Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften / Austrian Journal of Historical Studies
28/2017/1: Krimtataren


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Krimtataren.
Ulrich Hofmeister, Kerstin S. Jobst (Hg.)

Clemens Pausz
Das Krim-Khanat und der Aufstieg des Zaporoger Kosakentums. Erich Lassotas Mission im diplomatischen Kontext ÖZG 28/2017/1, 14-4. [Abstract]

Caspar Hillebrand
Evliya Çelebis Krimbericht. Hintergrund, Sprache, Erzählweise ÖZG 28/2017/1, 41-64. [Abstract]

Mieste Hotopp-Riecke  

Tatarisch-preußische Interferenzen im 17. und 18. Jahrhundert. Eine Beziehungsgeschichte ÖZG 28/2017/1, 65-90. [Abstract]

 

Kerstin S. Jobst

‚Dunkle‘ und ‚Goldene‘ Zeiten. Die krimtatarische Bevölkerung unter zarischer und sowjetischer Herrschaft bis 1941 ÖZG 28/2017/1, 91-113. [Abstract]

 

Ulrich Hofmeister
Ein Krimtatare in Zentralasien. Ismail Gasprinskij, der Orientalismus und das Zarenreich ÖZG 28/2017/1, 114-141. [Abstract]

Zaur Gasimov  
Krimtatarische Exil-Netzwerke zwischen Osteuropa und dem Nahen Osten  ÖZG 28/2017/1, 142-166. [Abstract]

Martin Malek  
Die krimtatarische Bevölkerung ab 1991. Von der Repatriierung zur russländischen Besatzung ÖZG 28/2017/1, 167-206. [Abstract]

 

Forum

 

Iskra Schwarcz  

Das Krim-Khanat zwischen Konstantinopel, Wien und Moskau. Edition eines Dokuments ÖZG 28/2017/1, 207-217.

 

Swetlana Czerwonnaja / Martin Malek  

Literarische Verarbeitungen der Deportation der krimtatarischen Bevölkerung. Eine ‚vergessene‘ Quelle der Geschichtsforschung ÖZG 28/2017/1, 218-228.

 

 

Open Space

 

Nathaniel Reul  

Resurrection and Revolution. Austro-Catholicism, German Nationalism, and National Socialism in Slovenia (1933–1941) ÖZG 28/2017/1, 229ff.

 

 

 


 

 

Editorial, ÖZG 28/2017/1, 5-13.

 

Ulrich Hofmeister, Kerstin S. Jobst (Hg.)

Editorial: Krimtataren


„Ihr habt mir mein Land weggenommen!“ – Mit dieser Anklage im Refrain gelang es der krimtatarischen Sängerin Jamala, den in Stockholm ausgetragenen Eurovision Song Contest 2016 für die Ukraine zu gewinnen. Der Titel des Liedes, das auf Englisch und Krimtatarisch gesungen wurde, lautete schlicht „1944“. Dies war ein bis dahin nur für Eingeweihte verständlicher Hinweis auf den traumatischen Wendepunkt der jüngeren krimtatarischen Geschichte, wurde doch im Mai jenes Jahres praktisch die gesamte sich zu diesem Zeitpunkt auf der Halbinsel befindliche krimtatarische Bevölkerung durch die Sowjetmacht nach Zentralasien deportiert.1 Wie über eine ganze Reihe weiterer sowjetischer Nationalitäten in anderen Teilen der Sowjetunion (unter anderem die Tschetschen*innen im nördlichen Kaukasus oder die Nachfahr*innen deutscher Kolonist*innen im Wolga-Gebiet), hatte das stalinistische Regime ein folgenreiches Verdikt über die Krimtatar*innen ausgesprochen: Sie hätten sich der Massenkollaboration mit der nationalsozialistischen Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg schuldig gemacht. Dies war zwar ein Vorwurf, der auch im Fall der muslimischen Krimbewohner*innen in dieser Totalität nicht haltbar war, wie zahlreiche Forschungen bestätigt haben,2 gleichwohl waren die Folgen für die krimtatarische Nationalität verheerend. Auch nach dem Tod Stalins 1953 und selbst nach der berühmten Geheimrede Nikita Chruščevs 1956 auf dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), in der unter anderem auf das Verbrechen dieser Deportationen durch Stalin hingewiesen wurde, blieb der krimtatarischen Bevölkerung für Jahrzehnte die Rückkehr in die Heimat verwehrt. Anders als für die meisten anderen von Repressionen betroffenen Nationalitäten bedeutete diese Wende in der sowjetischen Innenpolitik für sie nämlich nicht, dass sie ihre Deportationsgebiete verlassen und in ihre am Schwarzen Meer gelegene Heimat zurückkehren durfte.3 Im Verlauf der 1960er-Jahre gelang es zwar einigen wenigen, sich dort – nach offiziellen Maßstäben – illegal wieder anzusiedeln, und während der perestrojka der Gorbačev-Jahre schwoll dieser Zustrom an, doch erst nach dem Zerbrechen der Sowjetunion konnte sich eine größere Zahl von Krimtatar*innen auf den Weg in ihre Heimat machen; eine Heimat, die vielen von ihnen gänzlich unbekannt war, da sie diese nur aus den Erzählungen der Älteren kannten. Vor der Annexion im Frühjahr 2014 betrug der krimtatarische Anteil an der Gesamtbevölkerung schließlich circa zwölf Prozent.

