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up 5 Der Prozess der Datenerhebung
up 5.2 Ethnographie als Prozess der Datenerhebung
up 5.2.1 Forschungsdesign klassischer Ethnographien
up 5.2.1.1 Historischer Partikularismus - Franz Boas

5.2.1.1.1 Franz Boas

Franz Boas (1858 - 1942) wurde in Deutschland geboren und naturwissenschaftlich ausgebildet (Physik, Geographie und Mathematik).

Schon bei seinen ersten (geographischen) Forschungen 1883 bei den Inuit auf Baffin Island und ab 1886 bei den NW-Küstenindianern British Columbia's (hauptsächlich den Kwakiutl) erkennt Boas, dass kulturelle Faktoren eine wesentlichere Rolle spielen als geographische.

Er habilitiert bei A. Bastian in Berlin und geht ab 1887 in die USA. Dort unterrichtet er ab 1896 an der Columbia University in New York und wird zur dominanten Figur in der amerikanischen Anthropologie und patriarchalischer Lehrer mehrerer SchülerInnengenerationen, welche ihm an Bedeutung und Prominenz kaum nachstehen (Benedict, Kroeber, Sapir, Herskovits, Lowie, Radin, Wissler, Mead u.v.a.).

Franz BoasAbbildung: Franz Boas. Quelle: Mead 1972: 126

Boas vertritt die so genannte four-field-anthropology. Darunter ist eine allgemeine Anthropologie bestehend aus Rasse/physische Anthropologie, Sprache, Kultur und Archäologie zu verstehen, wobei jeder dieser Teilbereiche getrennt und mit jeweils anderen Methoden zu studieren ist. (Methoden und Techniken des historischen Partikularismus)

Im Rahmen der Kulturanthropologie wendet er sich gegen die spekulativen Erkenntnisse der Evolutionisten und fordert eine Beschränkung der historischen Rekonstruktion auf eine bestimmte Kultur bzw. ein Kulturareal.

Unter Boas wird das intensive Sammeln von ethnographischem Material durch die Feldforschung zur unerlässlichen Basis der Kulturanthropologie; erst bei ausreichender Datenlage und unter gebotener Vorsicht können Generalisierungen ins Auge gefasst werden. (Theoretische Grundlagen des historischen Partikularismus)

Boas war Begründer der American Anthropological Association und gab die Zeitschrift American Anthropologist heraus.

Seine bedeutendsten Werke sind  The Central Eskimo (1888), The Social Organization and Secret Societies of the Kwakiutl Indians (1897), The Mind of Primitive Man (1911), Primitive Art (1927), Anthropology and Modern Life (1928), Race, Language and Culture (1940), Race and Democratic Society (1945).

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