichen Ebene geht es vor allem darum, das bislang noch kaum untersuchte Geflecht von institutionellen Zuständigkeiten und Kooperationen im System der Kinder- und Jugendwohlfahrt während der NS-Zeit zu entwirren. 

Publikation: Ernst Berger (Hrsg) Verfolgte Kindheit, Böhlau, 2007

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