Ohne Zweifel markieren die Ereignisse des Mai 1944 den absoluten Tiefpunkt in den über Jahrhunderte immer wieder konfrontativen krimtatarisch-russischen Beziehungen. Diese sollten dennoch nicht als fortgesetzte Gewaltgeschichte gelesen werden, gab es über die Jahrhunderte im russisch-krimtatarischen Kulturkontakt doch immer wieder Phasen der Kooperation – etwa im Kontext von Bündnissen in der frühen Neuzeit oder bei der Ausgestaltung gemeinsamer Lebenswelten in der Zarenzeit.4 Auch diesen Aspekt zu beleuchten, ist ein Ziel dieses Bandes.

Lange Zeit war die Krim im westlichen Europa selbst in Kreisen der historisch arbeitenden Zunft ein wenig bekanntes Gebiet, fast eine Terra incognita. Jamalas Auftritt in Stockholm lenkte jedoch zumindest für einen kurzen Augenblick die Aufmerksamkeit der europäischen Öffentlichkeit auf das Schicksal der Krimtatar*innen, die sich seit der Annexion der Halbinsel durch Russland im Frühjahr 2014 wieder vermehrt staatlichen Repressionen ausgesetzt sehen. Bereits im Vorfeld des internationalen Gesangswettbewerbes erfuhr das Publikum, dass heftig darüber diskutiert worden war, ob das Lied überhaupt den Vorgaben der Veranstaltung entspreche, da dort politische Stellungnahmen ausdrücklich nicht zugelassen sind. Letztendlich wurde aber (gegen heftige Proteste seitens der Russländischen Föderation) entschieden, dass das Lied von einem historischen Faktum handle und keine politische Manifestation darstelle. Auch das Team der Sängerin beteuerte, dass der Text lediglich die Geschichte von Jamalas 1944 von der Krim vertriebener Urgroßmutter thematisiere und somit keine Anspielung auf aktuelle Ereignisse sei.5

Der Sieg Jamalas belegt aber ebenso wie der Protest Russlands dagegen, mit wie viel Emotion die Geschichte der Krim und das krimtatarisch-russische Verhältnis verbunden sind. Dabei geht es nicht zuletzt um die Frage, wem die Krim eigentlich ‚gehört‘: In seiner Ansprache an die Föderale Versammlung vom Dezember 2014 erklärte der russische Präsident Vladimir Putin beispielsweise, die Krim habe für Russland dieselbe Bedeutung wie der Tempelberg in Jerusalem für das Judentum und den Islam. Seit Großfürst Vladimir hier im Jahre 988 die Taufe empfangen habe, sei die Halbinsel für Russland ein „heiliger Boden“.6 Mit dieser Lesart sprach er einer überwältigenden Mehrheit der russischen Bevölkerung aus der Seele, wurde die 1783 vom Zarenreich annektierte Halbinsel doch seit dem 19. Jahrhundert zu einem besonderen, und in jedem Fall ‚russischen‘ Territorium stilisiert. Die angebliche Taufe Vladimirs, die russischen Opfer im Krimkrieg (1853–1856) oder auch einfach nur die Schönheit der Landschaft bildeten seither die ideologische Basis für diese reale und mentale Vereinnahmung.7 Somit gehört es zu den tiefempfundenen ‚Wahrheiten‘ vieler Russinnen und Russen, dass die Krim naš („unser“) sei. Die Sa­kralisierung der Krim durch den russischen Präsidenten kann aber durchaus auch als Antwort auf den krimtatarischen Standpunkt gesehen werden, demzufolge die Halbinsel ebenfalls ein unveräußerliches nationales Territorium ist. Denn gerade während der Jahrzehnte der Verbannung wurde diese zu einer Art Gelobtem Land für die tatarische Bevölkerung, und die Heimkehr in das mythisch aufgeladene Land der Vorfahr*innen wurde für eine glückliche Zukunft herbeigesehnt. Während ein bedeutender Teil der Krimtatar*innen seit den späten achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts tatsächlich auf die Halbinsel zurückkehren konnte, ist das Gebiet seit der Annexion durch Russland nun nicht nur für wichtige Vertreter*innen der krimtatarischen Nationalbewegung wieder unerreichbar,8 sondern auch für die ukrainische Politik zu einem verlorenen Territorium geworden. An der Frage, ob dessen Rückgewinnung unabdingbar für die Integrität des ukrainischen Staates sei und somit letztlich eine Frage der nationalen Ehre, scheiden sich die Geister. Ungeachtet der Anerkennung der Tatsache, dass die Halbinsel für die Ukraine wohl auf lange Zeit verloren ist, nutzten ihre führenden Politiker die Freude über Jamalas Sieg, um daran zu erinnern, dass die Krim ein unveräußerlicher Teil der Ukraine sei.9

Die Halbinsel Krim, die völkerrechtlich ein Teil der Ukraine ist, seit dem Frühjahr 2014 aber de facto von Russland kontrolliert wird, ist auch zu Beginn des Jahres 2017 noch einer der großen geopolitischen Brennpunkte auf der Welt. Ihre Annexion durch Russland, welche Moskau mittels einer international höchst umstrittenen Volksabstimmung zu legitimieren suchte, war der Auslöser für die Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union und der USA. Auch wenn diese Strafmaßnahmen mehrfach verlängert wurden, so wurde (und wird) doch auch ihre Aufhebung debattiert, um ein Entgegenkommen Russlands im Syrien-Konflikt zu erreichen.10 Doch während das Gebiet der Krim und ihr Status weiterhin zumindest sporadisch im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit stehen, finden die krimtatarische Bevölkerung und ihr Schicksal weit weniger Beachtung – woran auch Jamalas Sieg beim Song Contest nichts ändern konnte. Der vorliegende Band will zumindest innerhalb der historischen Wissenschaften einen Beitrag dazu leisten, dass sich dies ändert.

