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up 2 Arten des Schlussfolgerns

2.3 Abduktives Schlussfolgern

Die Abduktion (lat. abductio = Wegführung; engl. abduction) ist eine von Charles S. Peirce formulierte Schlussweise, die neben der Induktion und der Deduktion steht.

Die Abduktion „sucht angesichts überraschender Fakten nach einer sinnstiftenden Regel, [...], welche das Überraschende an den Fakten beseitigt“ (Reichertz 2003: 43) und klar macht, was der Fall ist. „Endpunkt dieser Suche ist eine [...] (sprachliche) Hypothese. Ist diese gefunden, beginnt der Überprüfungsprozess“ (ebd.).

Es handelt sich dabei also um ein hypothesen- bzw. regelgenerierendes Verfahren, welches im Gegensatz zur Deduktion nicht von existierenden Theorien ausgeht, sondern bislang noch nicht bekannte Regeln bzw. Hypothesen formuliert, die gleichzeitig ein Fallverständnis ermöglichen. Die Abduktion schließt somit von einer bekannten Größe (überraschende Fakten) auf zwei unbekannte Größen, nämlich auf die Regel und den Fall.

Mittels dieser neuen sinnstiftenden Regel wird eine Weltdeutung geschaffen, die „würde sie sich als richtig erweisen, uns bei Problemen handlungsfähig macht, angesichts derer wir zuvor handlungsunfähig waren“ (Reichertz 2003: 57) und die nun überprüft werden muss.

Abduktives Folgern ist formallogisch nicht zu begründen, da sich die neue Regel aus dem überraschenden Ereignis nicht logisch stringent ableiten lässt, sondern nur eine theoretisch mögliche Erklärung ist. Ob diese zutreffend ist und inwieweit sie über den konkreten Fall hinaus Gültigkeit beanspruchen kann, muss empirisch überprüft werden.

Abduktive Schlüsse beziehen ihre Gültigkeit also nicht aus der formalen Logik ihres Zustandekommens, sondern aus der empirischen Überprüfung der durch sie generierten Regeln.

Literatur:

Reichertz, Jo. (2003) Die Abduktion in der qualitativen Sozialforschung. Leske & Budrich: Opladen.

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