Dieser Artikel erschien unter demselben Titel bereits in Brennos - Studia Celtica Austriaca Nr.2/1996


FÍS ADAMNÁIN - DIE VISION DES ADAMNÁN

von David Stifter, Universität Wien

Einleitung

Die Fís Adamnáin (Die Vision des Adamnán) gehört zur gattung der irischen visionsliteratur, die uns einigermassen reichlich überliefert ist, sowohl in der landessprache, als auch in latein1. Dabei sind einerseits als vertreter der gattung in irischer sprache eben die Fís Adamnáin zu nennen, sowie Scéla Laí Brátha (The Tidings of Doomsday), Scéla na Esérge (The Tidings of the Resurrection) und Tenga Bithnúa (The Evernew Tongue), andrerseits als beispiele in lateinischer sprache die Visio Tnugdali (Die Vision des Tundalus) und das Purgatorium Patricii2, die beide auch in Europa verbreitet waren, und von denen man annimmt, dass sie auch das bedeutendste visionäre werk des europäischen mittelalters beeinflusst haben, nämlich Dantes Divina Comedia. Ein beispiel für eine irische parodie der visionsliteratur stellt Aislinge Meic Con Glinne (The Vision of Mac Con Glinne) dar.

Im weiteren sinne müssen aber auch die seefahrergeschichten (immrama) als vertreter der visionsliteratur erwähnt werden, da diese, obwohl sie keinen ausschliesslich visionären charakter besitzen, dennoch visionen von himmel und hölle als episoden der handlung verwenden. Zu diesen geschichten gehören Echtrae Brain Maic Febail (The Adventure of Bran Mac Febail), Immram curaig Maíle Dúin (The Voyage of Máel Dúin's boat), Immram curaig Ua Corra (The Voyage of the boat of the Uí Chorra) und Immram Snedgusa ocus Maic Ríagla (The Voyage of Sned-gus und Mac Ríagla), wobei vor allem die letzten beiden erzählungen ganz starke einflüsse der visionsliteratur zeigen. Der bekannteste lateinische vertreter dieser gattung ist die Navigatio Sancti Brendani (Die Reise des Hl. Brendan)3.

Die sprache der Fís Adamnáin ist weit vom zustand des "klassischen" altirisch entfernt und muss wohl ins 10. oder 11. Jahrhundert, somit in mittelirische zeit, datiert werden. Die vision ist in drei handschriften überliefert: im Lebor na hUidre (LU - 11. Jh.), im Lebor Brecc (LB - spätes 14. Jh.)4, und in einer Pariser handschrift des 16. jahrhunderts5. Diese übersetzung beruht auf der version des Lebor Brecc, wobei an ganz unklaren stellen die LU-version zu rate gezogen wurde. Die LB-version unterscheidet sich von der des LU darin, dass die kapitel 1 und 30 offensichtlich "aufgebläht" wurden. An einigen stellen besitzt LB gegenüber LU offenkundig schlechtere lesarten, was ich in meiner übersetzung dadurch gelöst habe, dass ich an den betreffenden stellen jeweils in einer fussnote auf die bessere lesart von LU verweise.

Zu meiner übersetzung ist noch zu sagen, dass ich mich dabei bemüht habe, so nahe wie möglich am original zu bleiben (soweit das eben in ihrer struktur so unterschiedliche sprachen wie alt-, bzw. mittelirisch und deutsch zulassen), was an etlichen stellen dazu geführt hat, dass der stil der übersetzung für jemanden, der glatttes, modernes deutsch gewohnt ist, holprig und fehlerhaft erscheinen wird.

Allerdings war der oftmals stark nominale, copulalose stil des originals im deutschen so nicht wiederzugeben, ohne dem deutschen stilgefühl einige gewalt anzutun. Daher bin ich an den betreffenden stellen von der vorgabe, dem original möglichst wörtlich zu folgen, abgewichen und habe stillschweigend eine form von "sein" ergänzt, ohne dies weiter anzumerken.

Die im original lateinischen passagen habe ich in kursiver schrift belassen, ihre übersetzung jedoch in fussnoten hinzugefügt.

Die Fís Adamnáin trägt den namen Adamnáns, des 9. abtes von Iona, der von ca. 624 bis 704 lebte. Jedoch ist Adamnán nicht der autor der erzählung (dieser muss, wie bereits oben gesagt, im 10. oder 11. jahrhundert gelebt haben und ist uns weiter unbekannt), sondern er ist die hauptperson der erzählung, von deren angeblicher vision am Johannestag uns berichtet wird.

ET

Die Vision des Adamnán

Die Vision des Adamnán incipit6.