Obgleich das Krim-Khanat seit seiner Etablierung im Verlauf des 15. Jahrhunderts ein wesentlicher Bestandteil der frühneuzeitlichen Staatenwelt Ost- und Ostmitteleuropas war, hat sich die Historiographie vergleichsweise wenig mit der Geschichte seiner der turko-tatarischen Sprachgruppe zugehörigen Titularnation befasst.11 Dies liegt nicht unwesentlich an dem lange Zeit vorherrschenden Primat der Nationalgeschichtsschreibung, welche Nationalitäten und Regionen vernachlässigte, die es im Verlauf des sogenannten langen 19. Jahrhunderts nicht zu einer Eigenstaatlichkeit ‚gebracht‘ hatten. Vergleichbar mit der viel größeren Ukraine, die erst 1991 dauerhaft ihre Unabhängigkeit erreichen konnte und in den letzten Jahrzehnten eine so wichtige Rolle für die Geschicke der Halbinsel spielte, war auch die Krim nur über kurze Phasen eine eigenständige politische Entität gewesen – nämlich im 15. Jahrhundert, ehe das Krim-Khanat 1478 die Oberhoheit des Osmanischen Reiches anerkennen musste (freilich unter Beibehaltung eines nicht unerheblichen politischen Spielraums),12 sowie erneut in Folge der russischen Revolutionen des Jahres 1917 und des sich anschließenden Bürgerkriegs.

In den letzten Jahren hat sich das wissenschaftliche Interesse von der großen, auf den Nationalstaat bezogenen Meistererzählung ab- und der transnationalen beziehungsweise imperialen Geschichte zugewandt.13 Davon hat die Forschung über Krimtatar*innen profitiert, da sich krimtatarische Geschichte seit dem 15. Jahrhundert zumeist im Kontext von Imperien vollzog, nämlich dem Osmanischen Reich, dem Russländischen Imperium sowie der Sowjetunion. Zudem wird die Halbinsel Krim zunehmend im Zusammenhang mit dem nun auch als historische Mesoregion verstandenen Schwarzmeerraum behandelt,14 wie sich etwa an den auch außerhalb der Wissenschaft rezipierten Werken von Neal Ascherson und Charles King ablesen lässt.15 Wenn in solchen Arbeiten naturgemäß auch krimtatarische Geschichte behandelt wird, so bleibt die Forschung zu dieser Gruppe an sich ein verhältnismäßig kleines Feld, welches zudem zwischen Disziplinen, Sprachen und Forschungstraditionen aufgespalten ist. Osteuropa-Historiker*innen und Orientalist*innen arbeiten auch im Fall der Krim oft neben- statt miteinander, zum Teil sogar ohne die jeweils anderen Quellen und Werke zu kennen. Ein weiteres Problem kommt hinzu, können doch beileibe nicht alle Forscher*innen (und die Herausgeber*innen dieses Bandes nehmen sich da nicht aus) das Thema in seiner ganzen sprachlichen Dimension erfassen, wozu sowohl russische, polnische als auch tatarische und osmanische Quellen zu lesen wären, wobei vor allem Orientalist*innen aus Ostmitteleuropa mit ihren Arbeiten zur frühneuzeitlichen Welt des nördlichen Schwarzmeerraumes als rühmliche Ausnahmen zu nennen sind.16

Vor dem Zerfall der Sowjetunion wurde in der westlichen Welt durchaus auch zu den Krimtatar*innen gearbeitet, neben Alan Fisher sind die Arbeiten Alexandre Bennigsens17 oder Edward Lazzerinis zu nennen.18 Selbst wenn diese und weitere, hier nicht einzeln aufgeführte Autorinnen und Autoren hervorragende, heute noch als grundlegend geltende Werke zur Geschichte der Krimtatar*innen vorgelegt haben, so standen diese Forschungen zumindest implizit auch unter politischen Vorzeichen, da damit auch die mögliche „Bedrohung“ des sowjetischen Vielvölkerimperiums durch seine muslimischen Nationalitäten wissenschaftlich ausgelotet werden sollte, wie Alexandre Bennigsen und Marie Broxup recht unverblümt in einer ihrer Arbeiten schon im Titel ankündigten.19 In jedem Fall hatte (und hat!) die wissenschaftliche Forschung zur Krim von vornherein eine eminente politische Bedeutung. So gibt es daher häufig größere Überschneidungen mit politischem Aktivismus als in manchen anderen Forschungsfeldern.

Der vorliegende Band geht auf einen Workshop zurück, der auf Initiative Hüseyin I. Çiçeks im Jänner 2015 an der Universität Wien stattfand und von ihm und Kerstin S. Jobst gemeinsam organisiert wurde.20 Das Themenheft hat es sich ebenso wie der damalige Wiener Workshop zur Aufgabe gemacht, der disziplinären Spaltung in der Forschung zu den Krimtatar*innen ein Stück weit entgegenzuwirken, indem es Autorinnen und Autoren zusammenbringt, die im weitesten Sinne im deutschsprachigen Umfeld wirken beziehungsweise mit der deutschsprachigen academia in Kontakt stehen und die sonst durch Grenzen zwischen Fachrichtungen, Sprach- und Wissenschaftsräumen sowie Herangehensweisen voneinander getrennt sind. An dieser Publikation haben daher Forscherinnen und Forscher mitgewirkt, die ihre wissenschaftliche Heimat im deutschen, türkischen und russisch beziehungsweise polnischen Sprachraum haben. Sie kommen aus unterschiedlichen Disziplinen – darunter die Politikwissenschaft, die Osteuropäische Geschichte, aber auch die philologisch ausgerichtete Turkologie. Und schließlich haben sie auch ein ganz unterschiedliches Selbstverständnis: Während manche ihre Aufgabe in der rein akademischen Forschung sehen, haben sich andere darüber hinaus dem politischen Engagement für die krimtatarische Sache verschrieben. Diese Heterogenität der Ansätze der Autorinnen und Autoren spiegelt sich auch in diesem Themenheft wider. Bei der Herausgabe wurde ausdrücklich darauf verzichtet, eine gemeinsame Fragestellung, eine gemeinsame Theorie oder eine gemeinsame These vorzugeben, an der sich alle Beiträge zu orientieren hätten. Unserer Meinung nach ist es nicht zielführend, das kleine und zugleich so vielfältige Forschungsfeld über Krimtatar*innen in ein allzu enges theoretisches oder methodisches Korsett zu schnüren. Vielmehr möchten wir einen Überblick darüber geben, wie breit gefächert die aktuellen Forschungen und Meinungen derzeit sind. Auf diese Weise soll dieses Themenheft dazu beitragen, in der fragmentierten Forschung zu den Krimtatar*innen ein gemeinsames Gespräch (nicht nur im übertragenen Sinne) zu initiieren.

