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up 4.1.1 Émile Durkheim

4.1.1.6 Typologischer Evolutionismus: Organische und mechanische Solidarität

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Aus den Überlegungen über die Arbeitsteilung heraus werden für Durkheim die Unterschiede zw. säkular und sakral wesentlich und wichtig. Für ihn hängt die Säkularisierung - ähnlich wie für Max Weber - mit der Industrialisierung zusammen.

Durkheim vergleicht die in hohem Maße auf Arbeitsteilung beruhenden industrialisierten und säkularisierten Gesellschaften des Westens mit nicht-säkularisierten und weniger stark auf Arbeitsteilung hin orientieren Gesellschaften der damaligen Kolonien.

  • Die intensive Arbeitsteilung ergibt in unserer Gesellschaft durch ihr bloßes Vorhandensein ein Aufeinander-angewiesen-Sein der einzelnen Individuen, sie wird somit zum "Kitt", der die Gesellschaft zusammenhält. Die Arbeitsteilung schafft laut Durkheim eine "organische Solidarität". Konsens resultiert aus einer Differenzierung der einzelnen Mitglieder, die einander nicht ähnlich, aber aufeinander angewiesen sind. In Analogie zum menschlichen Organismus haben die einzelnen Teile der Gesellschaft wie menschliche Organe jeweils verschiedene Funktionen, die nur in ihrer Gesamtheit ein Ganzes bilden.
  • Durkheim argumentiert nun, dass der Zusammenhalt in Gesellschaften, die nicht auf einer derartig intensiven Arbeitsteilung aufbauen, in der die einzelnen Mitglieder oder kleinere Einheiten alle Arbeiten gleichermaßen verrichten und daher nicht auf andere angewiesen sind, durch etwas anderes gewährleistet werden muss. Der gesellschaftliche Konsens wird über die Religion hergestellt. Durkheim nennt dies "mechanische Solidarität".
Während viele Fragestellungen in diesem Zusammenhang weiterhin Relevanz haben, entspricht der typologische Evolutionismus, der in diesem Ansatz zum Ausdruck kommt, zwar der Theorienbildung seiner Zeit, ist aber heute in dieser Form überholt.

Eine deutliche Unterscheidung zwischen sakralen, nicht-industriellen Gesellschaften und säkularen Industriegesellschaften ist nicht möglich. Die gegenwärtige Industriegesellschaft kann keineswegs als ausschließlich säkular betrachtet werden, Weltbild und Religion stellen auch hier und heute handlungsleitende Wertsysteme dar.

Die essentielle Unterscheidung zwischen "primitiven" (einfachen) und "zivilisierten" (komplexen) Gesellschaften, die eine Abfolge auf einer Evolutionsskala darstellen, entspricht dem Denken des 19. Jahrhunderts - wenngleich solche Modelle auch im 20. Jahrhundert immer wieder aufgegriffen wurden.

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