1.
Magnus dominus noster et magna uirtus eius et sapientiae eius non est numerus7. Erhaben und wunderbar ist der Herr, gross und staunenswert sind Seine kraft und Seine macht, die fülle Seiner weisheit und Seines grossen wissens hat weder grenze noch zahl. Suscipiens mansuetudos dominus humiliat hautem peccatores usque ad terram8. Denn der Herr9 lädt leute von barmherzigkeit und gnade und sanftmut und nachsicht zu sich in den himmel. Doch die unnütze schar der söhne der verdammnis beugt Er und wirft sie zur erde und in die hölle. Der Heilige Geist, der geist, von dem jeder trost und alle ratschläge für beide kirchen, die des alten und die des neuen testaments, stammt, ist der geist, der die gaben und geheimnisse der göttlichen gebote der kirche offenbart hat, das glaubensbekenntnis10 auf der ganzen welt, er ist der geist, der den könig und propheten, d.h. David, den sohn des Isa, zu diesen worten inspiriert hat, sodass er sagte11: Magnus dominus noster12. Gross und mächtig ist unser herrscher, der herr Jesus Christus, i.e. nemo potest ei dignam laudem afferre13. Es kommt nämlich von niemandem lobpreis, der Seinem werk angemessen wäre. Maior est omni laude uirtus qua condidit naturam rerum et sustinet molem grauem terram14. Denn Er übertrifft jeden lob durch die kraft und ewige macht, seit Er die natur erschaffen hat, und Er trägt die masse und die last der erde, ohne jede veränderung für sie. Et sapientiae eius non est numerus i.e. pater cognoscit qualitatem omium rerum15. Reich sind wissen und kenntnis des Herrn, nämlich, dass wie zahlreich und wie unterschiedlich die elemente auch sind, nichts an ihnen ist, was für Ihn im unklaren wäre. Suscipiens mansuetudos dominus i.e. humiles ad himaginem Dei legi non aduersantes16. Der Herr holt die frommen und sanften zu sich in Seine familie. Diese sind es, die in sich immer das abbild und ebenbild Gottes bewahren und die nicht gegen das gesetz der väter verstossen. Humiliat hautem peccatores i. est solos mansuetis contrarios scilicet immites, et ad promerendum scripturarum intellectum mansuetudinem carentes17. Die sünder aber erniedrigt er und macht sie gering. Und die besonders, die den sanften feindlich sind und denen ihre eigene hartherzigkeit und grausamkeit das verständnis des inhalts der heiligen schrift nimmt. Usque ad terram i. est usque ad sapientiam terrenarum uel usque ad sensus carnis18. Zu boden wirft Er sie, nämlich zur irdischen weisheit und zu den sinnen. Si igitur mansuetos i. est mites bona domini in terra uiuendum possessuros esse certum est, quid aliud peccatores isti i. est immites et non mansueti qui eis contrarii sunt nisi sempiterna supplicia in generibus suis possidebunt i.19 Wenn dann die fülle des himmlischen lohns den sanften und nachsichtigen bestimmt ist, was anderes wird es für die unsanften und für die unfrommen und für die unbarmherzigen geben als die fülle des sturms an ewigen qualen, den verschiedenen arten (ihrer sünden) entsprechend.

2.
Es ist eine (grosse) schar heiliger, gerechter und jünger des Herrn Jesus Christus, denen die geheimnisse und mysterien des himmelsvolkes und der goldene lohn der gerechten auf diese weise20 offenbart wurden, und denen auch die verschiedenen höllenqualen offenbart wurden samt den giften, die darin sind. Dem apostel Petrus wurde das viereckige gefäss offenbart, das vom himmel auf die erde kam mit vier stricken daran, und das süsser als jede musik anzuhören war. Der apostel Paulus wurde zum dritten himmel emporgehoben, damit er die unaussprechlichen worte der engel und die wunderbaren gespräche des himmelsvolkes höre. Weiters wurden noch die zwölf apostel am tag von Marias hinscheiden fortgetragen, damit sie die qualen und grässlichen foltern der ungerechten sähen, als der Herr den engeln des westens befahl, vor den aposteln die erde aufzutun, damit sie die hölle mit ihren vielen qualen erblicken und betrachten könnten, wie Er ihnen das Selbst kurz vor Seiner passion angekündigt hatte.

3.
Schliesslich wurde Adamnán Ó Tinne, dem grossen gelehrten der westlichen welt, das offenbart, was hier gelehrt wird, als seine seele am fest von Johannes dem Täufer seinen körper verliess, und als er zum himmelreich mit den engeln des himmels getragen wurde und zur hölle mit ihren gemeinen scharen. Nachdem sich die seele Adamnáns von seinem körper getrennt hatte, erschien ihm sofort sein persönlicher schutzengel, der menschliche gestalt besass, um ihn zuerst mit sich zur besichtigung des reiches des himmels zu bringen.

4.
Das erste land, das sie erreichten, war das land der heiligen. Ein fruchtbares, helles land ist dieses land. Dort gibt es verschiedene gemeinschaften voll wunder, mit mänteln aus scheinendem leinen um sie und mit glänzend weissen kapuzen auf ihren köpfen. Heilige der östlichen welt sind in einer eigenen gemeinschaft im osten des landes der heiligen. Heilige der westlichen welt im westen desselben landes. Heilige des nordens und südens der welt in zwei riesigen gemeinschaften im süden und norden. Und jeder heilige, der sich im land der heiligen befindet, ist nahe genug, um die musik zu hören und das gefäss zu betrachten, in dem sich die neun grade des himmels entsprechend der würde und der reihenfolge befinden.