Die Vielfalt der disziplinären Zugänge ist bereits bei den Beiträgen, die sich mit der frühneuzeitlichen Geschichte des Krim-Khanats beschäftigen, deutlich sichtbar. Den Einstieg macht der Osteuropa-Historiker Clemens Pausz. In seinem Aufsatz nähert er sich den Krimtatar*innen über ihre Nachbarn und Gegenspieler, die Kosaken-Verbände, an. Pausz zeigt den Einfluss auf, den das Krim-Khanat auf die Entwicklung der Kosaken-Gemeinschaften in den Steppengebieten nördlich des Schwarzen Meeres ausübte. Die Krimtatar*innen dienten den Kosak*innen nicht nur als Vorbild für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise, sondern verhalfen ihnen indirekt auch zu größerer internationaler Bedeutung. Denn im Kontext der sogenannten Türkenkriege loteten sowohl der Heilige Stuhl als auch der kaiserliche Hof in Wien Möglichkeiten aus, die Kosaken als Verbündete zu gewinnen, um so das kriegerische Potential des Krim-Khanats zu minimieren. Caspar Hillebrand als Turkologe und Übersetzer hingegen wendet sich der Krim von Süden her zu. In seinem Beitrag untersucht er die Darstellung der Krim durch den berühmten osmanischen Reisenden Evliya Çelebi. Dieser hatte die Halbinsel Mitte des 17. Jahrhunderts zweimal besucht, doch die Passagen seines zehnbändigen Lebens- und Reiseberichts, die diese Stationen seiner Reise behandeln, wurden bisher noch nicht in eine westeuropäische Sprache übersetzt. Hillebrand zeigt nun, dass Evliyas Blick auf das Krim-Khanat keineswegs von hauptstädtischer Arroganz gegenüber dem kleinen Vasallen des Osmanischen Reichs geprägt war, sondern dass er durchaus Wertschätzung für die Giray-Khane ausdrückte, deren Verbundenheit mit den Osmanen er betonte. Der dritte frühneuzeitliche Beitrag in diesem Heft stammt von dem Turkologen Mieste Hotopp-Riecke, der die mitteleuropäische Dimension der krimtatarischen Vergangenheit betont. Hotopp-Riecke untersucht die Geschichte der preußisch-krimtatarischen Beziehungen und geht dabei nicht nur auf stereotype Darstellungen der Tatar*innen in der deutschsprachigen Belletristik ein, sondern zeigt auch, dass das Krim-Khanat bereits im 17. Jahrhundert eine Rolle in den preußischen Großmachtbestrebungen spielte, und dass es unter Friedrich II. Versuche gab, krimtatarische Soldaten und Siedler*innen anzuwerben. Hotopp-Rieckes Aufsatz trägt so dazu bei, das bisher dominierende Bild der mitteleuropäisch-tatarischen Konfliktgeschichte zu relativieren.

Die Osteuropa-Historikerin Kerstin S. Jobst untersucht in ihrem Beitrag die krimtatarische Geschichte unter russischer und sowjetischer Herrschaft bis zur Deportation der Krimtatar*innen 1944. Sie fragt dabei, inwiefern die im krimtatarischen Diskurs evidenten Zuschreibungen eines „Goldenen“ respektive eines „Dunklen Zeitalters“ historisch haltbar sind. Anstatt die gesamte Geschichte nur aus dem Fluchtpunkt 1944 heraus zu betrachten, plädiert sie für eine differenzierte Sichtweise, die sowohl den Phasen der Konfrontation als auch denen der Kohabitation zwischen den krimtatarischen und den russischen Teilen der Bevölkerung Beachtung schenkt. Einer Zentralfigur des krimtatarischen Geisteslebens im späten 19. Jahrhundert widmet sich der Osteuropa-Historiker Ulrich Hofmeister: Er untersucht die russischen Schriften des bedeutenden krimtatarischen Reformers Ismail Gasprinskij (krimtatarisch İsmail Bey Gaspiralı). Anhand dessen Darstellung der zentralasiatischen Gebiete des Zarenreichs wird deutlich, dass Gasprinskij seinen Einsatz für die krimtatarische Sache als Teil einer russisch-islamischen Selbstzivilisierung präsentierte. Darin, so Hofmeister, zeigt sich die Vielschichtigkeit des russisch-krimtatarischen Verhältnisses, für das dichotomische Modelle wie ‚Kolonialismus‘ oder ‚Orientalismus‘ zu kurz greifen.

