"To consume is to make more sense of the world where all that is solid melts into air"
(García Canclini 2001:42)

Ecuadorianische Frau bei der Bananenernte

Schlagwörter wie die "Konsumgesellschaft" oder "Konsumsucht" dominieren die Analysen westlicher Lebenswelten. Sie drücken die Allgegenwärtigkeit und Vielfältigkeit der Konsummöglichkeiten in kapitalistisch organisierten Gesellschaftszusammenhängen aus.

Über Konsum in einem weltweit relevanten Rahmen nachzudenken bedeutet jedoch mehr:

  • In den vielen verschiedenen, weltweit existierenden Gesellschaftsformen wird Konsum in sehr unterschiedlicher Weise praktiziert und definiert.
  • Deshalb ist es von Bedeutung, in einem ersten Schritt die sprachliche Definition des Wortes "Konsum" zu beleuchten.
  • Die Analyse derselben weist auf eine praxisbezogene, ökonomisch geleitete Kontextualisierung des Begriffs hin und gleichzeitig auf die Bedeutung von Bedürfnissen und Präferenzen für gesellschaftliche Konsumgewohnheiten.
  • Kultur- und sozialanthropologische Diskurse zu Konsum betonen verstärkt — unter Bezugnahme auf die Unterschiedlichkeit kultureller Kontexte weltweit — die soziale und kulturelle Dimension von Konsum. Sie beschreiben Konsum als "Ausdruck von Lebensgestaltung" (Spittler 2002) und als identitätsstiftend für die Ausbildung von Klassenbewusstsein innerhalb einer Gesellschaft.
  • Gleichzeitig fungieren der Konsum und mit ihm verbundene kulturelle Praktiken als Abgrenzungskriterien von Menschen untereinander ("markers of differences"). Als bedeutende Autoren sind hier u. a. Néstor García Canclini oder Arjun Appadurai zu nennen. Sie diskutieren in ihren Studien Fragen zur sozialen Bedeutung von Tauschbeziehungen, zu daraus resultierenden gesellschaftlichen Machtbeziehungen und die Bedeutung von Politik und Wissen in diesem Kontext.
  • Kulturwissenschaftliche Diskussionen beschäftigen sich seit den 1980er Jahren mit weltweiten Veränderungen und der Bedeutung von Konsum in Zeiten der Globalität. Die weltweit zu beobachtende Vereinheitlichung von Konsummöglichkeiten und gleichzeitig eine lokale Vielfältigkeit von Konsumgewohnheiten werden dabei ins Blickfeld gerückt. Die diesen aktuell stattfindenden Prozessen vorangegangenen historischen Entwicklungen  müssen dabei in eine Analyse von Konsum einbezogen werden.
  • Daraus entsteht ein breiterer Konsumbegriff, über den umfassendere Analysen gesellschaftlicher Zusammenhänge möglich werden.

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