5.
Das eine mal singen dann die heiligen wunderbare musik zum preis Gottes, das andere mal hören sie der musik des himmelsvolkes zu, denn die heiligen benötigen nichts anderes, als der musik zuzuhören, der sie zuhören, und das licht zu betrachten, das sie sehen, und sich an dem duft zu sättigen, den es in dem land gibt. Der wunderbare Herrscher ist in ihrem angesicht, im südosten von ihnen. Ein kristallener schleier ist zwischen ihnen und eine goldene terrasse im süden von ihnen, und durch diesen beobachten sie die gestalten und bewegungen des himmelsvolkes. Es herrscht jedoch keinerlei dunkelheit zwischen dem himmelsvolk und den heiligen, sondern dieses ist für sie von ihrer seite aus andauernd sichtbar und gegenwärtig. Ein feuriger kreis ist rund um dieses volk21, ein jeder (kann) hinein und hinaus, und es behindert keinen von ihnen.

6.
Die zwölf apostel und die jungfrau Maria (befinden sich) in einer eigenen gemeinschaft um den mächtigen Herrn. Die patriarchen und propheten und jünger Jesu Christi sind in der nähe der apostel. Weiters sind heilige jungfrauen zur rechten Marias und ein kleiner raum zwischen ihnen. Säuglinge und kleine kinder sind auf jeder seite um sie herum und vogelgesang des himmelsvolkes unterhält sie andauernd. Strahlende, flinke scharen von schutzengeln der seelen sind zwischen diesen gemeinschaften im angesicht des Königs andauernd dienstbar und hilfreich. Niemand auf der welt ist der beschreibung und erzählung dieser gemeinschaften mächtig, wie sie wirklich sind. Die scharen und die gemeinschaften aber, die sich im land der heiligen befinden, wie wir schon berichtet haben, ewig leben sie in dieser herrlichkeit bis zur grossen versammlung des Jüngsten Gerichts, bis ihnen der wahre richter am tag des urteils ihre plätze zuweist, von denen aus sie das angesicht Gottes ohne schleier dazwischen für immer betrachten können.

7.
Obwohl das licht und die helligkeit, die es im land der heiligen gibt, gross und gewaltig sind, wie wir schon berichtet haben, ist doch der glanz tausendmal gewaltiger, der das himmelsvolk um den thron des Herrn Selbst umgibt. Folgendermassen sieht der thron aus: ein schönverzierter sessel mit vier säulen aus edelstein darunter. Und wenn jemand keine andere unterhaltung hätte als den harmonischen wohlklang dieser säulen, hätte er genug an pracht und an vergnügen. Drei herrliche vögel sind ausserdem auf dem sessel im angesicht des Königs, ihr sinn durch alle zeiten auf ihren Schöpfer (gerichtet), denn das ist ihre berufung für immer. Sie feiern die acht kanonischen stunden mit preis und bewunderung des Herrn zusammen mit dem chorgesang der erzengel, die dabei noch dazu kommen. Die vögel und die erzengel beginnen die musik, und das ganze himmelsvolk, heilige männer und jungfrauen, antwortet dann darauf.

8.
Ein riesiger bogen (spannt sich) über dem Auserwählten auf Seinem königlichen thron, wie ein mächtiger helm oder wie ein königliches diadem. Wenn sterbliche augen ihn erblickten, würden sie sofort vergehen. Drei kreise umgeben Ihn weit ringsum mitten zwischen Ihm und der schar, und durch keinerlei beschreibung lässt sich ausdrücken, wie sie sind. Sechstausend krieger in der gestalt von pferden und vögeln sind um den feurigen thron, ohne ende und grenze in flammen.

9.
Den mächtigen Herrn, der auf diesem thron ist, zu beschreiben, ist niemandem möglich, ausser Er Selbst würde es unternehmen oder Er würde es den würdenträgern des himmels gebieten. Denn niemand anders könnte Sein feuer, Seine stärke, Seine glut, Seine lichtflut, Seinen glanz, Sein vergnügen, Seine freundlichkeit, Seine beständigkeit und die unmenge Seiner engel und Seiner erzengel schildern, die für Ihn singen. Seine unzähligen diener (eilen) von Ihm hin und her abwechselnd zu jeder schar mit kurzen botschaften über Seine zufriedenheit und Seine grosse milde für die einen, aber über Seine strenge und Seine härte für die andere gruppe der beiden.

10.
Wenn jemand um sich blickte, nach osten und westen, nach süden und norden, wird er auf jeder seite ein herrliches antlitz bemerken, siebenmal heller als die sonne. Er wird aber keine menschliche gestalt daran sehen mit kopf oder fuss, sondern es ist eine rotfeurige masse, ewig in flammen, und jeder (empfindet) davor zittern und furcht. Himmel und erde sind voll Seiner helligkeit und ein strahlen wie von einem königlichen stern umgibt Ihn weit. Dreitausend verschiedene lieder werden von jedem einzelnen chor um Ihn gesungen, und jedes lied von ihnen ist für sich so schön wie der reichtum der melodien der welt.

11.
Aber die stadt, in der sich der thron befindet, sieht folgendermassen aus: sieben kristallene mauern verschiedener farbe ringsherum, jede mauer höher als die andere. Die grundfläche und der unterste boden ist aus glänzendem kristall und hat die gestalt der sonne darauf.