Der Beitrag des Historikers und Völkerrechtsspezialisten Zaur Gasimov leitet in die Zeit nach 1917 über. Er stellt das Archiv der Brüder İsmail und İbrahim Otar vor, zweier führender Vertreter des krimtatarischen Exils in Istanbul. Die Bibliothek und die Korrespondenzen der beiden belegen die engen Verbindungen krimtatarischer Exil-Aktivist*innen in der Türkei, in Polen und in Rumänien während des 20. Jahrhunderts. Das Netzwerk der Gebrüder Otar umfasste aber auch Kontakte in Deutschland (vor und nach 1945) sowie im Nahen Osten. In einem abschließenden Beitrag beleuchtet der Politikwissenschaftler Martin Malek schließlich die widersprüchlichen Entwicklungen seit dem Ende der Sowjetunion bis in die unmittelbare Gegenwart. Ab den späten 1980er-Jahren war es den Krimtatar*innen erlaubt, auf die Halbinsel zurückzukehren. Doch die Rückkehr stellte sich als schwieriger heraus, als es viele von ihnen erwartet hatten. Trotz der offiziellen Unterstützung durch die nun unabhängige Ukraine stießen die Rückkehrer*innen auf den Widerstand der russisch dominierten Lokal- und Regionalverwaltung. Angesichts der russischen Annexion der Krim 2014 und des Drucks, dem Krimtatar*innen nun ausgesetzt sind und der von Malek ausführlich dargelegt wird, ist davon auszugehen, dass die Rückkehrbewegung vorerst an ihr Ende gekommen ist.

Das „Forum“ dieses Heftes wirft zwei neue Schlaglichter auf die krimtatarische Geschichte. Die Osteuropa-Historikerin Iskra Schwarcz stellt ein Dokument aus dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien vor, das sie als die Übersetzung eines Briefes aus dem Jahr 1678 identifiziert. Darin lässt ein geheimer Informant dem Herrscher eines der Donaufürstentümer Informationen über die strategischen Pläne des Krim-Khans und die Dislokation verschiedener tatarischer Horden zukommen. Der Brief ermöglicht einen Einblick in die Stimmung und die Sichtweise der krimtatarischen Führung zu einem Zeitpunkt, als sich die Machtverhältnisse im östlichen Europa gerade deutlich verschoben.

Der Deportation der Krimtatar*innen unter Stalin sowie ihrer literarischen Verarbeitung widmet sich der gemeinsame Beitrag von Swetlana Czerwonnaja und Martin Malek, der wegen seiner besonderen Herangehensweise ebenfalls im „Forum“ platziert wurde. Die Ethnologin und der Politikwissenschaftler zeigen, wie in krimtatarischen literarischen Werken selbst unter den Bedingungen der sowjetischen Zensur die Deportation zumindest in Andeutungen thematisiert wurde, sodass diejenigen, die verstehen wollten, verstehen konnten. Erst seit der Ära von perestrojka und glasnost’ ist auch in der Literatur eine offenere Auseinandersetzung mit der Deportation möglich.

Die krimtatarische Geschichte wird in diesem Themenheft also aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet. Neben krimtatarischen Akteur*innen selbst kommen auch ukrainische Kosaken, preußische Könige, österreichische Gesandte, polnische Wissenschaftlerinnen, zentralasiatische Khane, russische Gouverneure, osmanische Reisende und viele andere ‚zu Wort‘. Diese Vielfalt an Akteur*innen und Perspektiven entspricht der Vielfalt an Forschungsrichtungen, die sich mit der Krim beschäftigen. Nicht zuletzt spiegelt sich diese Heterogenität auch in der Sprache und in der Schrift wider: Die krimtatarische Sprache wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mit mindestens drei verschiedenen Alphabeten wiedergegeben, und für zahlreiche Orts- und Personennamen existieren in den unterschiedlichen Sprachen mehrere Versionen.21 Angesichts dieser Vielfalt wurde bei der Herausgabe des Themenhefts auf eine einheitliche Transliteration verzichtet, da dies unweigerlich bedeutet hätte, eine disziplinäre oder sprachliche Perspektive zu privilegieren und über die anderen zu stellen. Stattdessen greifen die einzelnen Autor*innen auf diejenigen Transliterationen und Schreibweisen zurück, die in ihrer eigenen Forschungstradition etabliert sind. Wir sind davon überzeugt, dass diese Vielstimmigkeit die angemessenste Form ist, der krimtatarischen Geschichte zu begegnen.

Die hier vorliegenden Aufsätze wie auch die neue Webseite www.krimtataren.eu sind ein Resultat der Wiener Tagung von 2015 und werden, so steht zu hoffen, interessierten Kolleg*innen und Fachfremden einen Einblick in aktuelle Forschungen zu krimtatarischen Themen geben.

 

Ulrich Hofmeister, Wien

Kerstin S. Jobst, Wien

 

 

Anmerkungen

 

1) Diese betrug zum Zeitpunkt der Deportation insgesamt ca. 220.000 Menschen. Die gut 20.000 Männer, die in der sowjetischen Armee dienten, befanden sich im Frühjahr 1944 mehrheitlich nicht auf der Krim.

2) Vgl. etwa Norman Naimark, Fires of Hatred. Ethnic Cleansing in Twentieth-Century Europe, Cambridge/Mass./London 2001; J. Otto Pohl, Ethnic Cleansing in the USSR, 1937–1949, Westport 1999; Alexander Nekrich, The Punished Peoples. The Deportation and Fate of Soviet Minorities at the End of the Second World War, New York 1978; Deportationen in Stalins Sowjetunion. Das Schicksal der Russlanddeutschen und anderer Nationalitäten, Sonderheft Nordost-Archiv. Zeitschrift für Regionalgeschichte, Neue Folge 21 (2012). Alle Werke befassen sich auch mit dem krimtatarischen Fall.

