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up 5 Neomarxismus
up 5.3 VertreterInnen in den USA
up 5.3.1 Eric Wolf
up 5.3.1.1 "Die Völker ohne Geschichte" Kulturelle Verflechtungen und Politische Ökonomie
up 5.3.1.1.2 Menschen und Ökonomien im weltweiten "Geflecht von Zusammenhängen"
up 5.3.1.1.2.4 Warenströme

5.3.1.1.2.4.3 Der Kautschukboom im Amazonasgebiet

Die Warenströme im 19. Jahrhundert beinhalteten auch pflanzliche Produkte für gewerbliche Zwecke. Dazu zählte der Kautschuk, der als industrieller Grundstoff nach der Erfindung der Vulkanisierungstechnik (1839) zuerst zur Herstellung von Regenmänteln, Schuhen, Fahrradreifen, Präservativen und anderen Bedarfsartikeln diente. Später wurde Kautschuk im Bereich des Eisenbahn- und Maschinenbaus, als Isoliermaterial in den neuen Brachen der Elektroindustrie und schließlich in der Automobilindustrie verwendet (Wolf 1991: 453).

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Kautschuk

(das Harz des Baums Hevea Brasliliensis) wurde während des größten Teils des 19. Jahrhunderts von wild wachsenden Bäumen in den tropischen Regenwäldern des Amazonasgebiets gezapft. Der Kautschukboom - die intensive Ausbeutung dieser natürlichen Ressource - begann in der Mitte des 19.Jahrhunderts, erreichte seinen Höhepunkt zwischen 1880 und 1910 und kam um 1920, nach der Ausbreitung der Kautschukplantagen in Malaysia und Indonesien zum Erliegen. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Kautschuk als Rohmaterial zum Großteil durch Kunststoffe abgelöst.

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Kautschukbearbeitung und Transport im Amazonasgebiet.

Kautschuk wurde im Amazonasgebiet von Indianern und Siedlern gesammelt, in lokalen Manufakturen aufbereitet (eingedickt), von Großhändlern ("Kautschukbaronen") aufgekauft und nach Europa transportiert. Alle Akteure waren miteinander in einem ausgedehnten Produktions- und Zirkulationsnetz verbunden: Großhändler bzw. Handelshäuser statteten regionale Händler mit einem Vorschuss (Geld, Handelswaren) aus, der durch die entsprechenden Mengen an Kautschuk abgegolten werden musste. Das Prinzip setzte sich (mit immer schlechter werdenden Konditionen) bis zu den Kautschuksammlern fort und etablierte ein brutales System von Schuldknechtschaft und Zwangsarbeit.

Der Kautschukboom hatte weitreichende Folgen für die Bevölkerung des Amazonasgebiets, er wird von Santos-Granero (1996) als zweite Welle der Kolonisation bezeichnet (nach Conquista und Missionsherrschaft im 17. und 18 Jahrhundert). Die Auswirkungen auf indianische Gemeinschaften umfassen eine große Bandbreite von Phänomenen:

  • Genozid (etwa in der Region des Rio Putumayo in Kolumbien)
  • Zwangsumsiedlungen (z.B. Quechua in Ecuador und Peru)
  • Hungersnöte (durch die erzwungene Vernachlässigung der Subsistenztätigkeiten)
  • massiver Bevölkerungsrückgang durch eingeschleppte Krankheiten
  • großräumige Migrationsbewegungen
  • interethnische Konflikte
  • Aneignung von neuen Gütern
  • kulturelle Hybridisierung
  • Genese neuer kultureller und sozialer Gefüge
  • verschiedene Transformationen der bestehenden sozialen und ökonomischen Ordnung einzelner Gruppen

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