12.
Ein sehr freundliches, sehr sanftes volk ohne mangel an irgendeiner tugend an ihnen bewohnt diese stadt. Denn niemand betritt oder bewohnt jemals diese stadt, ausser gottergebene heilige oder pilger oder büsser. (Was) aber ihre aufstellung und ihre anordnung (betrifft), ist es schwierig zu wissen, wie sie zustandegekommen ist, denn rücken oder seite keines von ihnen ist einem anderen (zugewandt), sondern es ist so, dass die unaussprechliche macht des Herrn sie in reihen und hohen kreisen mit angesicht zu angesicht aufgestellt und bewahrt hat, rings um den thron in einem kreis mit glanz und vergnügen und ihr aller gesicht Gott zugewandt.

13.
Ein chorgeländer aus kristall ist zwischen jeweils zwei chören mit bemerkenswerten verzierungen aus silber und gold darauf. Drei edelsteine mit sanftem klang und wohltönender musik sind zwischen jeweils zwei hauptgemeinschaften und ihre oberen hälften sind brennende lampen. Siebentausend engel erleuchten und erhellen in der gestalt von allerersten kerzen die stadt rundherum, siebentausend andere stehen genau in ihrer mitte durch alle zeiten hindurch in flammen, in der ganzen königsstadt. Den männern der welt an einem ort (versammelt), und mögen sie noch so zahlreich sein, würde der duft einer einzigen kerze dieser kerzen als nahrung ausreichen.

14.
Aber jeder der menschen der welt, die diese stadt (unmittelbar) nach ihrem leben nicht erreichen, denen sie aber als wohnort nach dem urteil des Jüngsten Gerichts zugeteilt wurde, muss an folgenden orten unbeständig und rastlos hausen, (nämlich) auf höhen und hügeln, in sümpfen und mooren bis zum Jüngsten Gericht.

Und so sind die scharen und gemeinschaften, und die schutzengeln einer jeden einzelnen seele sind unter ihnen und dienen und warten ihnen ehrbietig auf. Ein schleier aus feuer und ein schleier aus eis empfangen sie am haupteingang der vor ihnen liegenden stadt und schlagen für alle zeiten hindurch gegeneinander. Der lärm und der aufruhr dieser schleier wird auf der ganzen welt gehört. Der same Adams würde, wenn sie diesen lärm hörten, ganz zittern und unerträgliche furcht davor bekommen. Kläglich und verstört sind die sünder bei diesem laut. Wenn man allerdings auf der seite des himmelsvolkes ist, hört man von diesem rauhen donner nur ganz wenig, und dabei ist er süsser als jede musik.

15.
Gewaltig und ungewohnt ist es, über die anlage der stadt zu erzählen, denn es ist nur wenig von vielem, was wir von ihren verschiedenen anordnungen und wundern berichtet haben.

Doch nur selten (findet) eine seele nach ihrem verkehr und zusammenleben mit dem körper, mit seinem schlaf und seinem wohlstand und seiner trägheit, den weg zurück zum thron des Schöpfers, ausser sie geht unter der führung eines engels, denn das erklimmen der sieben himmel bietet eine unmenge an schwierigkeiten, denn keiner von ihnen ist leichter (zu erreichen) als ein anderer. Sechs bewachte tore erwarten die menschliche rasse vor dem himmelreich. Und ein wächter und torwärter aus dem himmelsvolk ist aufgestellt, jedes tor von ihnen zu bewachen. Dem himmelstor, das am nächsten vom diesseits aus ist, ist der Erzengel Michael und zwei jungfrauen in seiner begleitung vorgesetzt, mit eisernen ruten in ihrem schoss, um die sünder zu peitschen und zu prügeln, damit die sünder dort dem ersten tadel und der ersten marter auf dem pfad, den sie beschreiten, begegnen.

16.
Für das zweite himmelstor ist der Erzengel Uriel der wächter, und zwei jungfrauen sind in seiner begleitung mit feuergeisseln in ihren händen, und mit diesen peitschen sie die söhne des todes über gesicht und augen. Vor diesem tor befindet sich ein feuriger strom mit gewaltigen flammen darin. Abersetus ist schutz- und wachengel des stroms. Dieser strom prüft und läutert die seelen der heiligen von genau der menge an schuld, die an ihnen haftet, damit sie den gleichen glanz und die gleiche helligkeit wie der schein eines sterns erreichen. Dort befindet sich auch ein funkelnder quell voll sanftheit und wohlgeruch, um die seelen der gerechten zu waschen und zu reinigen. Die seelen der sünder jedoch verfolgt und verbrennt er, und er verringert ihnen nicht ihre pein, sondern er vergrössert noch die qual, die sie dort haben. Die sünder kommen schliesslich von dort mit trauer und grossem trübsinn heraus, die gerechten aber (kommen) mit freude und fröhlichkeit zum dritten himmel.

17.
Ein feuerofen (steht) dort andauernd in flammen. Zwölftausend ellen, (soweit) reicht die flamme in die höhe. Aber die seelen der gerechten kommen in einem augenblick durch diesen ofen. Die seelen der sünder jedoch verbleiben bis zum ende von zwölf jahren dort, bis sie der schutzengel zum vierten tor bringt. Das eingangstor des vierten himmels ist folgendermassen: ein feuriger strom rundherum wie der vorige strom. Eine bleierne wand in flammen umgibt es, und die breite des feuers misst zwölftausend ellen. Die seelen der gerechten schreiten jedoch hindurch, als ob sie überhaupt nicht da wäre, und die seelen der sünder werden dort für einen zeitraum von zwölf jahren in jammer und in grosser qual festgehalten, bis der schutzengel sie zum tor des fünften himmels bringt.