3) Von den zahlreichen deportierten Völkern teilten nur die Deutschen aus der ehemaligen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen sowie die turksprachigen Mescheten, die bis 1944 im Gebiet des heutigen Südgeorgiens siedelten, dieses Schicksal.

4) Vgl. Dariusz Kołodziejczyk, Das Krimkhanat als Gleichgewichtsfaktor in Osteuropa (17.–18. Jahrhundert), in: Denise Klein, Hg., The Crimean Khanate between East and West (15th–18th Century), Wiesbaden 2012, 47–58.

5) Ukraine gewinnt ESC mit Lied über Vertreibung, in: Zeit Online (15.5.2016), http://www.zeit.de/kultur/musik/2016-05/ukraine-gewinnt-den-eurovision-song-contest-deutschland-verliert (13.7.2016); Krimtatarin Jamala darf mit „1944“ starten, in: Eurovision.de (11.3.2016),

            http://www.eurovision.de/news/ESC-2016-Jamala-startet-fuer-Ukraine-mit-1944,ukraine656.html (13.7.2016).

6) Vladimir Putin, Poslanie Prezidenta Federal’nomu Sobraniju 4 dekabrja 2014 goda, http://www.kremlin.ru/events/president/news/47173 (13.7.2016).

7) Vgl. hierzu grundlegend Kerstin S. Jobst, Die Perle des Imperiums. Der russische Krimdiskurs im Zarenreich, Konstanz 2007.

8) Standoff As Crimean Tatar Leader Again Denied Entry Into Crimea, in: Radio Free Europe/Radio Liberty (3.5.2014), http://www.rferl.org/content/standoff-as-crimean-tatar-leader-again-denied-entry-into-

crimea/25371965.html (13.7.2016).

9) So etwa Pavlo Klimkin, mittlerweile Außenminister der Ukraine, auf Twitter. Siehe https://twitter.com/PavloKlimkin/status/731616497899085824 (13.7.2016).

10) Fredrik Wesslau, Why Non-Recognition Matters in Crimea, in: European Council on Foreign Relations (18.3.2016), http://www.ecfr.eu/article/commentary_why_non_recognition_matters_in_crimea6043

            (13.7.2016).

11) Als wichtige Ausnahmen seien u.a. genannt: der Doyen der Orientalistik im Habsburgerreich Joseph von Hammer-Purgstall, Geschichte der Chane der Krim unter osmanischer Herrschaft vom 15. Jahrhundert bis zum Ende des 18. Jahrhundert. Als Anhang zur Geschichte des Osmanischen Reichs zusammengetragen aus türkischen Quellen, mit Literatur-Übersetzungen und Anmerkungen, mit der Zugabe eines Gasel von Schahingerai, Türkisch und Deutsch, St. Leonards/Amsterdam 1970 (Neudruck der Ausgabe Wien 1856); V. D. Smirnov, Krymskoe Chanstvo pod verchovenstvom Otomanskoj Porty do načala XVIII veka [Das Krim-Chanat unter der Herrschaft der Osmanischen Pforte bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts], Sankt-Peterburg 1887; Alan W. Fisher, The Crimean Tatars, Stanford/Calif. 1978; V. E. Vozgrin, Istoričeskie sud’by Krymskich Tatar [Die historischen Geschicke der Krimtataren], Moskva 1992; Brian Glyn Williams, The Crimean Tatars. The Diaspora Experience and the Forging of a Nation, Leiden/Boston/Köln 2001.

12) Gheorghe Ionan Brătianu, La Mere Noire. Des origines á la conquête ottomane, München 1969.

13) Vgl. hierzu im Überblick Kerstin S. Jobst/Julia Obertreis/Ricarda Vulpius, Imperiumsforschung in der Osteuropäischen Geschichte. Die Habsburgermonarchie, das Russländische Reich und die Sowjetunion, in: Peter Haslinger, Hg., Ostmitteleuropa transnational. Sonderheft der Zeitschrift Comparativ 18/2 (2008), 27–56.

14) Vgl. dazu Stefan Troebst, Le Monde Méditerranéen – Südosteuropa – Black Sea World. Geschichtsregionen im Süden Europas, in: ders., Erinnerungskultur – Kulturgeschichte – Geschichtsregion. Ostmitteleuropa in Europa, Stuttgart 2013, 405–418.

15) Neal Ascherson, Schwarzes Meer, Berlin 1996; Charles King, The Black Sea. A History, Oxford 2004.

16) Wir verweisen hier stellvertretend auf die Arbeiten István Vásárys (u.a. Turks, Tatars and Russians in the 13th–16th Centuries, Aldershot/Burlington 2007) und Dariusz Kołodziejczyks (u.a. The Crimean Khanate and Poland-Lithuania. International Diplomacy on the European Periphery 15th–18th Century. A Study of Peace Treaties Followed by Annotated Documents, Leiden 2011).

17) Alexandre Bennigsen/Chantal Lemercier-Quelquejay, La presse et le mouvement national chez les Musulmans de Russie avant 1920, Paris/Den Haag 1964.

18) Edward L. Lazzerini, Ismail Bey Gasprinskii and Muslim Modernism in Russia, Ph.D. Diss., University of Washington, Seattle 1973.

19) Alexandre Bennigsen/Marie Broxup, The Islamic Threat to the Soviet State, New York 1983.

20) Siehe den Tagungsbericht: Krimtataren in Geschichte und Gegenwart, 29.1.2015–30.1.2015 Wien, in: H-Soz-Kult (11.6.2015), http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6018 (13.7.

2016).

21) Siehe Ingeborg Baldauf, Schriftreform und Schriftwechsel bei den muslimischen Rußland- und Sowjettürken (1850–1937). Ein Symptom ideengeschichtlicher und kulturpolitischer Entwicklungen, Budapest 1993.

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Abstracts, ÖZG 28/2017/1

 

Clemens Pausz

 

Das Krim-Khanat und der Aufstieg

des Zaporoger Kosakentums

Erich Lassotas Mission im diplomatischen Kontext

 

Abstract: The Crimean Khanate and the Rise of the Zaporozhian Cossackry. Erich Lassota’s Mission in a diplomatic context. During the 15th and 16th centuries independent Cossack communities evolved in permanent conflict with the Crimean Tatars in the steppe regions north of the Black Sea. Though nom­inally under Polish suzerainty, the Cossacks vigorously asserted their independence. During the second half of the 16th century the Holy See and the Austrian Habsburgs considered the Zaporozhian Cossacks a potential ally capable of keeping the Crimean Tatars in check. Here it is shown how the conflict between Habsburgs and Ottomans provided the Cossacks with the opportunity to act as an independent local power. This paper shows that the conflict between Habsburgs and Ottomans provided the Cossacks with the opportunity to act as an independent local power, when Erich Lassota was sent to the Zaporozhian Sitch as Habsburg envoy. However, relations with the Zaporozhians turned out to be complicated, especially because of the spe­cific make-up of the Cossack communities. Moreover, the Cossacks did not yet follow a clear policy in their relations with other powers. Thus the efforts to build up a long-term alliance failed. Nevertheless, the Cossack position as an opponent of the Crimean Tatars became well established.

 

Key Words: Crimean Tatars, Cossacks, Polish-Lithuanian Commonwealth, Habsburgs, 1593–1606


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Caspar Hillebrand

 

Evliya Çelebis Krimbericht


Hintergrund, Sprache, Erzählweise

 

Abstract: Evliya Çelebi’s Account of the Crimea. Background, Language, Narration. This article describes the Ottoman traveller Evliya Çelebi’s account of the Crimean Khanate in the mid-17th century, starting with a general introduction to author and work and an overview of his itinerary on the Crimea. In the light of the khanate’s special position among the Ottoman depen­-

d­encies on the one hand and the changes in the power balance between khan and sultan during this period on the other, several passages of Evliya’s account are examined with regard to his depiction of the Giray dynasty. Rather than suggesting disdain or arrogance, these passages appear on the con­trary to show a genuine appreciation, although – in Evliya’s typical manner – not without ironic and entertaining elements. At the same time, while Evliya stresses the connections between the two dynasties, in case of doubt he pres­ents his own in a slightly more favorable light. However, for all the elements of commonality that he identifies, it seems to be precisely the Crimean Tatars’ self-reliance that Evliya appreciates.

 

Key Words: Evliya Çelebi, Seyahatname, Giray dynasty, Crimean Khanate, Ottoman Empire, 17th century

 

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Mieste Hotopp-Riecke

 

Tatarisch-preußische Interferenzen

im 17. und 18. Jahrhundert

 

Eine Beziehungsgeschichte

 

Abstract: Tatar-Prussian Connections in the 17th and 18th Centuries. The His­tory of a Relationship. The history of the Tatar soldiers in the armies of Prussia and Saxony has hitherto only rarely been the subject of scholarly publications, but it offers a useful starting point for illuminating Christian-Islamic relations in the 17th and 18th centuries. Tatar soldiers were to be found in the Bosniak, Hussar, Cossack and Towarczys units of the Prussian and Sax­on Army as well as in the short-lived Tatar Pulk of the Prussian army. At the same time diplomatic exchanges took place between Lipka Tatars, Crimean Tatars, Prussians and Saxons, beginning in the 15th century and lasting until 1786. A Tatar Muslim population has resided in the geographic center of

Europe – in Lithuania and Poland – for more than 600 years. Its presence prob­ably also shaped the distinctive collective image of this ethnic group

formed by its German neighbors, the inhabitants of the former East Prussia, Masovia, Kujawia, Silesia and West Prussia.

 

Key Words: Crimean Tatar history, stereotype research, German-Tatarian relationship, military history

 

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Kerstin S. Jobst

 

‚Dunkle‘ und ‚Goldene‘ Zeiten

 

Die krimtatarische Bevölkerung unter zarischer und

sowjetischer Herrschaft bis 1941

 

Abstract: ‘Dark’ and ‘Golden’ Times. The Crimean Tatars under Tsarist and Soviet rule until 1941. Throughout the 19th century, many Crimean Tatars left the Crimea both of their own accord and under duress, and in the wake of World War II Stalin had the Crimean Tatars forcibly expelled (the so-called

sürgün). In part because of this, Russian rule over the conquered Crimea and its Muslim population since annexation in 1783 and subsequent Soviet control have tended to be seen as a continuous history of violence. While it would be inappropriate to judge Russian-Crimean Tatar encounters solely from this perspective, the existence of mutual distrust on account of religious difference is undeniable. That said, since the beginning of their cohabitation on the peninsula at the end of the 18th century, these two ethnic groups have known periods of peace and mutual exchange, at least at the local level. With­in this context, this article asks whether and to what extent the Muslim Tatar population was able to participate in politics, economics, society, and culture under the Tsarist Empire and during the early Soviet period up to 1941. It

demonstrates how, while both systems legally granted the Tatars a range of opportunities for participation in local politics and in the routines of daily life, these legal rights were not always implemented. The article con­cludes that the distinction often made between ‘bad’ (‘dark’) Tsarist and ‘good’ (‘gold­en’) Soviet times is thus inappropriate.