18.
Noch einen feurigen strom gibt es dort, aber der ist verschieden von den anderen strömen, denn mitten in dem strom ist ein eigentümlicher strudel, der die seelen der sünder im kreis dreht und sie bis zum ende von zwölf jahren festhält. Die gerechten jedoch kommen ohne zögern hindurch. Wenn es zeit ist, die sünder daraus zu entlassen, schlägt der engel den strom mit einer harten rute mit dem wesen eines löwen, um die seelen mit dem ende der rute herauszuziehen. Michael trägt die seelen dann zum tor des sechsten himmels, und den seelen wird an diesem tor keine pein oder tortur zugewiesen, sondern sie werden dort vom licht und glanz der edelsteine angestrahlt. Michael kommt dann zum engel der Dreifaltigkeit, damit sie die seele auf beiden seiten (begleitet) vor dem Schöpfer präsentieren.

19.
Gewaltig und unbeschreiblich ist da die freude des himmelsvolkes und des Herrn Selbst über die seele, wenn sie die eines schuldlosen gerechten ist. Aber wenn die seele ungerecht und unvollkommen ist, trifft sie strenge und härte beim mächtigen Herrn an. Und dixit22 zu den engeln des himmels: Hanc animam multo peccantem angelo Tartari tradite et demergat eam in infernum.23 Nehmt, engel des himmels, diese unfromme seele mit euch und übergebt sie den händen Lucifers, damit er sie im abgrund der hölle hinfort versenke und ersticke.

20.
Dort werden dann die unseligen seelen schrecklich und grausam vom anblick des himmelreiches und des antlitzes Gottes getrennt. Dort ist es auch, dass sie vom schutz der erzengel getrennt wird, von dem sie ins himmelreich gebracht worden ist. Dort gibt sie auch einen seufzer von sich, der schwerer als jeder seufzer ist, wenn sie in das angesicht des Teufels tritt, nachdem sie das glück des himmelsvolkes gesehen hat. Dann verschlingen zwölf feurige drachen neunmal24 einer nach dem anderen die seele, bis der unterste drache sie von sich in das maul des Teufels wirft. Dort trifft sie dann jedes übel in fülle an mit dem fehlen jeglichen guten im angesicht des höllenvolkes durch alle zeiten hindurch.

21.
Als der schutzengel der seele Adamnáns diese visionen des himmelreiches und was mit jeder seele als erstes nach dem verlassen des körpers geschieht, gezeigt hatte, nahm er (ihn) anschliessend mit sich, um die unterste hölle mit der unzahl ihrer qualen und martern zu besuchen.

Das erste land, das sie antrafen, ein schwarzes, dunkles land, ist nackt und verkohlt ohne irgendwelche qualen dort. Ein tal voller feuer ist jenseits davon. Es gibt eine flamme, dass sie über die ränder auf beiden seiten hinausgeht. Der boden (des tals) ist schwarz, die mitte und der obere teil rot. Acht ungeheuer sind dort, ihre augen wie feuergluten.

22.
Eine gigantische brücke (spannt sich) über dieses tal. Sie geht vom einen rand zum anderen, in der mitte hoch, ihre enden aber niedrig. Drei scharen versuchen sie zu betreten, und nicht alle können darüber gelangen. Für eine schar von ihnen ist die brücke von anfang bis ende breit, sodass sie unversehrt und ohne furcht über das feurige tal gelangen. Für die zweite schar aber, die sie betritt, ist sie schmal am anfang, breit am ende, sodass sie genauso über dasselbe tal gelangen. Für die letzte schar jedoch ist sie am anfang breit, aber schmal und eng am ende, sodass sie in der mitte in eben dieses gefahrenreiche tal stürzen in die rachen jener acht lodernden ungeheuer dort, die in dem tal ihre behausung haben.

23.
Die menge aber, für die der weg einfach war, sind die keuschen und die frommen büsser und die gottergeben das rote martyrium (erlitten haben). Die gruppe aber, für die der weg anfangs eng, dann aber breit war, sind die menge derer, die unter zwang dazu gebracht werden, Gottes willen zu erfüllen, aber die anschliessend ihren zwang in freiwilligen dienst für den Herrn verwandeln. Am anfang breit und eng am schluss war die brücke jedoch für die sünder, die die lehre von Gottes wort zwar hören, sie aber darauf nicht erfüllen.

24.
Weiters gibt es riesige scharen jenseits davon in schmerzensnot im land der kühle. Und abwechselnd ebbt die pein einmal von ihnen zurück, und kommt dann wieder über sie. In dieser qual befindet sich die menge derer, bei denen gut und übel gleich schwer wiegen. Und am tag des Jüngsten Gerichts wird unter ihnen geurteilt, und was an ihnen gut ist, wird ihr übel an diesem tag auslöschen, und sie werden in den hafen des lebens gebracht werden im angesicht des antlitzes Gottes durch alle zeit hindurch.

25.
Weiters ist dort eine andere riesige menge in der nähe dieser gruppe, und ihre qual ist gewaltig. Und zwar sind sie an eine feuersäule gefesselt. Eine feuerwand geht bis an ihr kinn. Feuerketten um ihre mitte in der gestalt von schlangen. Ihre gesichter brennen aus lauter schmerz. In dieser schweren marter befinden sich sippenmörder, leute, die kirchen Gottes zerstören, das heisst25 unbarmherzige klostervorsteher, die im angesicht der reliquien der heiligen die abgaben und den zehent Gottes verwalten, doch sie machen eher aus den schätzen persönlichen besitz, als einen für die gäste und bedürftigen des Herrn.