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Ulrich Hofmeister

Ein Krimtatare in Zentralasien

 

Ismail Gasprinskij, der Orientalismus und das Zarenreich

Abstract: A Crimean Tatar in Central Asia. Ismail Gasprinskii, Orientalism, and the Tsarist Empire. This article explores the engagement of Ismail Gasprinskii (İsmail Gaspıralı), the famous Crimean Tatar activist, with the Central Asian provinces of the Tsarist Empire. Based on an analysis of Gasprinkii’s Russian writings, it argues that the dichotomy between Orient and Occident as proposed by Edward Said does not suffice to describe Crimea’s ambivalent position in the Russian Empire. Even though Gasprinskii was himself

deemed an alien and an Oriental by Russian nationalists, he held markedly ‘Orientalist’ views and described the population of Turkestan, Bukhara and Khiva as backward and ignorant. However, departing from conventional Orientalist discourse, Gasprinskii presented the alleged backwardness of Central Asia as part of not only the general backwardness of Russia’s Muslim societies, but also of the need of reform in Russia generally.

Key Words: Gasprinskii, Orientalism, Tsarist Empire, Crimea, Central Asia

 

 

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Zaur Gasimov

 

Krimtatarische Exil-Netzwerke zwischen

Osteuropa und dem Nahen Osten

 

Abstract: Crimean Tatar Exile Networks between Eastern Europe and the Middle East. Along with the Crimean Peninsula and the Romanian region of Dobrugea, Istanbul became an important center of Crimean Tatar culture and political activity from the end of the nineteenth and throughout the twentieth century. Crimean Tatar activists promoted the idea of Crimea’s cultural and then political autonomy and protested against the mass deporta­tion of the Crimean Tatar population by the Soviet authorities in 1944. Cafer Seydahmet, the brothers İsmail and İbrahim Otar, Abdullah Zihni Soysal, Sabri Arıkan, Yusuf Uralgiray and many others launched publicist and political campaigns for the promotion of the Crimean Tatar cause. The aim of this article is to analyse the numerous networks and interrelations between Crimean Tatar exiles with their compatriots and other Turkic and Euro­pean intellec­tuals, orientalists and other scholars between Crimea, Constanţa, Istanbul, Paris, Warsaw and other parts of the world. The study is based on the investi­gation of several Crimean Tatar emigrant archives in Istanbul, mainly the

Otar-Collection (the archive of İsmail Otar), and the private collections of Bilge Otar and Kaan Öztürk.

 

Key Words: Crimea, Ukraine, Poland, Promethean movement, Turkey

 

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Martin Malek

 

Die krimtatarische Bevölkerung ab 1991

 

Von der Repatriierung zur russländischen Besatzung

 

Abstract: The Crimean Tatars Since 1991: From Repatriation to Russian Occupation. From the end of the 1980s, the Crimean Tatars returned from exile in Central Asia, where they had been sent to by Yosif Stalin in 1944, to Crimea. According to the Ukrainian census in 2001 there were 248,200 Crimean Tatars in the country, most of them in Crimea. An unknown number re-

mained in Central Asia, mainly in Uzbekistan. Especially in the early years of their return, the Crimean Tatars in their historical homeland faced problems such as a lack of land for housing and other forms of construction, difficulties ac­quiring Ukrainian citizenship, and unemployment. Other permanent difficulties were the challenge of preserving the Crimean Tatar lan­guage, dis­crimination, and the general political climate on the peninsula, where Rus­sians as the majority ethnic group were not well-disposed towards them.

This article depicts the roles of the Crimean Tatars‘ Qurultay (Congress) and the Mejlis (the highest executive-representative body in the period be­tween sessions of the Qurultay). It argues that the Crimean Tatar members of Crimea’s regional Parliament remained without significant influence. More­over, since the Russian occupation of Crimea in March 2014 the Crimean Tatars are suspected of "disloyalty" and are harassed by the Russian occupying authorities.

 

Key Words: Crimean Tatars, Crimea, Ukraine, Russia, deportation

 

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Forum

 

Iskra Schwarcz

 

Das Krim-Khanat zwischen Konstantinopel, Wien und Moskau

 

Edition eines Dokuments

 

 

Swetlana Czerwonnaja/Martin Malek

 

Literarische Verarbeitungen der Deportation der krimtatarischen Bevölkerung

 

Eine ‚vergessene‘ Quelle der Geschichtsforschung

 

 

Open Space

 

 

Nathaniel Reul

 

Resurrection and Revolution. Austro-Catholicism, German Nationalism, and National Socialism in Slovenia (1933–1941)

 

Abstract: This article analyzes the nature of ethnic Germans’ identities and nationalisms in what is now modern Slovenia from the beginning of the Third Reich in 1933 to the Nazi invasion of Yugoslavia in 1941. The reactions of these Germans to world and local events are examined through the prism of local German-language media and archival sources, which show that ethnic Germans at this time were conflicted by multiple identities and nationalisms: one that most strongly aligned with the German nationalism of National Socialist ideology, and one that was marked by a robust Austro-Catholic regional identity aligned with conservative Christian Austrians in neighboring Austria. This article therefore adds to an understanding of the appeal of National Socialism for and types of nationalism of ethnic Germans outside of the Third Reich, as well as the role of religion in Austrian identity formation in the early twentieth century.

 

Key Words: German history; Austrian history; German nationalism; National Socialism; Catholicism; Slovenian history

 

 


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