26.
Dann gibt es dort grosse scharen, die immer bis zu ihrem gürtel in schwarzen tümpeln stehen. Kurze kutten aus eis (haben) sie um. Ohne unterbrechung und ohne pause für alle zeiten versehren ihre gürtel sie abwechselnd mit kälte und hitze. Dämonenscharen sind um sie herum mit feurigen klumpen in ihren händen, die sie ihnen an den schädel werfen, während sie sie ewig anflehen. Alle gesichter der unglücklichen sind nach norden (gerichtet), und ein scharfer, schneidender wind (bläst) ihnen ins gesicht, zusammen mit allem anderen unglück. Rote feuerschauer regnen jeden tag auf die herab. Und sie können diesen nicht entkommen, sondern müssen sie in alle ewigkeit hin mit weinen, jammern und klagen ertragen.

27.
Einige von ihnen (haben) ströme von feuer in den höhlen ihrer gesichter, andere nägel durch ihre zungen, andere nägel von aussen durch ihre schädel. In dieser marter befinden sich geizhälse und leugner ohne liebe und zuneigung zu Gott, diebe und meineide26, und leute, die verrat und verunglimpfung und plünderung und raub begangen haben, richter, die falsch geurteilt haben, und streitsüchtiges volk, zauberkundige frauen und satiristen, räuber und gelehrte leute, die dem ketzertum nachgehen. Es gibt dort noch eine andere grosse gruppe inmitten dieses feuermeers. Um sie ist eine silberne mauer aus ihren kleidern und ihren almosen. Diese gruppe zeigt barmherzigkeit ohne nachlässigkeit, und sie verharrt nichtsdestoweniger in trägheit und in sorge27 bis an die grenze des todes, und ihre almosen sind ihnen ein beistand inmitten des feuermeeres bis zum Jüngsten Tag, und sie werden nach dem Jüngsten Tag zum hafen des lebens gesandt.

28.
Andere gruppen gibt es dort, und sie haben rote, feurige mäntel an. Ihr zittern und ihr schreien hört man bis zum firmament. Und dämonenscharen ohne zahl würgen sie, und stinkende, halbverrohte hunde haben sie in ihren händen, die sie auf sie hetzen, um sie zu fressen. Rotfeurige halsbänder stehen ewig um ihren hals in flammen. Einmal werden sie bis ans firmament emporgerissen, ein andermal wieder auf den grund der hölle geschleudert. Säuglinge und kleine kinder zerschneiden und zerfleischen sie andauernd von allen seiten. In dieser marter befinden sich leute geistlicher orden, die ihre orden(sregeln) überschritten haben, und die heuchler und die verführer, die die mengen verführen und verderben und die von sich wunder und mirakel behaupten, zu denen sie gar nicht fähig sind.

29.
Eine andere riesengrosse gruppe ist dort, ohne unterbrechung (ziehen sie) nach osten und nach westen über die feurigen platten hinweg, um gegen die dämonenscharen zu kämpfen. Unmengen an rotflammenden pfeilschauern (gehen) von den dämonen auf sie (nieder), und ohne unterbrechung und rast rennen sie, bis sie schwarze seen und schwarze flüsse erreichen, um die pfeile darin auszudämpfen. Tränenreich und elend sind die wehklagen, die die sünder an diesen wassern von sich geben, denn es ist bloss steigerung der pein, die sie davon erhalten. In dieser marter befinden sich handwerker und wollkämmer und verworfene händler, richter der Juden, die falsche urteile gegeben haben, und unfromme könige, perverse klostervorsteher, ehebrüchige frauen und boten, die sie mit ihren untaten vernichten, und satiristen. Jenseits des landes der qualen ist eine feuerwand, siebenmal fürchterlicher und grausamer ist sie, als das land der qualen selbst. Allerdings hausen bis zum Jüngsten Tag dort keine seelen, denn es ist alleine das gebiet der dämonen bis zum tag des gerichts.

30.
Und wehe, wer sich in diesen martern befindet in gemeinschaft mit dem teufelsvolk! Wehe, wer sich nicht vorgesehen hat vor diesem volk! Wehe, wem ein grimmiger, ungeduldiger dämon zum herrn gesetzt ist! Wehe, wem ein gemeiner, scharf-grausamer dämon zum schwarzen, heftigen herrn gesetzt ist, elendes, kummervolles wehklagen, starker jammer ohne unterbrechung, ewige kälte und hunger haben sie auf einmal. Wehe, wer dem jammern und wehklagen der seelen zuhört bei ihrem elend und ihrem flehen zum Herrn, dass der tag des Jüngsten Gerichts bald zu ihnen kommen solle, damit sie sähen, ob sie irgendeine erleichterung ihres urteils fänden, denn sie finden keine rast bis zum Jüngsten Tag ausser drei stunden jeden sonntag. Wehe, wem dieses land unveräusserlicher umgang sein sollte für ewige zeit! Dieser ort ist folgendermassen: dort gibt es hohle, dornige gebirge; kahle, brennende felder; schwarze, feurige täler; dunkelrote, zerklüftete hügel; tiefe, übelstinkende tümpel; grosse, dornige moore; schmutzige, ewig finstere pfade; kurzes, spitzes gras; schlüpfrige, feurige felsen, scharf und spitz wie rasiermesser; rasende, brennende, beissende, rauhe winterwinde; rote feuerschauer; bittere, ewige schneefälle, beissend, rauh, brennend, zerfleischend, dunkler als finstrer winter, kälter als ewiger schnee, heisser als riesenfeuer, bitterer als gift. Faule seen voller ungeheuer; kalte, rauhe, windige inseln, hohl, stinkend, flammenlodernd. Rauher, sandiger boden, dabei schlüpfrig, glatt, moorrot, schwarz, finster, rauchüberzogen, felsig, hügelig, hartflammend, dabei buckelig, vom frost vereist, mit hagel wie feuersteine. Breite, feurige steinplatten (liegen) mitten an diesem ort, dabei lodernd, brennend, sodass eine einzige der platten die ganze welt verbrennen könnte. Grosse, giftige, übelstinkende meere mit schrecklichen stürmen, mit drachen, mit locken28 von feuer darauf, mit vielen anderen verschiedenen ungeheuern in diesem meer, mit vier verschiedenen arten von feuer: schwarzes nämlich, versengtes, rauchendes feuer; rotes, düsteres, flinkes, zerfleischendes, vollzehrendes feuer; grünes, fürchterliches, scharfes, verzehrendes feuer, scharf wie ein rasiermesser; rotes, überaus verzehrendes, überaus grosses feuer mit strömen von gift. Weiters gibt es dort gebirge von gewaltigem feuer, und dort gibt es auch rote, sehr grosse, zugespitzte, eiserne nägel, die dabei noch eng aneinander stehen, sehr dick, die alle gleich scharf zugespitzt und gleich hoch sind, an der spitze eines jeden einzelnen nagels mit gift benetzt, sodass das gift eines jeden nagels davon die männer der welt vernichten und verbrennen würde, sodass die riesige, unvergleichbare schar der dämonen über die unglückselige seele lacht, dass sie die seele mit sich in den abgrund der hölle schleppen. Mit roten, feurigen geisseln in ihren händen, und sie haben halbverrohte, stinkende hunde, die sie auf die seelen der sünder hetzen, auf die sie mit den feuergeisseln einschlagen, bis sie bitter und scharf schreien und brüllen und heulen. Und es kommt vor, dass die planeten des himmels und die gestirne und das firmament und alle elemente voll sind vom riesigen klagelärm, den die seelen der sünder unter den händen und pranken dieser unsterblichen feinde, nämlich des Teufels mit seiner gemeinen schar, machen, und dass sie sie danach mit sich tragen auf feurige hügel und in schwarze, finstere, tiefe, riesige, rauchverhüllte täler der düsteren, dusteren, verderblichen, untersten hölle auf kahle, versengende steinplatten und in ströme verschiedenster feuer, was wir schon erzählt haben. Vier riesige ströme gehen mitten hindurch, nämlich ein strom von rotseitigem feuer, ein strom von ewigrotem schnee mit eisplatten, ein strom von tödlichem gift, ein strom von schwarzem, finsteren, unsüssem wasser, und in diesen baden sich die heftigen scharen der dämonen im anschluss an ihre fest- und sporttage des seelenpeinigens.

31.
Wenn aber die heiligen scharen des himmelsvolkes den harmonischen chorgesang der acht kanonischen stunden freudig und frohmütig beim Grossherrn29 singen, stossen die seelen der sünder elende, klägliche schreie aus, während sie ununterbrochen von den haufen der dämonen geschunden werden. Das sind die qualen und schweren foltern, die der schutzengel der seele Adamnáns nach dem besuch des himmelreiches offenbarte. Danach wurde die seele in einem augenblick durch die goldene terrasse und durch den kristallenen schleier zum land der heiligen gebracht; das ist das erste land, zu dem sie gebracht worden war, als sie ihren körper verlassen hatte. Als sie sich entschloss, zu verweilen und in diesem land zu bleiben, hörte sie danach durch den schleier die stimme des engels, der ihr befahl, in denselben körper zurückzukehren, den sie verlassen hatte, und auf versammlungen und treffen von laien und klerikern von den belohnungen des himmelsvolkes und den qualen der hölle zu erzählen, wie sie ihr der schutzengel offenbart hatte.

32.
Und das ist es auch, was Adamnán zu predigen pflegte, solange er am leben war. Und das ist auch die predigt, die er in der grossen versammlung der männer Irlands hielt, bei der das gesetz Adamnáns unter den Gälen eingeführt wurde, und bei der den frauen von Adamnán und Finnachta Fledach mac Donchada maic Aeda Slaine, dem könig Irlands, und von den anderen männern Irlands der status freier personen zuerkannt wurde. Denn bis zur einführung von Adamnáns gesetz pflegten männer und frauen gleichermassen in schlachten und kämpfe zu ziehen. Das ist auch das, was Pátraic mac Calpuirn30 als allererstes zu predigen pflegte, indem er nämlich den leuten vom lohn des himmels und den qualen der hölle erzählte, die an den Herrn glaubten. Und das ist es auch, was Petrus und Paulus und die übrigen heiligen apostel am häufigsten machten. Das ist weiters die predigt, die Silvester, der bischof von Rom, Konstantin mac Elena31, dem könig der welt, in der grossen versammlung hielt, in der er Rom Petrus und Paulus anvertraute.

33.
Und das ist es auch, was Elias den seelen der gerechten predigt, und zwar unter dem baum des lebens im Paradies. Sobald Elias das buch öffnet, um zu predigen, kommen die seelen der gerechten in der gestalt hellstrahlender vögel von allen seiten dorthin zu ihm. Er erzählt ihnen dann am anfang vom lohn für die gerechten, dem vergnügen und der lust des himmelreiches, und sie sind währenddessen fröhlich. Dann aber erzählt er ihnen von den qualen und foltern der hölle und der zerstörung des tags des Jüngsten Gerichts, und der ausdruck von sorge und schmerz ist dabei offensichtlich an ihm und an Enoch, sodass das die zwei sorgen des himmelreiches sind. Dann legt Elias das predigtbuch von sich, die vögel jedoch geben gewaltige klageseufzer von sich und legen ihre flügel ganz eng an ihre körper, bis ströme von blut aus ihnen kommen aus jammer über die qualen der hölle und des tages des Jüngsten Gerichts.

34.
Wenn aber schon die seelen der gerechten und der heiligen, denen das himmelreich als ewige wohnung zugeteilt ist, diese wehklage von sich geben, dann wäre es für die menschen der welt nur richtig, auch wenn es unter tränen aus blut wäre, dass sie (das) aus furcht vor dem tag des Jüngsten Gerichts machten. Und es wird unzähliges unglück und grosse trauer an diesem tag geben, dem tag des Jüngsten Gerichts. An diesem tag wird es sein, dass der Herr jedem einzelnen menschen auf der welt geben wird, was ihm zusteht, qualen hat er für die sünder, lohn jedoch für die gerechten. Und sie werden so in den abgrund der ewigdauernden qualen gesteckt, dass das schloss von Gottes wort sie unter dem fluch des richters des Jüngsten Tages einschliesst. Aber die heiligen und die gerechten, das volk von gnade und barmherzigkeit wird zur rechten Gottes getragen, zur ewigen wohnung. Dann werden sie in grosser herrlichkeit in einheit der göttlichkeit und der menschlichkeit des Gottessohnes sein, in der einheit, die höher als jede einheit ist, in der einheit der heiligen Dreifaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Halleluja der gnade Gottes durch die fürbitte Adamnáns etc.


Anmerkungen:

1Hier wie Myles Dillon in "Early Irish Literature" nur texte in irischer sprache zu betrachten, macht keinen sinn, da aufgrund der engen verflechtung von lateinischer bildung und einheimischer tradition in Irland beide sprachen eine unteilbare einheit in der irischen literaturgeschichte konstituieren.

2 Das Purgatorium Patricii wurde zwar von einem englischen mönch verfasst, beschreibt allerdings eine in Irland gesehene vision.

3 Eine übersetzung der Navigatio Sancti Brendani findet sich in Brennos -1, 1995.

4 Beide parallel ediert von Windisch in Irische Texte I, 165 ff.

5 ed. Vendryes, RC 30, 349 ff.

6 ...beginnt

7 Gross ist unser Herr und gross ist Seine kraft und Seine weisheit ist ohne zahl.

8 Die sanften nimmt der Herr auf, die sünder erniedrigt Er aber bis zur erde.

9 Allerdings steht hier offensichtlich ein akkusativ im text.

10 Übersetzung unsicher

11 Übersetzung sehr unsicher.

12 Gross ist unser Herr.

13 d.h. niemand kann Ihm würdigen preis darbringen.

14 Grösser als jeder preis ist die kraft, durch die er die natur erschuf und die Erde, die schwere last, trägt.

15 Und Seine weisheit ist ohne zahl, d.h. der Vater kennt die eigenschaft aller dinge.

16 Er nimmt die sanften auf, d.h. die niedrig sind und im ebenbild Gottes nicht gegen das gesetz verstossen.

17 Er erniedrigt die sünder, d.h. nur die den sanften feindlichen, nämlich die unsanften, und die der sanftheit entbehren, das verständnis der schrif-ten zu erlangen.

18 Bis zur erde, d.h. bis zur weisheit der irdischen, bzw. bis zu den fleischlichen empfindungen.

19 Wenn es also klar ist, dass die sanften, d.h. die milden die güter des Herrn besitzen werden, um auf der welt zu wohnen, was werden dann diese sünder, d. h. die unmilden und unsanften, die diesen feindlich gesonnen sind, anderes besitzen als ewige strafen in der jeweils passenden art, d.h...

20 nämlich in einer vision, in einer apokalypse, d.h. offenbarung

21 richtig in LU: um dieses land

22 ... er sagte...

23 Diese vielsündigende seele gebt dem engel des Tartarus und er soll sie in der hölle versenken.

24 übersetzung unsicher

25 oder mit LU: "und"

26 eher: meineidige

27 oder eher mit LU: "in luxus"

28 = wellen (?)

29 wohl eher mit LU als "zum preis des Herrn" zu lesen

30 d.h. der hl. Patricius

31 d.h. dem kaiser Konstantin